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All over Heimat -internationale Anthologie-

all over heimat 2019

Im Oktober 2017 schrieben Thomas Kade, Thorsten Trelenberg und ich unser Projekt „All over Heimat“ international aus. Fast anderthalb Jahre, über 1000 Mails und unzählige Arbeitsstunden später ist es nun bald soweit:

Die Anthologie unter Beteiligung von 150 Autor*innen aus über 20 Nationen steht kurz vor dem Erscheinen. Es finden sich darin überwiegend unveröffentlichte Beiträge aus Österreich und der Schweiz, Belgien, Luxemburg und den Niederlanden, Russland, Island, Tunesien, Italien, den USA und vielen anderen Ländern. Neben jungen Debütant*innen finden sich zahlreiche Autor*innen, die bereits bedeutende literarische Auszeichnungen erhalten haben.
Ein weltweit sicher einmaliges Projekt und das dickste Brett, das wir bisher gebohrt haben- nicht denkbar ohne die sensationellen Autor*innen und den unermüdlichen Einsatz unserer Verlegerin Karen Grol-Langner von stories & friends.

Wir wünschen unserem Baby eine Menge Resonanz. Die ersten Präsentationstermine stehen (dazu später mehr) und vorbestellbar ist es auch schon.

all over Heimat
herausgegeben von:
Matthias Engels, Thomas Kade, Thorsten Trelenberg
stories & friends, 448 Seiten
ISBN-13: 978-3942181891, 16€

Mit Lyrik und Prosa von Najet Adouani, Rodaan Al Galidi, Barney (Elizabeth) Bardsley, Roswitha Beer, Heinrich Beindorf, Gerhard Benigni, Oksana Beresuzkaja, Heide Bertram, Rolf, Birkholz, Marlies Blauth, Philipp Blömeke, Emeka Bob-Anyeji, Birgit Bodden, Bianca Boer, Hermann Borgerding, Gabriela Căluțiu Sonnenberg, Safiye Can, David Castillo, Ingo Cesaro, Orit Chazara, Carina Contreras, Volker W. Degener, Astrid Dehe, Larissa Dyck, Germain Droogenbroodt, Sigrid Drübbisch, Özlem Özgül Dündar, Eva von der Dunk, Matthias Engels, Achim Engstler, Patricia Falkenburg, Judith Faller, Nico Feiden, Armin Leonhard Fischer, Kerstin Fischer, Jürgen Flenker, Kersten Flenter, David Fox, Cornelia Franken, Doris Franzbach, Karin Friedle-Unger, Anke Fuchs, Martin Furtkamp, Velina van der Gaag, Clemens Bruno Gatzmaga, Thomas Geduhn, Daniela Gerlach, Anke Glasmacher, Marianne Glaßer, H. D. Gölzenleuchter, Axel Görlach, Annette Gonserowski, Tobias Grimbacher, Julia Grinberg, Dinçer Gücyeter, Lütfiye Güzel, Christin Habermann, Annette Hagemann, Aylin Rosa Hanka, Sören Heim, Paul Heinrich, Horst Hensel, Hans-Ulrich Heuser, Ghiath Hobbi, Claudia Hummelsheim, Klára Hůrková, Infrarot, Christa Issinger, Diana Jahr, Monika Jarju, Stefanie Jerz, Thomas Kade, Zarina Kanukova, Harald Kappel, Adrian Kasnitz, Chiara Nadine Kauffel, Manfred Kern, Irlan Khugaev, Christoph Kleinhubbert, Michael Köhler, Anne-Kathrin Koppetsch, Matthias Kröner, Josef Krug, Kathrin B. Külow, Axel Kutsch, Mariusz Lata, Fabian Lenthe, Monika Littau, Marc A. Littler, Sophie van Llewyn, Una López-Caparrós Jungmann, Britta Lübbers, Sylwia Ludas, Petya Lund, Alexander Makowka, Patricia Malcher, Hamdi Meça, Kerstin Meixner, Sophie Modert, Sudabeh Mohafez, Pega Mund, Anca Neubauer, Ngo Nguyen Dung, Jutta von Ochsenstein, Ragnar Helgi Ólafsson, Hellmuth Opitz, Birgit Ottengraf, Laura M. Pellizzari, Ester Naomi Perquin, Heinrich Peuckmann, Martin Piekar, Gerd Puls, Dennis Puplicks, Judith-Katja Raab, Ángel Rebollar, Andreas Reichelsdorfer, Torsten Reters, Daniela Rieß, Wolfgang Rödig, SAID, Fethi Sassi, Wolfgang Schiffer, Norbert W. Schlinkert, Sigune Schnabel, Janine Schneider, Katja Schraml, Tessa Schwartz, Matthias Schwincke, Anita Seo Dornbach, Richard Sleboe, Derya Soytut, Peter Spafford, Carsten Stephan, Markus Streichardt, Werner Streletz, Ralf Thenior, Maria Topali, Imre Török, Kinga Tóth, Thorsten Trelenberg, Emanuil A. Vidinski, Nataša Vukelić, Tom Weber, Werner Weimar-Mazur, Stefan Wieczorek, David Wonschewski, Inge Wrobel, Sascha Wundes, Wolfgang Wurmv und Péter Závada.

