außer.dem #25

In der neuen, 25. Ausgabe der Literaturzeitschrift außer.dem findet sich neben vielen großartigen Texten auch mein Gedicht was wenn. Die außer.dem erscheint bereits seit 1999 in München und veröffentlicht zeitgenössische, moderne Texte, die sich außerhalb des eingeführten Literaturbetriebs sehen und der herkömmlichen Lyrik und Prosa überraschende und innovative Textalternativen gegenüberzustellen versuchen.

Ich freu mich, in so guter Gesellschaft dabei zu sein.

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vielfaltdurchlesen: die bunteste Literaturliste gegen Einfalt!

binoo

Eine wichtige und feine Aktion des binooki- Verlages:
#vielfaltdurchlesen: die bunteste Literaturliste für Vielfalt und gegen Einfalt! Ich bin mit der Empfehlung eines Lyrikbandes dabei- und wer mag, kann ebenfalls gerne mitmachen!

In Zeiten wie diesen ist es noch wichtiger als sonst, sich für die Vielfalt unserer Gesellschaft einzusetzen und sich zu positionieren. Wir haben deshalb die Aktion #vielfaltdurchlesen ins Leben gerufen, die ein Zeichen setzen soll: Für mehr Vielfalt und gegen Diskriminierung, Hass oder Ausgrenzung. Deshalb rufen wir dazu auf, die bunteste Literaturliste Deutschlands aufzustellen und damit die ganze Vielfalt unserer Gesellschaft zu offenbaren. Wir möchten eure ganz persönlichen Empfehlungen von den Büchern, die für Diversität und Vielfalt stehen. Zeigt sie uns. Zeigt sie der Welt. Zeigt sie den Ewig-Gestrigen, den Spaltern unserer Gesellschaft und denen, die ihnen folgen. Zeigt den Zweiflern und Angstvollen das wahre Gesicht unserer Gesellschaft. Zeigt die Weltoffenheit. Zeigt die Toleranz. Zeigt die Solidarität. Zeigt die Vielfalt. Zeigt euch.

 

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Die vollkommenste aller möglichen Welten

hand
Heute, nach diesem unsäglichen Theater in Berlin, ist bei vielen wohl endgültig jedes Vertrauen in die Regierung erloschen.
Ich bin ja Einer, der immer für Pragmatismus, Besonnenheit und Ratio plädiert und der jegliche Schreierei und aufgesetzte Reflex-Empörung ablehnt, aber die aktuellen Geschehnisse bringen mich doch zum Staunen.
Man muss sich wirklich fragen: Für wie dumm hält man uns und denkt man wirklich, IRGENDJEMAND würde dies als gute Lösung abnicken?
Es gibt fast nur Verlierer (Die Kanzlerin, die SPD, die Demokratie) und die, die jetzt frohlocken, stehen meines Erachtens alle auf der falschen Seite, die eigentlich mit einem klaren Zeichen und mit Rückhalt der Mehrheit der Bevölkerung in ihre Schranken gewiesen werden sollte.
Dieses Handeln zeigt erneut, wie die Populisten unsere Regierung vor sich hertreiben und wie diese ihnen die Schlagworte und Steilvorlagen auch noch täglich selber liefert.

Dieser Kompromiss ist der faulste, den wir bisher erleben durften und das in einer Lage, in der es Führungsstärke, politische Intelligenz und die Fähigkeit zur Moderation der eigenen Entschlüsse bräuchte. Dieser Regierung geht all das ab. Die Kanzlerin, deren Fan ich nie war, die sich aber durch ihren unspektakulären und unaufgeregten Stil und die ein oder andere Entscheidung meinen Respekt erworben hat, hat ihren Instinkt, der sie jahrelang auszeichnete, verloren.
Die SPD, die sich in den letzten Tagen redlich bemüht, lässt sich vorführen wie ein Kindergartenkind. Der Innenminister tappt von einem Fettnapf in den nächsten und kokettiert mit rechtem Sprach- und Gedankenmaterial. Dabei gelingt es ihm zwar nicht, Sympathien oder Wählerstimmen zu gewinnen, aber seine spezielle Position schützt ihn dennoch vor dem Rauswurf. Die Kunst des Rücktritts beherrscht ohnehin keiner der politischen Klasse mehr.

