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Herbstgedichte xxx

naturbild_gross_33

Jaja, ich bin sehr auf diese Jahreszeit geeicht und gebirkt und gebucht.
Es gibt kaum Frühlings- oder Sommergedichte von mir, auch Wintergedichte sind knapp. Aber Herbstgedichte gehen immer relativ leicht. Grundstimmung halt. 

1

HERBST II

wind ging und kämmte
dem goldenen herbsthaar
die strohigen strähnen raus
im sturm gefallene zweige

griffen nach meinen fesseln
und der apfel, der mich
ins unterholz lockte,
war bunt doch faul

und das laub war kein kissen
es häutete sich nur das jahr
junger noch blinder frost
raschelte bereits darunter

die vögel schwarz vom regen
wiederholten ihre vokabeln
und die sonne hing am spinnenfaden
als kleine runzlige frucht

die felder ergrauten
und die wolken wurden
und wurden nicht trocken
auf den überlandleitungen

2.
Ich will es bunter

alles dreht sich und flieht
trakls blau verzieht sich
täglich weiter hinters grau
Ich will es bunter

alles fließt sagt heraklit
aber geht deshalb auch alles
den bach runter

und hinterlegt keine adresse
sisyphos ist ein glücklicher mann
der laub fegt bei windstärke 10

wenn ich mich vergesse
geht die welt nicht unter
wo immer ich aufhöre
fängt längst ein anderer an

3.
totgesagter park (Herbst I)

Der himmel bemüht sich
um möglichst beiläufiges blau
und allgemein weiß das wetter
nicht so genau wohin
ohnehin und her
ist`s schweres gehen
bei all dem grün-
schnitt

und all das welke geht mit
es ist kein geheimnis wohin
immer du schreitest
begleiten dich
saat und keimnis
ist der garten schoß
und offener sarg
zugleich

 

4.
Liebe kommt von Laub

wieder eine blütezeit hin-
geblättert und wie bunt-
gefiedert geht der weg: liebe
–lerne ich- kommt von laub

und schlurfe durch die verluste.
nicht die schwarzscharfen bilder
sondern diese buntfeuchten schemen
sind wonach mein auge hungert

dazu ein appetit auf leere tableaus
und herbstzeit-losungen: halt ein
schalt runter– bunter wird die welt
doch kalt auch und älter

 

5.
herbstschritt

mit deinen eichenen augen
sinkst du gegen den saum des hügels
schwarz und gekrönt von bäumen
absichtsvoll verloren
blieb nur die gefiederte spur von dir
eine handvoll fährte kaum genug
für einen kopfschmuck
dein birkener blick sagt sand
allem aus dem du verschwindest
haftet etwas von dir an
mit allem was du versenkst
steigen die pegel ein stück
mit deinem herbstschritt
bleibst du bereits weit
weit hinter uns zurück

 

6.
alle türen gehen nach innen auf

Ich brauche deine hilfe
beim untergehen meine über
flüssigkeit steht in meinen schuhen

Der mond ist gegangen
und in der pfütze schnappen karpfen
nach den sternen
alles wird doppelt
wir stellen überall
dinge neben ihre schatten

 

7.
All das kommt später

meine auswilderung
meine einfriedung
all das steht noch bevor
von dir aus
habe ich keinen zugriff
auf meine erinnerung
die stunden sind
wundgeschrieben
die tulpen betrauern
mit hängenden köpfen
ihren eigenen tod

ich erkenne dich
an allem was ich nie
über dich sagte

 

 

 

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Poem #07/11/18

 

nocturne

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Brief an D.

kuh

Brief an D.
D., ich dachte dich zu mögen
über deine spitzen schultern fließt schneeweißes haar

D., du bist ein postkartenidyll für japaner
über deine glatte helle stirn treibt der wind
——————————————–wolken und meer

D., mir gefiel dein fahrgefühl deine gemütlichkeit
ich pflanzte meine kinder in deinen garten
sie erhielten ihren russlandrucksack kurz nach der geburt
D., wie sollst du erwachen? Du kriegst doch kein auge zu
durch deine wimpern perlt der regen ungehindert
———————————————-in den pool deiner pupille

D. du schliefst 1000 jahre in irgendeinem berg
ich fand dich niedlich weil du an drachen und zwerge glaubst
aber deine faltige brust ist mir zu stark belaubt

D., ich mochte doch deine traurigen augen
deine mürbe zunge und deinen geduckten gang
aber ich weiß: du kerbst heimlich schweinereien
in die rinde der eibe klebst dir bei vollmond
einen schnurrbart an und grölst
————————————-von felsen am rhein 

D., du hast abgenommen und das steht dir gut
aber dein gedehntes gelände ist von rissen durchzogen
—-und du hast immer noch diese heißhungerattacken

D., das letzte mal dass gott dich anrief war 1933
du nahmst nicht ab
jetzt schickt er nur noch zu weihnachten ne karte

Oh D., du bist high von deiner folklore
aber am brunnen vor dem tore
———-und wo meine wiege stand
————-ist jetzt nur noch niemandsland
—————und brennend heißer wüstensand
kein schiff wird kommen, D.,
———–und kein wunder geschehen
————– ich kauf mir keinen bunten Luftballon
——————und komm auch nicht so bald wieder
D., deine lieder kratzen im hals

d. ich dachte ich mochte
deine fräuleins und höheren töchter
deine facility manager und übungsleiter
deine bankdrücker und vertrauenslehrer
deine ökotrophologen und zeitarbeiter
————-deine mauerblümchen
——————sofamelker und
 ————————-genealogen
aber