 

 

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Ausschreibung: Autoren gesucht

Okapi-Gmbh-Marktforschung-Feldarbeit-Bleistift

Kaum ist das eine Projekt abgeschlossen, steht schon das nächste vor der Tür.
Das Herausgeber-Team unserer Anthologie „Schön hier!“: Thorsten Trelenberg, Thomas Kade und ich rufen ganz offiziell und herzlich zur Teilnahme am nächsten großen Ding auf: einer internationalen Sammlung mit Texten zu einem schwierigen Begriff:

AUSSCHREIBUNG HEIMAT-ANTHOLOGIE

Autoren und AutorInnen sind aufgerufen, für eine literarische Anthologie Texte zum Thema „Heimat“ einzureichen.
Heimat: laut Lexikon ein deutsches Konzept, findet in kaum einer Landessprache ein 100%iges Äquivalent. Home oder homeland zum Beispiel treffen es nur annähernd.
Heimat ist assoziiert mit Geburt und Kindheit, Zugehörigkeit zu einer sozialen Einheit oder mit erworbener Affinität.
Heimat, das ist ein Begriff, der eigentlich eine Geborgenheit und Wärme ausdrücken soll, gerade in Deutschland aber immer wieder zum Kampfbegriff umfunktioniert wurde und wird.
Woher kommt dieses „Wir-gegen-die“?
Warum gibt es von Heimat keinen Plural?
Ist das noch zeitgemäß und wie genau definiert sich Heimat überhaupt?
In GPS-Koordinaten?
In Landkreisen oder Stadtgrenzen?
In einem Sprachraum?
Heimatliebe, Heimatgefühl, Heimatkunde, heimatlos, Heimaterde…
Gerade heute, in globalisierten und modernen Zeiten, finden wir diese Begriffe in inflationärer Menge. War gestern Heimat noch ein Begriff, der nach Mottenkugeln roch, ist zum Beispiel in der Werbung alles, was Heimat heißt, gut und verspricht Sicherheit und Vertrautheit.
Heimatliteratur gilt per se als minderwertig, weil sie die große weite Welt zugunsten der eigenen Scholle in engen Grenzen ausklammert.

Wir suchen Heimatgedichte, die heutig und anders sind.
Heimat in Landstrichen, in der Sprache,
Heimat in der Fremde und mehrfache Heimat.
Heimat als Insel im Unschönen und Heimat als größerer Begriff, geistige Heimat..
All diese Ansätze sind gefragt. Wir suchen Autoren, deren Muttersprache Deutsch ist, aber auch besonders solche, die in einem anderen Sprachraum aufgewachsen sind. Ebenso ist die Einsendung fremdsprachlicher Texte durchaus erwünscht. Die Anthologie soll im Herbst 2018 im Verlag stories & friends erscheinen.
Alle Erlöse aus dem Projekt werden an eine noch zu bestimmende Hilfsorganisation gespendet, Autorenhonorare können folglich nicht gezahlt werden.