Die Öffentlichkeit versteht diese Zeichen durchaus: Rechtspopulismus scheint nicht so schlimm zu sein und ist offensichtlich salonfähig geworden. Machterhalt und das Vermeiden jeglichen Konflikts scheint wichtiger als eine klare Positionierung.

Ich sag es nicht gern und bin erschreckt, wie AfD das jetzt klingt, aber: diese Regierung ist am Ende, war es vielleicht schon von Anfang an.
Die Kanzlerin stand vor der Wahl, den Innenminister zu brüskieren oder direkt zu entlassen, was unter Umständen zum Bruch mit der CSU geführt hätte, oder die SPD im wahrsten Sinne zu vera…… und zu hoffen, dass sie zugunsten des Fortbestands der Koalition schon wieder einen Kübel Kröten schlucken wird. Vielleicht tut sie es sogar.

Ein Bruch der Koalition wäre also das Logischste. Aber möchte man sich die Lage nach Neuwahlen vorstellen? Möglicherweise wäre keine Regierungsbildung ohne die Rechten möglich. Möchte man in Tagen wie diesen unter Umständen wieder monatelang ohne Regierung dastehen? -Eigentlich nicht!
Jedes demokratische Bündnis wäre richtig, richtiger zumindest als jede Regierung mit AfD. Aber man darf zu Recht zweifeln, dass sich die Parteien gegen eine solche über die links/rechts-Grenzen hinweg zusammenfinden würden. Gerade in Anbetracht der gestrigen Ereignisse.

Wen wundert`s, wenn meine Teenage-Kinder fragen, wen man denn eigentlich noch wählen soll, wenn man dann darf? Die Egos sind überall gleich groß, die Inhalte komplex und übervorsichtig und schlecht moderiert. Eine richtungsweisende Vision ist nirgendwo in Sicht.
Eigentlich würde jede demokratische Regierung genügen, auch diese GroKo würde genügen- wenn sie handeln würde, wie es in ihrer Macht steht, wenn Moral, die Allgemeinheit und der ehrliche Wille zu einem friedlichen Miteinander im Mittelpunkt ihrer Politik stünde und nicht nur die Interessen Einzelner an der Regierung Beteiligter. Dann stünde man -mit klaren Aussagen, Verlässlichkeit und festen Grundsätzen- vielleicht auch gar nicht vor dem Problem des Machterhaltes durch politische Spielchen, sondern hätte Wählerstimmen in einer Zahl, die diese erübrigten.

Was wollen wir denn? Natürlich ist niemandem wirklich an Instabilität gelegen, aber ist Stabilität, ein Weiter-so um jeden Preis wirklich die einzige Lösung?

„Wir sind mehr“-heißt es. Aber was sagt das schon, wenn die, die weniger sind, das politische Geschehen dominieren, die Tagespresse beherrschen und den Diskurs bestimmen? „Mehr“ heißt zunächst einmal gar nichts. Mehr heißt nicht erfolgreich und mehr heißt auch nicht zwingend im Recht. Ich möchte nicht auf 1940 verweisen, als die Nazis mehr waren- waren sie deshalb zwingend die Guten? Warum sich also über die reine Zahl definieren? Wir müssen schlauer sein, überzeugender und geschlossener.
Und: wir sollten nicht nur wissen, wogegen wir sind, sondern besonders auch: wofür!
Wir müssen genauso laut und deutlich wie die Anderen sagen, für was wir eigentlich stehen. Eine Menge tun dies und das ist gut.

Die Anderen aber -und die will ich gar nicht zählen- unterhalten sich zu Tode, konsumieren und posten Katzenbilder. Besser das als Hetzparolen, ja, aber sie erreicht das politische Tagesgeschehen nicht oder zu oft aus zweifelhaften Quellen.
Die müssen wir -solange sie noch nicht völlig verloren sind- wiederholen und dafür muss vielleicht auch der einmal das Wort ergreifen, der ansonsten zu solchen Dingen schweigt. Das tue ich hiermit:

Ich will nicht zusehen, wie mich die Regierung im Stich lässt, denn genau so fühlt es sich an. Ich will mich nicht dumm fühlen, weil ich auf die Politik und die Ratio vertraut habe.
Ich will nicht für dumm verkauft werden.
Ich fordere eine klare Positionierung gegen fremden- und verfassungswidriges Verhalten in allen Variationen und Abstufungen. Ich möchte, dass die, die zugunsten ihres eigenen Fortkommens Intrigen schmieden, Tatsachen verdrehen und Hass schüren, daran gehindert und zur Rechenschaft gezogen werden.

