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Poem 10/10/17

Okapi-Gmbh-Marktforschung-Feldarbeit-Bleistift

 

Ich will es bunter

alles dreht sich und flieht
trakls blau verzieht sich
täglich weiter hinters grau
ich will es bunter

alles fließt sagt heraklit
aber geht deshalb auch alles
den bach runter

und hinterlegt keine adresse
sisyphos ist ein glücklicher mann
der laub fegt bei windstärke 10

wenn ich mich vergesse
geht die welt nicht unter
wo immer ich aufhöre
fängt längst ein anderer an

 

 

 

 

 

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Denen zum Trost, die sich in ihrer Gegenwart nicht finden können- eine Art Rezension

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Da liegt er nun, der eben im Elif Verlag erschienene Band:
Denen zum Trost, die sich in ihrer Gegenwart nicht finden können des Isländers Ragnar Helgi Ólafsson. Wunderbarer Titel! (Ein Buch für MICH, sagt er gleich!)

Der erste Eindruck: was für ein liebevoll gestalteter Band: mit offener Bindung und doppeltem, doppelt kreisrund ausgestanztem Cover in Drehscheiben-Optik.
„Aber“, sagt der Rest Ratio im vor Begeisterung dampfenden Bibliophilen: „davon nicht täuschen lassen- es geht schließlich um die Texte!“

Also erstmal Durchblättern: viele verschiedene Formen: Langes, klassisch gestrophtes neben Kurzem und einigen ins Auge stechenden Bildgedichten, spiralförmig gesetzt. Interessant!
Dann: anlesen, schnell festlesen. Der 1. Satz, den man gerne selbst geschrieben hätte:
„Was passiert, wenn ein Chamäleon in den Spiegel schaut?“ (aus: „noch ein paar Worte über Spiegel“
Es folgt: „Noch keine Postkarte“, ein Text, der letztlich wie ein klassischer Blues-Song funktioniert, mit entsprechender Form und bitterer Ironie.
–Überhaupt: Lieder & Texte steht vorn auf diesem wunderschönen Cover. Und: JA, viel Musikalisches hier, viel Rhythmus, lakonischer Witz und Pointen, einer der Übersetzer, Jón Thor Gíslason, ein ehemaliger Popmusiker.

Schnell weitere Sätze, die man gern selbst geschrieben hätte:
„Ich lehne alle Vergleiche ab. Alles ist das, was es ist.“ (aus: „Nichts wie nichts“)
und: (ich will ein T-Shirt, damit bedruckt)
„Ich mache mich verdammt noch mal nicht zum Laufburschen der Wirklichkeit“
(aus: „Nicht in der Arbeitsbeschreibung“)

So steht hier wunderbar Prosaisches („Die alte Bande“) neben Sentimentalem („Wiegenlied I“) neben Erotischem („Schweres Wasser“) neben Philosophischem und einigen herrlich maritimen „objets trouvé“.
Viele Stimmungen und Stimmen beherrscht dieser bisher in Deutschland unbekannte Ragnar Helgi Ólafsson . Witz hat er und Chuzpe. Cool ist er und klug. Ich mag ihn sehr!
Dank der kenntnisreichen, sicheren und äußerst flüssigen Übersetzung durch Gíslason und den umtriebigen Experten für die Literatur der kalten Insel, Wolfgang Schiffer, wird dieser Band zu einer überraschenden und höchst unterhaltsamen Entdeckung, wie wir schon einige aus dem kleinen, aber feinen niederrheinischen Verlag begrüßen durften.

 

 

 

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..aus einem Langgedicht: Nur Sonnenuntergang

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nur sonnenuntergang

auf dem tisch schwanken
bedenklich die streichholzschlösser
und die sonne scheint nur so
photoshoporange
man lebt in ruinen
skelettierten träumen
zwischen lauter durchbrüchen
in tragenden wänden
in ganzjährigen warteräumen
durch die einschusslöcher
in den geschwärzten scheiben
blinkt der himmel: photoshopblau
und tätowiert mit vogelsilhouetten
man selbst illustriert
das wort blass am besten
und im westen: nichts neues
nur sonnenuntergang

 

strich3

…Auszug aus einem unveröffentlichten Langgedicht

 

 

 

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Herbst 1 -Gedicht-

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totgesagter park

Der himmel bemüht sich
um möglichst beiläufiges blau
und allgemein weiß das wetter
nicht so genau wohin
ohnehin und her
ist`s schweres gehen
bei all dem grün-
schnitt

und all das welke geht mit
es ist kein geheimnis wohin
immer du schreitest
begleiten dich
saat und keimnis
ist der garten schoß
und offener sarg
zugleich

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Poem 09/04/17

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Sunday poem: Kurzes gedicht über einen langen weg

 

tieck.gif

klaglos verstrichen dein jesusjahr:
du scheutest dich nicht dich fortzupflanzen: in deinem tun
und dessen resonanzen lag damals noch eine verbindlichkeit
heute ist nurmehr befindlichkeit was einmal empfindung war

kein interesse mehr daran wie die serien enden:
vergleiche zu finden und schnelle effekte, die stadt:
gesamtverzeichnis möglicher defekte: zu bunte fische
in trüben aquarien, wie schnell sich endzeitszenarien überblenden

im geflimmer: in epos in ode in datenstrom
sind keine attraktionen mehr zu erwarten
dafür der nächtliche stille schwarzfeuchte garten:
plötzliche mächtige wirklichkeit bar jeder endlichkeit und Abstraktion

 

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Heimatabend…der anderen Art

 

Alle „Heimatfreunde“ und Lyrikliebhaber sind am Donnerstag, 28.09.2017, um 19:30 Uhr herzlich ins Weinhaus am Markt in Burgsteinfurt eingeladen. Als Bestandteil des Literaturfestivals ‚hier!‘, initiiert vom Netzwerk literaturland westfalen gibt es eine weitere Auflage unseres Programmes „Heimatabend“.

heimatabendLyrikerkollege Thorsten Trelenberg und ich haben uns unabhängig voneinander mit dem schwierigen Begriff Heimat befasst. Dabei sind eine Reihe von Gedichten und Texten entstanden, die wir an diesem Abend in der Stadtbücherei präsentieren. Zwischendurch graben wir tief in Lexika und Werken anderer Autoren- auf der Suche nach einem haltbaren Heimatbegriff. Musikalisch begleitet werden wir von Nanni Nolting, Musikerin aus Greven, am E-Piano.

bücherei
Der Eintritt beträgt 8,00 €.
Karten im Vorverkauf sind in der Stadtbücherei, Tel.: 02551/7802 erhältlich.
Die Veranstaltung findet in Kooperation mit dem Förderverein der Stadtbücherei statt.

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