Jeder Autor kann bis zu 5 Gedichte und/oder kurze Prosa (nicht mehr als 2000 Zeichen) als word- oder pdf- Datei einreichen. Texte sollten nach Möglichkeit unveröffentlicht, auf jeden Fall aber frei von Rechten Dritter sein.
Mit der Einreichung versichert der Autor die Rechtefreiheit und gewährt die Erlaubnis für einmaligen Abdruck. Die Rechte bleiben bei den Verfassern. Ein Anspruch auf Veröffentlichung besteht nicht.
Texte bis 15.02.2018 bitte an heimatlektorat@web.de
Thorsten Trelenberg, Thomas Kade, Matthias Engels

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…und hier nochmal das Ganze zum Download: ausschreibung heimat

Wir freuen uns über jeden Beitrag, jede Resonanz und über jeden weiteren Kontakt.

Matthias Engels
Autor/Herausgeber/Referent
Mitglied im VS
https://dingfest.wordpress.com/
Thorsten Trelenberg
Lyriker, Kinderbuchautor & Flusspoet
http://www.thorsten-trelenberg.de
Juryvorsitzender & Sekretariat
Alfred-Müller-Felsenburg-Preis für aufrechte Literatur
Bezirkssprecher der VS-Regionalgruppe Dortmund
(Westliches Westfalen/Östliches Ruhrgebiet)
Verband deutscher Schriftsteller und Schriftstellerinnen
http://www.vs-nrw.de http://www.vs.verdi.de

Thomas Kade
Lyriker
Verband deutscher Schriftsteller und Schriftstellerinnen
http://www.vs-nrw.de http://www.vs.verdi.de

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Schön hier! -Anthologie

Lieblingsplaetze Cover 20170616

Bald ist es nun endlich soweit!- Unsere Anthologie:
Schön hier!
Lieblingsplätze & Herzensorte in Westfalen
wird in wenigen Wochen im Dortmunder Buch-Verlag erscheinen.

Die erste Idee zu diesem Projekt entsprang meinem kranken Hirn 2014.
Von den Arbeiten an meinem letzten Roman verdrängt, musste sie leider liegen bleiben, bis sich Anfang des Jahres meine Kollegen Thorsten Trelenberg und Thomas Kade als Mit-Herausgeber anboten. Von da an ging es fix…28 Autorinnen folgten unserem Aufruf und lieferten wunderbare Texte.

Wir hatten nach ganz persönlichen, völlig subjektiven Lieblingsorten in der Region gefragt und jeder der angesprochenen Autoren konnte nach einigem Überlegen letztlich einen oder sogar mehrere solcher Orte benennen. Die Gestaltung der Texte war -bis auf eine gewisse Längenvorgabe- völlig frei: so erhielten wir wunderbare Gedichte, tolle Geschichten und andere interessante Texte.
Genauso breit gefächert wie die Formen sind die regionale Lage und die Art dieser besonderen Orte: von der Bank am Kanal in Münster über den Ostmarkt in Bielefeld bis zum eigenen Bett in Lünen ist alles vertreten. Viele Autoren steuerten außerdem sehr charmante eigene Fotos der ausgewählten Orte bei.
kartewestf

Die offizielle Präsentation des ca. 200 Seiten starken Buches findet am 26.08. im Rahmen der Auftaktveranstaltung des Literaturfestivals hier! des Literaturlandes Westfalen statt.
Erhältlich wird es allerdings schon früher sein. Wir geben Bescheid!

Mit dabei sind und einen herzlichen Dank haben verdient:

Heide Bertram
Thorsten Trelenberg
Marion Gay
Hans- Ulrich Heuser
Patricia Malcher
Artur Nickel
Gottfried Schäfers
Jürgen Flenker
Ulrike Gau
Eva von der Dunk
Peter Gallus
Josef Krug
Antonia Kruse
Maike Frie
Andreas Laugesen
Thomas Kade
H.D. Gölzenleuchter
Matthias Engels
Torsten Reters
Hans Lüttmann
Hermann Borgerding
Maike Frie
Annette Gonserowski
Viktor Sons
Sabine Lipan
Anne-Kathrin Koppetsch
Claudia Hummelsheim
Angelika Ahlmann

Das Cover wie das Layout stammen von Manuela Dörr, der wir ebenfalls zu Dank verpflichtet sind.