Eigentlich wollte ich heute nur diese Minuten-Novelle des Ungarn István Örkény posten, die sich zwar auf Ungarn und eine andere Zeit bezieht, aber dennoch hier sehr gut passt. Dass sie jetzt am Ende dieses langen Sermons etwas untergeht, möge mir der Autor posthum verzeihen- es ist nicht meines Schuld!

 

»Diese Welt ist die vollkommenste aller möglichen Welten«
»Aber warum nur schweige ich?«
»Ja, warum?«
»Weil mir nichts einfällt«, sagte er und putzte sich die Nase. »Das ist der Zustand der vollkommenen Glückseligkeit.« »So geht es vielen in diesem Land«, antwortete ich. »Ein glückliches Land!«
»Eine glückliche Zeit!« sagte er. »Denn sollte jemandem gegebenenfalls doch noch etwas Sinnvolles einfallen, könnte dieser Gedanke die real existierende vollkommene Welt nur weiter vervollkommnen, was nonsens ist, denn das Vollkommene kennt keinen Komparativ und auch keinen Superlativ. Sollte also jemandem etwas Sinnvolles einfallen, würde das bedeuten, daß unsere Welt nicht vollkommen ist.«
»Und was wäre dann?«
»Dann würde auch mir etwas einfallen.«
»Und? Nichts?«
»Nichts.«
»Demnach hat unsere Welt ohne Zweifel den Zustand der Vollkommenheit erreicht«, sagte ich.

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Poem 13/09/18

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verschwistertes zwitschern

deinen frühesten blick im genick trifft mich dein
erwachen verlässlich rücklings wie kannst du mir
folgen schlendernd wenn ich laufe ist doch dein blut
kaum wärmer als meins und kaum mondsüchtiger
als meine deine inneren gezeiten

erst verschwistertes zwitschern dann gewitter
inmitten verwitweter wälder die gärtner schaufeln
am morgen die vögel auf haufen und der saum des
himmels ist aufgetrennt vom rand des monds
man ist so sehr diese art von wunder gewohnt

wann stellst du mich den verstorbenen vor ich hab
so lang gewartet dir endlich früher zu begegnen wenn
ich vor dir flüchte dich nicht fürchte und allein zurück
lass mit deinem blick auf mich beginnen wir den tag
traumlos mit geschlossenen augen

 

 

 

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Poem 11/9/18

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Poem 6/9/18

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Der aufprall der trockenen blätter
auf den gehwegplatten
klingt exakt wie dein schritt
in schlappen wenn du

vom mittagsschlaf
aus dem haus trittst
und merkst dass die zeit
die du dir zum aufwachen
gesetzt hattest längst

verstrichen ist die tür
weit offen lauer wind
die romantik von monoblocksessel
und filterkaffee

auch der schatten der möwe
bleibt noch wenn sie längst
fort ist

 

 

 

 

 

 

 

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Fabian Lenthe: In den Pfützen der Stadt… Rezension

Lenthe-Himmel

In den Pfützen der Stadt wächst ein Stück Himmel– so heißt der Debütband des 1985 in Nürnberg geborenen Fabian Lenthe. Exakt 100 Gedichte fasst der Band, kürzlich in Rodneys Underground Press erschienen.

Es wird eine Menge getrunken in diesen Gedichten, eine Menge geraucht (oder ist das nur der Eindruck?), das lange vor Monatsende aufgebrauchte Geld, die miesen Jobs und die Tristesse der Ein-Zimmer-Wohnung dominieren thematisch. Prosaisch das Ganze, lakonisch, schnodderig. Misanthropie, Lethargie- ah, ein neuer teutonischer Bukowski, denkt der Leser dieser Zeilen. Naja, natürlich ist der Ton ein Ähnlicher, aber wie so oft hinkt der Vergleich lieber, als dass er tänzelt. Prekäre Verhältnisse, ja. Sehr viel Hässlichkeit, Weltekel, ja. Wenig lyrisches Klingen, wenig empfindsam besungene Schönheit hier, natürlich.