D., deine luft ist eisern und dein wasser schwer
du trägst immer diesen beigen mantel
und schielst dem süden unter den kurzen rock
—————–du verkleidest dich als cowboy oder gentleman
aber weder stock noch hut stehen dir gut
du setzt dir heimlich eine baskenmütze auf
——und übst olala zu sagen vor dem spiegel

D., du bist vorzeitig ergraut
deine schuhe sind schiffe und deine hände kräne

du würfelst mit knöcheln und wirfst mit eichenlaub
D., du kannst nicht tanzen, deine hüften sind steif

Oh D., du mit deinen eichenen augen
deinen sandigen händen und deinem kluftigen griff
D., du schwarzbuntes schwarzbraunes muttertier
du wiederkäuer uralter versprechen 
—————-mit allen vieren im eigenen mist 

D., es ist wahr
ich mochte deine geschichten
aber in deinem atem ist asche
und am ende sind alle helden tot

D., ich dachte ich mochte
deine ablaufkanten
——— deine auffangbecken
————-deinen spritzschutz
 —————-und deine dehnungsfugen
 ——————-deine rutschfesten matten
 ———————–und versenkbaren
  ——————————sprengsysteme

D., wenn du lachst verbirgst du deine zähne aus stahl
und wenn du weinst schmecken deine tränen nach harz
Durch deine brust läuft ein begradigter fluss
du teilst sein bett aus zement und ihr steht immer pünktlich auf

D., du verwahrlost zusehends
hast die hose offenstehen
und die jacke falsch geknöpft
D., du trägst tennissocken in sandalen
und dämliche hütchen
D., mit dir ist kein staat zu machen

D., du bringst zu selten den müll raus
und um deine hygiene steht es schlecht
Du duftest nach latschenkiefer
——————–moschus und tang

D., ich habe dein tagebuch gelesen
du legst unter der decke hand an dich
——–und denkst dabei an die loreley
D., du bist auf droge brauchst täglich deinen schuss schuld
und sühne und D., deine angst
———————ist ein ganzer satz

D., ich danke dir für den marmorkuchen
deinen weltschmerz und die schadenfreude
aber denkst du wirklich all dein milchschaum
deine leichten soßen deine mediterranen gärten 
und diäten verliehen dir leichtigkeit und täuschten   
über deine cordhosen hinweg
 ————- deine waldeslust

  ——————und deinen messias-komplex

———-D., ich dachte wirklich dich zu mögen

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Morgen: Heimatabend in: Ahlen

heimatabend neu

Das gemeinsame Programm von Thorsten Trelenberg und Matthias Engels entfernt den Mottenkugelgeruch vom Begriff Heimat und sucht gleichzeitig nach den Gründen für seine neue Brisanz. Beide Lyriker habe sich unabhängig voneinander über einen längeren Zeitraum mit dem Genre Heimatliteratur befasst und im Zuge dieser Beschäftigung jeweils einen Zyklus Gedichte erstellt, die das schwierige Thema mit modernen lyrischen Mitteln angehen.

Bei ihrem gemeinsamen „Heimatabend“ lesen der bekannte Flusspoet Thorsten Trelenberg aus Schwerte und der Steinfurter Autor Matthias Engels aus ihren eigenen Texten zum Thema Heimat und versuchen, den Begriff zwischendurch auch im Gespräch einzukreisen.

Stadtbücherei Ahlen
Südenmauer 21
59227 Ahlen

Beginn 19.30 Uhr
Die Abendveranstaltung ist für etwa 2 Stunden geplant. Eintritt wird nicht erhoben. Für das leibliche Wohl wird gesorgt.

Wir bitten um eine Reservierung der Plätze persönlich in der Stadtbücherei Ahlen oder telefonisch unter: 02382-59-292.

 

 

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außer.dem #25

In der neuen, 25. Ausgabe der Literaturzeitschrift außer.dem findet sich neben vielen großartigen Texten auch mein Gedicht was wenn. Die außer.dem erscheint bereits seit 1999 in München und veröffentlicht zeitgenössische, moderne Texte, die sich außerhalb des eingeführten Literaturbetriebs sehen und der herkömmlichen Lyrik und Prosa überraschende und innovative Textalternativen gegenüberzustellen versuchen.

Ich freu mich, in so guter Gesellschaft dabei zu sein.

außerdem.jpg

 

 

 

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Poem 13/09/18

naturbild_gross_33

verschwistertes zwitschern

deinen frühesten blick im genick trifft mich dein
erwachen verlässlich rücklings wie kannst du mir
folgen schlendernd wenn ich laufe ist doch dein blut
kaum wärmer als meins und kaum mondsüchtiger
als meine deine inneren gezeiten

erst verschwistertes zwitschern dann gewitter
inmitten verwitweter wälder die gärtner schaufeln
am morgen die vögel auf haufen und der saum des
himmels ist aufgetrennt vom rand des monds
man ist so sehr diese art von wunder gewohnt

wann stellst du mich den verstorbenen vor ich hab
so lang gewartet dir endlich früher zu begegnen wenn
ich vor dir flüchte dich nicht fürchte und allein zurück
lass mit deinem blick auf mich beginnen wir den tag
traumlos mit geschlossenen augen

 

 

 

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Poem 11/9/18

fallen ist.jpg

 

 

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