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Aus aktuellem Anlass aus dem Archiv: Hauptweg & Nebenwege- zur Lesebiographie

Dies hier war einer meiner allerersten Blogbeiträge vor nunmehr fast genau 2 Jahren. Ich hole ihn nun noch einmal aus der Versenkung hervor, da ich ihn am 11.06. im Rahmen einer Veranstaltung öffentlich lesen werde. Zum 25jährigen Ortsjubiläums unserer Stadtbücherei gestalte ich einen Abend mit Texten zu Bibliotheken und dem Sammeln von Büchern. Nach Borges, Manguel, Perec und Nossack bekommt das Publikum dann diesen Text von mir selbst zum Abschluss.

Die Veranstaltung: Staubige Mitbewohner oder: eine Art Paradies- beginnt um 19.30 Uhr in der Stadtbücherei Steinfurt. Es gibt auch Musik. Das gesamte Programm der Festwoche WortWelten gibt es hier.

Klee_HWNWHauptweg und Nebenwege– so heißt ein Gemälde von Paul Klee aus dem Jahre 1929.

Es ist auch ein guter Titel für eine Biographie, wie ich finde. Der einzig mögliche Titel eigentlich. Ich benutze ihn auch gern im Zusammenhang mit dem, was ich Lesebiographie nenne. (Und: Sehe nur ich das, oder ähneln die rechteckigen Felder auf Klees Gemälde nicht unzähligen Buchrücken- verschieden breit, verschieden hoch, in allen möglichen verschiedenen Farben?)

Mit der Sesamstraße brachte ich, der nicht zum Kindergarten ging und morgens mit der Mutter allein zu Haus, das Alphabeth bei –oder zumindest Teile davon, so dass ich bei meiner Einschulung schon einige Worte mehr schreiben konnte als die meisten meiner Mitschüler.

Nur wenige Jahre später verbrachte ich die Sonntagmorgende, an denen ich noch kurz zu meinen Eltern ins Bett durfte, bevor es zum Frühstück ging, mit dem Lesen der Buchrücken, denn meine Eltern hatten ein Doppelbett, hinter dessen Kopfende ein Bücherregal angebracht war. Hauptsächlich bestand die Bibliothek meiner Eltern aus den monatlichen Hauptvorschlagsbänden des Deutschen Bücherbundes, aber das war mir damals noch egal. Sir Walter Scotts Ivanhoe, Cervantes, Konsalik und Simmel standen in dem Regal friedlich an der Seite merkwürdiger Titel wie Apollonia und ihr Rittmeister oder so ähnlich, deren Inhalt mir damals aber noch genauso unbekannt war wie der der Klassiker nebenan.

Wenn mein Vater Nachtschicht hatte, schlief ich auf einem Klappbett im Zimmer meiner Mutter, damit Vater sich morgens ungestört in mein Bett legen konnte, welches auf dem ausgebauten Dachboden stand und für ihn verlässlicher Ruhe versprach. Weiterlesen

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-Autoreninterview mit Judith H. Strohm-

Mittlerweile ist es mir zu einer schönen Gewohnheit geworden, ab und an auch anderen Autorinnen und Autoren hier auf  -dingfest- Platz einzuräumen. Was uns Schreibende bewegt, woran wir arbeiten und was uns genau das erleichtert oder erschwert- all das sind spannende Themen: für andere Autoren wie für die Leser. Diese Woche hat sich Judith H. Strohm bereit erklärt, mir einige Fragen zu beantworten. Judith erlebt gerade eine der angenehmeren Facetten des Schriftsteller-Daseins: sie steht kurz vor der Veröffentlichung ihres ersten Buches. Allerdings ist das Prozedere in Judiths Fall ein etwas Ungewohntes. – Aber Näheres dazu erfährt man im Anhang, nun  endlich zur Autorin selbst:
Bild

Hallo Judith. Danke, dass du dich zu diesem Interview bereit erklärt hast. Du lebst in Berlin und bist außerordentlich viel unterwegs- sowohl körperlich auf Reisen, wie auch im Netz und in verschiedensten Schreibgruppen. Kann man das so sagen? Erzähl mal ein wenig über die verschiedenen Seiten deines Schreibens.

