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und dann war da noch: Heimatabend

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Im Rahmen des Festivals hier! präsentieren Thorsten Trelenberg und ich nicht nur unsere gemeinsam mit Thomas Kade herausgegebene Anthologie, sondern dürfen auch gleich noch mal unser gemeinsames Programm Heimatabend -eine etwas andere literarische Landvermessung- zu Gehör bringen.

Moderne Heimatgedichte aus unseren beiden Bänden, dazu launiges Geplauder und Wissenswertes über den schwierigen Begriff: Heimat. Dazu Piano-Musik und ein feines Ambiente am Kamin.

Genaueres zum Programm, Fotos und Infos gibt`s auf der eigenen Heimatabend-Seite:www.heimatabend.wordpress.com

heimatabendlogo
28.09.2017 / 19:30 Uhr
Stadtbücherei Steinfurt
Markt 19, 48565 Steinfurt

Eintritt: 8 €
Veranstalter:
Stadtbücherei Steinfurt in Kooperation mit dem Förderverein

Weiteres:
VVK in der Bücherei bzw. telefonisch unter 02551/7802

 

 

 

 

 

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Landschaft in der Brühe/ Schön hier!

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landschaft

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…einer der beiden Texte, mit denen ich in unserer jüngst erschienenen Anthologie Schön hier!  als Autor vertreten bin. Auch das Foto findet sich dort. Ein weiteres zu meinem zweiten Text zeigt den schon als romantische Ruine erbauten Turm auf einer Insel im Bagno-See, dem Zentrum unseres steinfurter Bagno-Parks, einem ehemaligen Lustgarten des Grafen zu Bentheim-Steinfurt. Lieblingsplätze eben.
Schoen hier Cover Grafik

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Buchtipp auf LilaWe

westfalenkarteblankoSeit gestern ist unsere neue Anthologie offizieller Literaturtipp auf der Seite  Literaturland Westfalen, dem Veranstalter des exzellent bestückten Festivals hier!, bei dessen Auftaktveranstaltung wir unser Buch am 26.08. präsentieren dürfen.
Viele der vertretenen Autoren werden anwesend sein und mit uns im Programm:
Wilsberg-Autor Jürgen Kehrer, Ralf Thenior, Julia Trompeter, Petra Reski und viele Andere.

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Und dann hat unsere Autorin Maike Frie aus Münster, deren beiden Mikrogeschichten: Herzkino und Die Bank sicherlich zu den Highlights der Anthologie gehören, einen sehr schönen Artikel auf ihrem Blog veröffentlicht.
Kanalbank blauer Himmel

 

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-Die Murphy-Mails I-

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an:www.murphy@hotmail.com

Lieber Murphy,

6 mal 6 und dieses Gesicht im Spiegel zeigt einem schon Ahnungen von seinem Zustand mit 50, mit 60 und entspricht so wenig dem Bild, das man selbst von sich hat und alles, was man nicht leiden mochte, als man jung war, verstärkt sich mit dem Alter. Die Nase, die Ohren wachsen ein Leben lang weiter, aber das Haar wird dünn. Man selbst sieht sich noch immer mit diesem weiten, wundergläubigen Blick: ein wenig zu weich, ein wenig zu weiblich. Mühelos schaut man hinter diese Maske, die Reife und Männlichkeit vorgibt. Noch immer ist man paralysiert und hilflos beim Anblick der oft schmerzhaften Perfektion junger Frauen. Man ist nach wie vor ahnungslos und unfähig, aus Fehlern zu lernen. Das magische Denken, sagt man, verschwindet mit sechs Jahren, aber jetzt hat man sechs mal sechs und genau wie die Kinder an Karneval verschmilzt man wie von Zauberhand mit dem, der man so gerne sein will und das eigentliche, eigene Gesicht verschwindet. Man füllt die hohlen Hände mit kaltem Wasser und wäscht sich und alles fühlt sich genau an wie immer. Verwandlungen: Gregor der Käfer fühlt sich genau so wie Gregor der junge Mann, bis auf einige körperliche Veränderungen, die allzu schnell vertraut sind und vergessen. Tigelchen und Töpfchen auf der Ablage sagen: Iss mich! Trink mich! Wer aus mir trinkt wird ein Tiger, wer aus mir trinkt wird ein Reh. Ein vager Blick muss reichen. Man mochte diesen schmollenden verwöhnten Zug nicht, aber seine bittere Negation auch nicht allzu genau betrachten. Man will sich in die Fresse hauen, aber wenn der Spiegel bricht, bist du sieben Jahre verflucht und sieben Jahre braucht die Haut, um sich komplett zu erneuern. Du wirst gewaschen von der Zeit, die über dich weggeht, ohne, dass du was dazu tust, aber auch geschliffen und geglättet. Nur, wenn wir tun, als ob wir Tiere wären, die nicht um das Sterben wissen und verbissen ineinander kämpfen um diesen einen Moment, in dem nicht der faulige Hauch der Zeit in der Luft liegt, klingt es ganz kurz kehlig und kraftvoll nach Leben wie die Laute der rolligen Katzen nachts im Hof.

herzlichst

dein

M.

