5 PERSONEN, LACHEND

 

5 PERSONEN, LACHEND

 dieser text könnte enthalten:
1 person, sitzend, innenraum

heute beginnt die reise entlang
der linien in meiner hand
der himmel photoshopblau
und tätowiert mit vogelsilhouetten
aus dem kalender tropft blut auf den teppich
von jeder einstichstelle ist eine niederlage markiert
denn jeder tag hat zwei launische nachbarn

die theoretische möglichkeit, rauszugehen
häuser die es gestern noch nicht gab
würfelformationen photoshopschwarz
im wind treibendes trockenes laub
hinter dir auf den wegen klingt wie feiner regen
der feine regen klingt wie die speichen von rädern
die speichen von rädern wie schritte hinter dir
auf im wind treibenden trockenen laub
aus diesem grund zu hause bleiben

dieser text könnte enthalten:
1 person, sitzend, innenraum, tisch und essen

die verschlungenen pfade auf dem tisch
zwischen brot butter und marmeladen
diese flecken auf der decke photoshop-rot
diese canyons zwischen falten und krümelbergen
unberührt und fremd jedem forscherblick
an verkrusteten tassen nippen deine lippen
fossile krumen buchstabieren nonsens in braille
du lebst vom obstdekor auf den papierservietten
und dem gras: photoshopgrün auf der rückseite
der packung mit der längst verdorbenen milch

ziemlich zielloses dunkeln nun
jede stunde hat einen schrecklichen stammbaum
mit schemen sind die gardinen beschmiert
alle fluchttüren nachtgrau gestrichen
die tapeten bemalt mit möbeln, fenstern
mit schmutzigen gespenstern die nächte behängt
im holz werden die strukturen klarer, tiefer
der mond im rahmen hängt immer schiefer
und verlangt nach bildhaftigkeit und poesie:
aber alle vergleiche scheitern
er ist weder ein verlorenener ohrclip
trudelnd im photoshopblauen wasser des pools
noch eine halbe kopfschmerztablette,
die sich sprudelnd am grund des glases löst,
der mond bleibt
der mond bleibt
der mond



…der Beginn eines 280 Zeilen umfassenden Langgedichts, an dem ich gerade werkle…..

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Trakl-Translations

traklsemmler1Illustration: Christiane Semmler

Wie ich schon einmal erwähnte, befasse ich mich derzeit mit der „Übersetzung“ von Trakl-Gedichten in „meine“ Sprache. Ich ziehe von seinen Texten sozusagen den Katholizismus und das Pathos ab und übertrage -manchmal mit der wunderbaren Hilfe des Google-Übersetzers- seine Motivwelt ins Moderne. Dabei bemühe ich mich, relativ nah an den Strukturen und Formen des Originals zu bleiben. Was dabei so herauskommt, liest sich so und ähnlich:

Deep house

klirrendes plätschern, darüber ragen
wolken auf, weich und gletscherweiß
senioren schieben ihre wagen
im park im immer selben kreis

die betten der toten sind ungemacht
flugzeuge ziehen nach westen
ein müder mann schaut in die nacht
die sich verfängt in den ästen

durchs fenster blutet ein baum
blätter die der wind verwehte
rotlicht und schatten fluten den raum
und schmieren teufel auf die tapete

ein fremder klopft im erdgeschoß
ein hund geht vor die hunde
der letzte zieht die die tür ins schloss
deep house zu später stunde

 

strich1

..und hier als Fußnote das Original:

Musik im Mirabell
Ein Brunnen singt. Die Wolken stehn/Im klaren Blau, die weißen, zarten/Bedächtig stille Menschen gehen/Am Abend durch den alten Garten//Der Ahnen Marmor ist ergraut/ Ein Vogelzug streift in die Weiten/Ein Faun mit toten Augen schaut/Nach Schatten, die ins Dunkel gleiten//Das Laub fällt rot vom alten Baum/Und kreist herein durchs offne Fenster/Ein Feuerschein glüht auf im Raum//Und malet trübe Angstgespenster/Ein weißer Fremdling tritt ins Haus/Ein Hund stürzt durch verfallene Gänge/Die Magd löscht eine Lampe aus/ Das Ohr hört nachts Sonatenklänge//

 

 

 

 

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POE-tische Gedanken

poezitatanipoe.gif

 

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Gedicht 25/4/17

Selbstporträt mit Verwandten

meine eltern sagen immer
ich ähnele dem herbst und der eibe
meine eltern sagen immer
ich käme nach dem wild und treibholz

ich schlüge nach
der windabgewandten seite
nach schutz und nach stolz
sagen sie

meine eltern sagen
ich gliche der hitze aufs haar
in meinen zügen fänden sich
böschung und brandung
wieder

meine eltern sagen immer
in meinem schwanken
habe sich die linie der zedern
fortgesetzt

meine eltern sagen immer
mein schweigen erinnere sie
an welkes laub

das sagen meine eltern immer
dabei ähnele ich nur
dem unbekannten
wie ein ei dem anderen

 

 

 

 

 

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„hier!“ -das Festival 2017

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Große Ereignisse werden ihre Schatten voraus… . Stolz darauf, auch selbst dabei sein zu dürfen (siehe unten), darf ich hier einmal einige ganz frische Informationen vom literaturland westfalen weitergeben:

Das Netzwerkprojekt richtet im Spätsommer 2017 ein westfalenweites Literaturfestival unter dem Titel hier! festival. regional. international. aus. Vom 26. August bis zum 30. September 2017 wird eine Vielzahl an Literatur- und Kulturveranstaltern sowie sonstigen literarischen Akteuren Westfalens mit zahlreichen Sonderveranstaltungen die Großregion Westfalen als vielfältige und qualitativ hochwertige Literaturlandschaft präsentieren.