Orte und natürlich mit ihnen die visuellen Eindrücke, der Geruch etc. vor Ort sind ganz sicher eine der wichtigsten Inspirationsquellen für mich. Entsprechend ist Reisen extrem wichtig. Dabei nehme ich aus Wolfenbüttel ebenso etwas mit wie aus Lahore in Pakistan. Das Schreiben an sich ist wie bei allen Autorinnen und Autoren ein schöpferischer Akt aus mir selbst heraus. Ich will nicht von der „einsamen Sache“ sprechen, da ich mich beim Schreiben nicht einsam fühle, aber es findet, ganz praktisch, alleine statt. Was ich im Anschluss jedoch für mich als extrem bereichernd empfinde, ist, dass ich mir unmittelbares Feedback einholen kann, und zwar nicht von engen Freunden oder meiner Familie, sondern von anderen Autorinnen und Autoren, sei es beim Autorenkombinat Komamndo Torben B. oder bei der Gruppe MischMash, die ich beide mitgegründet habe.
Last but not least ist auch das Netz eine für mich gewinnbringende Möglichkeit, mit einer (kritischen) Leserschaft im Kontakt zu sein und von ihnen Reflexionsanstöße zu erhalten.

Und das scheint Früchte zu tragen! Bei dir steht in Kürze etwas Großes an, nicht wahr?

Ich glaube, die Aufregung ist bei mir noch nicht angekommen. Mal sehen, ob das noch kommt.

Worum wird es sich handeln?

Tatsächlich freue ich mich sehr, dass der kladdebuchverlag meine Sammlung von zwölf Kurzgeschichten zur Veröffentlichung angenommen hat. Damit wird mein erstes Buch erscheinen. Das ist schon eine aufregende und beglückende Sache.

Die kurze Form ist ja durch die Vergabe des Nobelpreises an Alice Munro gerade ein wenig mehr in das Zentrum des Leserinteresses gerückt. Mir scheint bei der großen kanadischen Autorin der Begriff short-story oft etwas zu kurz gegriffen. Kurzgeschichten oder Erzählungen- wie nennst du deine Texte?

Ich selbst spreche von Kurzgeschichten, obwohl Literaturwissenschaftler meine Texte evtl. eher in die Tradition der angelsächsischen Short Story stellen würden. Ich selbst finde diese Kategorisierungen nicht so spannend. Das ist ja immer der unterschiedliche Fokus zwischen Kunst und ihrer Kritik. Die Literaturkritik macht aus der Kategorisierung eine Wissenschaft, spürt Traditionslinien und Brüchen nach. Das ist aber nicht mein Feld.

Sicher wirst du auch ständig, wie so viele Autoren, die sich mit der kürzeren Form beschäftigen, nach dem großen Roman gefragt. Ist das eine Option für dich? Etwas, das im Hinterkopf ist?

Ja, es gibt schon Leute die sagen: „Super, jetzt also zwölf Geschichten, demnächst also zwölf Romane?“ Dann wirkt die kürzere Prosaform immer wie eine Fingerübung zu etwas vermeintlich „Erwachsenerem“, „Großartigerem“. Tatsächlich plane ich momentan weder in kürzerer noch in fernerer Zukunft ein Romanprojekt, aber ich will auch nicht „niemals“ sagen.

Worin liegt für dich der Reiz kürzerer Texte?

Der Reiz liegt für mich in der Vielfalt der Kurzprosa. Sie ist sogar so vielfältig, dass selbst die Grenze zum Roman verschwimmt. Nimmt man beispielsweise von Alice Munro „Das Bettlermädchen: Geschichten von Flo und Rose“, so ist dies formal eine Kurzgeschichtensammlung. Tatsächlich begleiten diese die beiden titelgebenden Figuren jedoch durch viele Stationen ihres Lebens und es entfaltet sich ein Gesellschaftspanorama, wie es auch in einem Roman komplexer kaum sein könnte. Aus meiner Sicht werden die Möglichkeiten der Kurzgeschichte häufig leider unterschätzt. Insofern liegt für mich der Reiz auch darin, meinem Publikum diese Literaturform näher zu bringen.

Für diejenigen, die sich für deine Texte interessieren- kannst du sie ein wenig charakterisieren?- Gibt es Themen, die vorherrschen? Eine bestimmte stilistische Besonderheit? Dinge, die dich in deinen Geschichten besonders beschäftigen?