Die jungen oder weniger jungen Männer des US-Underground, an deren Ton sich diese –nennen wir es: Schule- orientiert, waren in der einen oder anderen Weise: Kriegsheimkehrer, Versehrte, Augenzeugen von Weltkrieg II oder Vietnam (Buk selbst war ausgemustert) oder zumindest vom unheilschwangeren Klima des Kalten Krieges geprägt.
Die mehr oder weniger jungen Männer in den Gedichten, die heute noch und wieder als deren Echo daherkommen, der junge Mann in Fabian Lenthes Gedichten, sind friedensverwöhnt und haben in der Regel wohl nur wenig Blut gesehen, höchstens das von Mutters Sonntagsbraten. Ihre Fronten aber haben sie auch: spätkapitalistisches Ennui, soziale Kälte, veränderte Arbeitsverhältnisse. Die Angst vor dem Ivan ist wohl ersetzt durch die Angst vor IS-Terror und der Weltekel war nie zeitlich oder politisch gebunden. Dass das also eine Haltung und damit Tonfälle sich ähneln- gar nicht so verwunderlich. Jede Zeit kann ihren Genossen Hölle sein und sie zwingen, eine Zeit darin zu verbringen. Rimbaud mit seiner Saison en enfer kommt als Säulenheiliger nicht aus der Mode.

Ich mag einige Gedanken in Fabian Lenthes Texten sehr: bei all diesem puren Aushalten, dieser eigentlichen Unerträglichkeit der Tage gibt es den roten Faden der Poesie. Das Gedicht –es muss nicht lang oder kurz, nicht einmal gelungen oder großartig sein- fungiert hier mitunter als alternative Währung, mit der auch der pardon beschissenste Tag eventuell noch etwas zurückzahlt.

Und dann fasziniert mich, wie häufig und scheinbar folgerichtig sich in ähnlichen Texten wie auch in Lenthes der Underground-Ton und der Tonfall der Neuen Subjektivität eines Nicolas Born oder Jürgen Theobaldy berühren. Da sind einige Gedichte in diesem Band, die über die Tristesse hinaus eine Vermutung, eine Möglichkeit von Schönheit andeuten und es sind nicht die schlechteren Momente des Kollegen Lenthe- beileibe nicht!
Dieses wunderbare Ampelgedicht, der Text mit geteilten Fritten und Coke, einige weitere…hier passt jedes Wort und die zaghafte Zweisamkeit erhellt kurz all das Grau, überlagert den ganzen Müll und Beton zumindest als ein Versprechen. Ohne Loser-Pose gehen hier plötzlich Lakonie, Naivität, (Selbst-)Ironie und Schnoddrigkeit ein Stück lang Hand in Hand, auf beinahe ebenso schöne Weise wie in Nicolas Borns Gedicht: Eine Liebe.

Und da lohnt sich dann diese Haltung, die beinahe bemüht erscheint, alles allzu Schöne und Luftige zu übersehen, dieser Blick, der sich nicht zum Himmel und den Sternen richtet, sondern abwärts: zu Dreck und Müll und Asphalt. Derart eingestellt leuchtet dann ein zwischen Abfällen verlorener kleiner Schatz umso mehr.
So wächst in diesen dreckigen Pfützen der Stadt (also ist auch das Wetter pardon Scheiße) immerhin ein Stück Himmel und im letzten Satz des Bandes (tatsächlich eine Art Rimbaud- Zitat, den wir oben schon ins Spiel brachten) ist der Tag in der Hölle immerhin: ein schöner!

Er kann eine Menge, dieser Fabian Lenthe. Sein Blick ist frisch und genau, er braucht wenige Worte, um Stimmung zu erzeugen und er verfügt über die Grundzutat für wirklich gelungene Texte: Humor. Ein alles in Allem vielversprechendes Debüt!

 

In den Pfützen der Stadt wächst ein Stück Himmel – Gedichte
Rodneys Underground Press
Softcover / 116 Seiten / 8,95 EUR

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