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„Die heiklen Passagen..“ in Bild & Ton

Einen kleinen Eindruck von der Premiere der „heiklen Passagen“ am vergangenen Freitag kann man nun auch in bewegten Bildern gewinnen. Hier die allerletzte Szene des Romans: Hamsuns letzte Stunden. Viel Spaß!

Vielen Dank an Herrn Nolting, der den gesamten Abend festhielt.

Wunderbar begleitet von Nanni Nolting mit Erik Saties: Gymnopedie
Morgen gibt`s noch einen Schnipsel davon…

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Reissalat im Crazy Horse

Früher war Silvester irgendwie aufregender.
Mutter rödelte in der Küche. Vater war noch bis 19.30 Uhr arbeiten. Ich bewunderte die Luftschlangen am Weihnachtsbaum. Das einzige Mal im Jahr gab es Reissalat, weil den außer mir keiner mochte. Nachdem Vater heimgekommen war, aßen wir und schalteten den Fernseher ein. Abgehalfterte Komiker aus den 60ern verbrieten alte Witze an ein dankbares Publikum.
Manches davon war wohl schweinisch, was ich an Vaters Lachen bemerkte. Schlagerstars sangen und die sonst so spröde Nachrichtensprecherin durfte für die Gala mal ihr Tiefdekolltiertes anziehen, was Mutter abfällig und Vater nicht kommentierte. Mutter war um zehn schon müde, legte sich auf die Couch und ließ sich von Vater die Füße massieren. Ich futterte Salzstangen.

Kurz vor Mitternacht öffnete Vater den Sekt und weckte Mutter. Im Fernsehen wurde eine Polonäse veranstaltet und die letzten Sekunden wurden heruntergezählt. Wir stießen an und wünschten uns alles Gute. Raus gingen wir nicht, denn in den letzten Jahren waren wir vom plötzlich redseligen Nachbarehepaar eingeladen worden, das sonst das ganze Jahr nicht mit uns sprach und waren bis 2 Uhr dort hängengeblieben.

Fünf nach zwölf begann die Sendung: Live aus dem Crazy Horse in Paris, die irgendwie keiner abschaltete. Mutter war zu müde und schon auf dem Sprung ins Bett und Vater schielte selber hin.
Ich verhielt mich ruhig. 20 Tänzerinnen, die alle gleich aussahen; in Glitzerfäden gehülllt und mit Kopfputzen, schwangen die langen Beine. 40 nackte Brüste! Als Mutter ins Bett ging, sah Vater, dass ich, mit einer Salzstange in der Hand, von der ich vergaß, abzubeißen, gebannt hinschaute und schaltete wortlos um.
Ich musste ins Bett, obwohl draußen noch laut geböllert wurde. Trotzdem hörte ich, kaum, dass ich im Bett lag, aus dem Wohnzimmer wieder die Revuemusik des Crazy Horse und versuchte mir die wenigen, hastig erhaschten Bilder wieder ins Gedächtnis zu rufen, worüber ich einschlief.

An Neujahr gab es Reste. Ich klaubte die Luftschlangen aus dem Baum und wickelte sie eng zu flachen Scheiben auf. Früher war Silvester irgendwie aufregender.

 

 

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-Ein Mann steht vor seinem Winter-

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Ein Mann steht vor seinem Winter.
Er steigt aus dem Schlaf und geht ins Haus.
Aus den Briefen fischt er einen heraus. Er ist von ihm. Ein alter Plan steckt darin und er stellt fest, er kann ihn nicht mehr lesen.
Er fragt seinen Schatten, aber der ist das Stillstehen leid und winkt ihm wortlos zum Abschied. Ein Mann sieht eine Wand an, sieht aus dem Dunkel. Vor dem Haus steht eine Hoffnung. Man sieht es nicht, aber eine Ahnung frißt an ihr, ganz langsam, von unter der Rinde.
Ein Mann sieht in einen alten Spiegel, aber der Junge darin ist verschwunden. Ein Mann setzt sich zu seinen Zweifeln. Sie rücken auf und machen Platz. Er blättert in Bildern, merkt, dass er nicht darin vorkommt und schaltet sie ab.
Er ißt noch etwas von seiner Gewohnheit, trinkt den Tag aus, rückt die Ängste in den Regalen zurecht. Er tastet nach seinem Gesicht, dass er unter das Kissen gelegt hat, in der Hoffnung, sich so vielleicht diesen Morgen daran zu erinnern. Er horcht auf das Rauschen. Die Maschine verrichtet ihre sinnlose Arbeit. Er achtet nicht weiter darauf, schneidet sich die Wünsche, kämmt seine Gedanken streng, legt eine Vorsicht auf und schlüpft in eine Erscheinung.