Ohne zu agit-prop-mäßig wirken zu wollen, blitzt in meinen Geschichten sicher die Tatsache durch, dass ich Politikwissenschaftlerin bin und ich in meinen Geschichten auch aktuelle politische Themen adressiere. Die Kunst ist, Drohnenattacken in Pakistan oder die tonnenweise Vernichtung von Lebensmitteln so in die Geschichten einzuflechten, dass die Leserinnen und Leser das nicht als aufgezwungen erleben, sondern über etwas stolpern, bei Lesungen nachfragen, zum Nachdenken angeregt werden.
Da ich meine Texte wirklich sehr gerne öffentlich vortrage, ist für mich die Lesbarkeit, so etwas wie Melodie und Rhythmus extrem wichtig. Dabei arbeite ich daran, dass Form und Inhalt Hand in Hand gehen. Es gibt zum Beispiel eine sehr lange Sequenz, in der jemand eine Treppe hochläuft, immer zwei Stufen auf einmal nimmt. Wenn ich diese Stelle laut lese, bin ich am Ende genauso atemlos wie der Protagonist, muss genauso eine Pause machen, um Atem zu holen.

Das klingt sehr spannend und macht mir und sicher vielen Anderen schon Lust auf dein Buch. Aber mal weg vom Inhaltlichen- Wie Patrice Talleurs Kinderbuch Flämmchen, das ich kürzlich hier vorstellte, und auch mein neuer Roman wird dein Buch im neu gegründeten kladde buchverlag erscheinen. Warum hast du dich für kladde entschieden?

Tatsächlich ist der kladdebuchverlag für mich ein völliger und sehr glücklicher Zufall. Ich war eigentlich voll auf „selfpublishing“ gepolt und führte bereits erste Gespräche mit einer Lektorin und einer Graphikerin, da auch ein selbst publiziertes Buch Qualität haben muss. Ich hatte von so viele jungen Autorinnen und Autoren über deren verzweifelte Agentur- und Verlagssuche erfahren, dass ich überhaupt keine Lust hatte, mich überhaupt da hinein zu begeben. Mein Anliegen ist, dass Menschen meine Texte lesen. Das kann ich heutzutage auch auf direktem Weg erreichen. Via Facebook wurde ich dann auf den kladdebuchverlag aufmerksam, habe nach dem Motto „ich habe ja nichts zu verlieren“ einen Text für eine Anthologie vorgeschlagen und zwei Tage später kam eine Email: „Wir wollen mehr!“ Ich glaube, die haben sich für mich entschieden und gar nicht so sehr umgekehrt.

Wie ist bisher die Zusammenarbeit mit den jungen Kreativen dort?

Super! Ich selbst bin ja auch eine „Macherin“, bin beruflich und ehrenamtlich sehr engagiert und habe daher große Sympathien für Menschen, die mutig etwas Neues wagen. Zugleich habe ich auch Spaß daran, eigene Ideen in das Buchprojekt einzubringen. Bisher lässt sich unsere Zusammenarbeit sehr gut an. Ich bin gespannt, wie es laufen wird, wenn es nun Ernst wird mit dem Start der Funding-Kampagne.
kladdeJetzt machen wir mal einen auf Werber! Warum sollte man dein Buch mit einem Funding-Beitrag unterstützen? 

Dieses Projekt ist unterstützenswert, da gute Literatur und neue Geschichten immer eine Bereicherung sind. Zudem zahlt sich die Investition in vielfältiger Weise aus. Denn das Buch wird ein sehr schönes, hochwertiges Produkt sein, aus tollem Papier und mit Lesebändchen. Zugleich unterstützt der Kauf kleine und mittelständische Unternehmen im Handwerk (Papiermanufaktur, Druckerei) und der Kreativwirtschaft (Start-up Verlag und die von ihm bevorzugten inhabergeführten Buchhandlungen) und last but not least wächst natürlich auch meine persönliche Motivation als Autorin noch bessere Geschichten zu schreiben. Das Interesse der Leserinnen und Leser ist ein sehr wichtiger Motor.

Was ist dein größter Wunsch derzeit? Im Schreiben und generell?