Einige wichtige Programmpunkte stehen auch bereits fest. So wird der Festivalauftakt am 26. August in Kooperation mit den diesjährigen Droste-Tagen mit einem ganztägigen Literaturtag mit mehreren Bühnen auf Burg Hülshoff begangen werden. Vom 1. bis 3. September wird es über ganz Westfalen verteilt ein „Wochenende der Verlage“ geben.

Unter anderem werden folgende regionale, überregionale und internationale Autorinnen und Autoren, Schauspieler und Moderatoren beim Festival hier! auftreten:

Zsuzsa Bánk, Ruth Johanna Benrath, Katinka Buddenkotte, Sandra Da Vina, Jens Dirksen, Wiglaf Droste, Matthias Engels, Sebastian Fitzek, Frank Goosen, Dora Heldt, Sabrina Janesch, Ignacy Karpowicz, Lamya Kaddor, Peter Lohmeyer, Marie-Luise Marjan, Inge Meyer-Dietrich, Sarah Meyer-Dietrich, Zepp Oberpichler, Selim Özdogan, Gisa Pauly, SAID, Denis Scheck, Raoul Schrott, Herbert Somplatzki, Burkhard Spinnen, Sascha Thamm, Thorsten Trelenberg, Oliver Uschmann, Najem Wali, Daniel Wolf, Klaus-Peter Wolf, Feridun Zaimoglu…

Weitere Infos HIER

 

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Lieblingsplätze & Herzensorte

kartewestf

Seit einiger Zeit basteln nun meine Mitherausgeber Thorsten Trelenberg, Thomas Kade und ich an unserer Anthologie: Lieblingsplätze & Herzensorte, für die uns sage und schreibe 30 Autorinnen in kleinen Texten und Gedichten IHREN ganz persönlichen Lieblingsort in der Region Westfalen verraten haben. Oben sieht man: wir sind ein gutes Stück literarisch herumgekommen.

Bekannte Autoren stehen neben Erstveröffentlichten, jung neben alt, Münsterländer neben Ruhris und Ostwestfalen. Gedicht neben Geschichte neben sagenhafter Anekdote.
Viele Autoren haben außerdem charmante selbstgeschossene Fotos beigesteuert.

Wir stecken derzeit in den letzten Resten des Lektorats, haben einen Verlag und einen Plan! Der nächste Schritt wird das professionelle Layout sein. Wir freuen uns darauf und auf den dann unmittelbar bevorstehenden Druck des Ganzen.

Ich halte auf dem Laufenden.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Rezension „Landschaft mit großem H“ auf: dasgedichtblog.de

landschaft mit großem h

Heute erschien auf: dasgedichtblog.de Hellmuth Opitz` Rezension meiner „Heimatgedichte“ im Bändchen „Landschaft mit großem H“. Ich freue mich sehr!
Der Rezensent meint:

„Wenn einen schon keine ausgeprägte Mundart heimatlich bettet, muss man die Augen scharf stellen, um Aussagen über das innere und äußere Zuhause machen zu können. Das gelingt Matthias Engels in seinem kleinen quadratischen Gedichtbändchen »Landschaft mit großem h« sehr überzeugend. Da geht es nicht um geografische Verortung, sondern um präzise Vermessung der inneren Koordinaten, zum Beispiel an einem x-beliebigen Morgen. Die ersten drei Strophen des Gedicht »Morgen, tarnfarben« beschwören den Wunsch des Verschwindens im Niemandsland zwischen drinnen und draußen, zwischen Innenwelt und Außenwelt: »heute keine milch und im kasten / nur schwarze post und möglichkeiten / sich abzusetzen wären gegeben gewesen // der park sagte tarnfarben morgen / ungarnte dich mit tau doch / du wurdest heimgekehrt // und nun das giftige blinken der feststation / und weitere anrufe in anwesenheit / obwohl du dich an unsichtbarkeit versuchst«.
Aber so gern das lyrische Ich auch abtauchen möchte, die Außenwelt hat sich in Form elektronischer Medien längst eingeschlichen und wartet auf Beachtung und Reaktion. Heimat wird hier nur im Mangel deutlich, im Vermissen eines Rückzugsortes, an dem man sich ohne Verpflichtungen und Verbindlichkeiten eine Tarnkappe aufsetzen und so unsichtbar werden kann. Schön, wie Matthias Engels hier der Schwarz-Weiß-Optik der Zivilisation in der ersten Strophe die Tarnfarben der Natur in der zweiten Strophe dialektisch entgegensetzt. Wenn man in einem Landstrich zuhause ist, der sich dem Betrachter nicht mit Sehenswürdigkeiten an den Hals wirft, wie zeichnet man dann ein aussagekräftiges poetisches Profil? Matthias Engels gelingt es im »heimatgedicht« mit einem scheinbaren Paradoxon: der Präzision des Ungefähren: »an den rändern franste das plane / aus ins krause, ins dickicht, / ins drohen der diaspora«. Auch so poetisch kann man Provinz auf den Punkt bringen.“

strich2

Noch mehr interessante Titel zum Thema bespricht Hellmuth Opitz im Originalartikel: http://www.dasgedichtblog.de/heimatleuchten/2017/04/03/

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