In der Bahn schwitzen links und rechts Geheimnisse, deren Geruch er schwer ertragen kann, dampft Dummheit, drängen Hormone zum Botenstoff, dösen Dramen träge vor sich hin.
Auf der Arbeit konfrontiert man ihn mit Leben, mit lauter MENSCH. Er erträgt es und denkt dabei an sein Spiel.
Er sucht überall einen Horizont, eine Null-Linie ohne Ausschlag, eine millimetergenaue Eichung; ertappt sich, wie er mit der Schuhspitze Krater scharrt in die Grasnarbe des Parks, auf der Suche nach Kabeln und Kupferrohren. Mit dem Finger versucht er Löcher zu bohren in brüchige blaue Stellen am Himmel, er vermutet dahinter ein Drahtgeflecht.
Er kauft ein Tuch. Den Zweck kann er der Verkäuferin nicht nennen, er braucht es weder für Tisch, noch Hals, noch Bett und es fällt ihm schwer, sich zu besinnen:
Was war noch Tisch, was Hals, was Bett? Die Verkäuferin kassiert seine Würde und legt sie in die Kasse.

Er braucht das Tuch für die Nacht. Ob die Welt schläft wie der schwatzhafte Vogel, wenn es sich schwärzt um sie herum?
Ein Mann schüttelt den Kopf. Immer schwirrt ihm das Staunen genau ins Auge! Er nimmt seine Maske ab, wischt es fort und setzt sie wieder auf. Ein Mann fährt heim. Unterwegs sieht er flackernde Vergnügen und wie Feuerwerkskörper verglühende Versprechen. Er steigt aus, seine Haltung lässt er im Wagen. Unter seinen Schuhen splittern die Minuten wie Murmeln.
Am Zaun lehnt sein Schatten und friert. Im Nachbarhaus wohnen Wort, Hunger und Armut und werfen Blicke von hinter den Vorhängen. Sicher hat er Morgen wieder eine Häme an die Hauswand geschmiert.

Ein Mann steht vor seinem Winter. Er kommt ins Schwitzen und nimmt den Mut ab, entledigt sich seines Gewissens. Er liest ein paar Minuten auf und rollt sie hinüber zum Zaun. Er war nie gut darin und der unbekannte Junge am Zaun schmunzelt.
Ein Mann atmet einen Abend. Von drinnen rufen die Dinge, rufen die Bilder, ruft die Angst. Er hört die Hast laut klingeln.
Ein Mann steht am Zaun und streckt die Spitze der Zunge heraus, ganz langsam und nicht sehr weit. Ein Mann schmeckt seine Zeit, sie schmeckt salzig und leicht nach Eisen.

Ein Mann steht im Winter und fühlt, wie sein Bedauern taut. Er hat den Haufen Verzicht unter dem Baum im Herbst nicht aufgekehrt, täglich fiel Blatt auf Blatt. Er wollte die Wut nicht wecken, die darunter schläft wie ein kleiner Nager.
Er fühlt wieder sein Gesicht und versucht einen Ausdruck. Im Zimmer spürt er seine Hände und denkt:
Eine Tat wäre ein Gedanke.
In der Besteckschublade findet er einige kleine Möglichkeiten, zusammen mit Büroklammern, Reißnägeln und Schlüsseln, für die es kein Schloß mehr gibt.
Ein Mann findet einen Faden und den kläglichen Stummel eines Stifts. Er sieht kleine Partikel Graphit in kleinen Scharten eines Gewebes aus Fasern zurückbleiben und ein Staunen schwirrt wieder direkt in seine Augen. Er läßt es dort und freut sich am Prinzip der Reibung.
Reibung erzeugt Wärme, sagt sein Schatten und schaut ihm interessiert über die Schulter.
Ein Mann denkt einen Weg, ein Mann denkt einen Wald.
In einer Ecke spinnt etwas einen Faden. Ein Mann schreibt sein Leben. Das Papier bleibt winterweiss, aber die Reibung der Schreibhand erwärmt es langsam.
Ein Mann setzt zögernd Zeichen auf ein fragwürdiges und irgendwann zerfallendes poröses Material und irgendwo tief unten, im staubigen Bauch eines dunklen Möbels, antwortet etwas mit leisem Pochen, was der Mann jetzt noch nicht hören kann.

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