Der Weltfrieden? Im Ernst. Die Frage ist zu groß. Ich wünsche mir sehr, dass das Buchprojekt sein Publikum findet und realisiert werden kann, da das erfolgreiche Funding auf visionbakery die existentielle Bedingung für das Buch darstellt. Und für mich persönlich wünsche ich mir gerade mehr Zeit zum Schreiben. Neben Vollzeitjob, Familie und mehreren Ehrenämtern, ist das nicht immer einfach. Zugleich habe ich so viele Themen im Kopf, zu denen Geschichten erzählt werden müssen!

Wer wünschte sich nicht den Weltfrieden!? Aber ein vergleichsweise kleiner Wunsch im eigenen privaten und beruflichen Bereich ist sicher ebenso gestattet und wichtig. Ich wünsche dir ganz viel Erfolg mit deinem Buch und deinen weiteren Plänen! Vielen Dank für das nette Gespräch!

Wer Judiths Buch lesen möchte, sollte also nach Möglichkeit nicht in der gewohnten Haltung verharren, es zu erwerben, wenn es denn im Laden liegt. Aber wie geht es nun konkret?- 

Der kladde buchverlag, wird also bald schon im Vorfeld der Veröffentlichung gezielt nach Unterstützern des Projektes suchen, die den Druck des Buches mittels crowdfunding finanzieren. Der Leser wird auf der Plattform  visionbakery bereits vor der Veröffentlichung mit Informationen und Leseproben zu Text und Autorin versorgt und erhält die Möglichkeit, das Manuskript schon vor den späteren Lesern kennenzulernen und mit einer individuellen Unterstützung zu pushen. Vom risikofreien Kauf des Buches zum späteren Ladenpreis über das Vorbestellen eines signierten Exemplars bis zur Erwähnung des eigenen Namens im späteren gedruckten Buch sind zahlreiche Möglichkeiten gegeben, sich als Unterstützer direkt und unittelbar mit dem Projekt zu verknüpfen. Ein spannendes und innovatives Konzept, das dem jungen Verlag schon einige Aufmerksamkeit beschert hat.  Es sei somit noch einmal an alle appeliert, die mit dem Gedanken spielen, Judiths Buch zu erwerben: unterstützt schon im Vorfeld das Projekt und macht das Erscheinen mit Eurer Hilfe erst möglich! Ihr fördert eine junge Autorin, einen innovativen Verlag und werdet direkt Teil eines bemerkenswerten Konzepts!

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-Schwärzer –

Bild
Berühre das schwarze Papier nicht.
Mein Leben lang strich ich die Buchstaben aus den Schmökern, löschte Geschichten -Letter für Letter- aus mit Schwarz. Ich weiß erst jetzt: Alles wird von alleine dunkler unter Licht.    
All die Dinge, die wir sagten – gestern, vorgestern, letztes Jahr, unsere ersten Worte – sind geronnen; ausgehärtet zu einem festen Block, zum Sockel, auf dem wir stehen und lustig von Wissen und Wünschen und Wettererwartungen schwatzen. All die Helden, all die Opfer, all die Bösen, diese Ichs und Dus in ihren Kostümierungen so papieren, so oblatendünn dem Wind, dem Feuer, befeuchteten Fingern ausgeliefert und nichts als Mensch mimende Worte – konserviert als rußige Partikel in Faserzwischenräumen; spürbar erhaben auf brüchigem Material, aufgeprägt mit angemessenem Druck, versenkt in Weiches. Worte als Spuren von mehr oder weniger Gewalt, absorbiert von Saugfähigem, beinahe ausgelöscht und nur noch schwacher Schein; angegriffen von Gilb, von Milben angefressen, abgeschabt von  Federmessern, übertüncht oder durch hinzugefügte Balken an einzelnen Lettern leicht in ihrer Aussage zu verändern. Nur Schimmer, sich lösend in Lichtquellen; Tinte, die sich verliert im Tintenmeer. Versuch nicht, auf den schmalen schwarzen Graten zu balancieren, die Ligaturen sind brüchig und tragen nicht mehr. 
Dein Gesicht, gepresst zwischen Seiten – zusammen mit den Zetteln und Notizen in den Girlanden deiner Schrift. Ich habe deine Worte im Staub versteckt und zwischen Silber und Glas des Spiegels. Ich finde Worte im Stahl des Schweigens – letztlich ein Abdruck der Wahrheit wie eine ausgebliebene Berührung nur eine Berührung im Negativ.
Gedanken, niedergelegt in Sand und in Krumen – die Dohlen pickten meine Lügen vom weißen Pflaster und läsen sich ihre Schnäbel stumpf dabei. 
Ich könnte mit dem Finger in den Dunst der Scheibe schreiben; mit dem Hammer Nägel tief in die Lagen der Geschichten treiben, bis hinein in die Herzen der Märchen und Sagen. Ich  könnte in Stein und in Wasser schreiben und in Haut – mit einer insektenleichten Belastung der oberen Schicht lustvoll meine Versprechen stechend.
Aber ich lese: die Zeit, Stille heute, in allen Zeilen nur ausgelassene Zeichen, ich lese die verborgenen Worte auf Sandpapier; geheime Botschaften von dir in all meinen Poren und Narben. 
Ein kleines Wort hing so lange unbeweglich in der Luft, sein dünner Schatten auf der leeren Wand, bis ich beschloss, nicht zuzugreifen sondern weiterzublättern zu einem helleren Absatz. Aber auch dort hat alles diesen Nachtgeschmack. Kann man denn wirklich sagen, ob der schmale Saum Licht unter der Tür noch Mond ist oder schon Schwelbrand? – Ich könnte hinsehen. Mein Blick stürzte sich mutig ins Dunkel, prallte hier und da von Metallischem ab und rollte scheppernd aus in der Tiefe.
Dein Gesicht, gepresst zwischen Seiten.
Es ist nicht dein Mund, nicht dein Auge, nicht dein Gesicht –  es sind deine Worte, dein Blick, deine Zweifel, die bleiben. In den labyrinthischen Kammern deines Fehlens ist mehr Du verborgen als in den verlorenen Papieren und Polaroids, längst verschlackt vom Vergessen.  Dein Auge bezeugt jede Tat, die ich sehe. Jede Geschichte, die ich verfolge, kommentiere ich für dein Ohr, von dem ich weiß, dass sein Abdruck unverwechselbarer Du sagt als jede Kennkarte, jede Unterschrift. Ob du dabei warst oder nicht –  du bist Zeuge. Hör der dunklen Geschichte nicht zu, forme nicht tonlos ihre angegrauten Worte.
Ich lausche den Dialogen der Stummen und erlerne beiläufig ihr leises Vokabular. Wohlig gehüllt in meine Netzhaut fische ich nach flüchtigen Bildern- bin ganz Sinn, Pupille und Flimmerhaar. 
All die ausgegossenen Sätze, die Flecken, in denen man Dinge sehen will, die Augen in der Maserung des Holzes, die Gesichter in der blassen Nässe der Decke, die Finger,  verborgen im Blattwerk des Ficus: All das geht –auch mit den stärksten Mitteln– nie mehr raus. Und nichts, nichts davon steht in den wurmstichigen alten Schwarten.Was nur bleibt, ist Weiterreden, Weiterschreiben, weiter Zeichen ausstreuen wie Reisig, damit der Schritt greift auf dem glatten Grund, bis alles überdeckt ist  und selbst dann noch fühlbar bleibt, wie der Stoff dort anders beschaffen scheint, wo die Worte sitzen und geduldig warten, gelesen zu  werden.  Komm später zurück und schau, ob sich die Geschichte geändert hat.
Ich könnte schweigen: Würdest du mein Wort so lange halten? – Vielleicht reimt es sich am Ende in irgendeiner Sprache auf Licht. 
Das Lektorat und Korrektorat besorgte Sebastian Schmidt. Vielen Dank dafür!

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– „Das Ding ist ein Fest!“…-

…sagt die Lyrikerin Hanna Scotti. BRUSIUSCOVER

Ich habe noch einige wenige Exemplare meines Bändchens -dingfest-. Es enthält 20 Gedichte und wunderbar surreale Collagen des Künstlers Walter Brusius.
Din A6, 65 Seiten, 12,80€ mit Wunschwidmung.
Bei Interesse einfach eine Mail mit Adresse an: westlit@web.de

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