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Leeds/Dortmund 50- ein Schreibprojekt

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Die Städtepartnerschaft zwischen Dortmund und Leeds feiert ihren 50sten Geburtstag. Das Projekt LD50 hat aus diesem Anlass u.a Schreib-Partnerschaften von Dichtern beider Städte angeregt und vermittelt. 10 Schreiber aus Deutschland und 10 aus England haben sich in den letzten Monaten literarisch mit dem Thema „Nachbarschaft“ auseinander gesetzt. Präsentiert wird das Ganze im Oktober bei einem großen Festival in Leeds sowie auf einer eigenen Website.

Ich bin sehr stolz, ebenfalls dabei zu sein. Gemeinsam mit meiner Partnerin Barney Bardsley durfte ich jeweils ein Gedicht und eine Kurzprosa verfassen, bei deren Entstehungsprozess wir uns eng aneinander angelehnt und intensiv diskutiert haben. Eine großartige Erfahrung!

Auf der LD50-Website gibt es bereits die ersten Texte aller Teilnehmer.
Dorthin geht es HIER. Als Beispiel einmal mein Gedicht:

Landschaftsbild
Erst nur eine hand voll häuser, ins grün gewürfelt.
dann wenige wege, bögen schlagend um
halststarriger bauern grund. eine spitze kirche:
zur besänftigung der landschaft aufgepflanzt;

aber bald schon paffte die stadt, steckte sich
einen schlot an, den nun, längst erloschen,
stahl und waschbeton überragen.
die visagen der stadt: verzagt und grau;

den meisten nachbarn allzu ähnlich: ein flachbau,
postmodern neben sakralem. einige vernarbte fassaden
neben fensterfronten mit blindem blick; dann
fachwerkreminiszenzen und homöopathisch: grün.

an masten verblasste parteiplakate, vorbei
wogen bahnen und wagen. fremdgewächse suchen
die sonne im kreisverkehr und alle bewohner
gehen gebeugt, bezeugt von tiefen wolken.

 

Und hier in der Übersetzung von Dr. Kara McKechnie von der School of Performance and Cultural Industries der University of Leeds

 

IMAGE OF THE LANDSCAPE
At first just a handful of houses, dotted about in the green
then a few paths, forming loops around
stubborn farmers‘ land. A pointy church:
planted to calm down the landscape;

but soon the city started smoking, lit itself
a chimney, long since extinguished, which is now
overshadowed by steel and exposed concrete.
the faces of the city: disheartened and grey.

Most of the neighbours are all too similar: a flat building,
post modern next to something sacred. a few scarred facades
next to window fronts casting a blind eye; then
reminiscence of half timber and homeopathic: green.

Election posters grown pale on masts, past them
undulate trains and trucks. Unfamiliar plants search for
sun on the roundabout and all the residents
walk with bent backs, witnessed by deep clouds.

 
MATTHIAS ENGELS
TRANSLATOR: KARA McKECHNIE

 

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Auf die Ohren: Die Stille

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Neulich berichtete ich, dass meine Gedichte Ich will es bunter und mutter sprache in der 1. Ausgabe der Braunschweiger Literaturzeitschrift Die Stille abgedruckt wurden.
Ab heute kann man sich  diese und weitere Texte der 1. Ausgabe auf der Homepage der Zeitschrift von den Autoren (also auch von mir) vorlesen lassen. Eine feine Idee- wer mag mal lauschen? Meine beiden gibt`s auch gleich hier- weitere tolle auf der Stille-Seite.

 

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mosaik- Zeitschrift #29

mosaikspaff.jpg

In der brandneuen Ausgabe der mosaik- Zeitschrift für Literatur & Kultur- aus Salzburg findet sich eines der Gedichte des großartigen Peter Spafford aus Leeds: People with kids aus seinem Band Quick. In der mosaik-Rubrik Babel ist es im Original und in meiner Übersetzung abgedruckt. – Sehr schön! Ich schätze Peters Lyrik und ihn als Person sehr. Eine schöne Zusammenarbeit.

 

 

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Versnetze 12

versnetze12.JPG

Auch in der brandneuen 12. Ausgabe der Versnetze, herausgegeben von Axel Kutsch, findet sich eines meiner Gedichte: Fliegen im weitesten Sinn.
Mit Texten in Nr. 10 und 11 bin ich dort nun im dritten Jahr in Folge neben vielen vielen großartigen LyrikerInnen und Lyrikern vertreten.
Der Band und die ganze Reihe sei erneut allen Lesern empfohlen- die Versnetze bieten wirklich einen umfassenden Überblick über die aktuelle deutsche Poesie-Landschaft.

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Die Stille 1

stillexcf.jpg

Da ist sie- die 1. Ausgabe der neuen Literaturzeitschrift Die Stille aus Braunschweig.
Ein sehr ambitioniertes Projekt mit einem hoch engagierten Team. Das Resultat mit dem Titel: Die Stille wird kommen lässt auf weitere schöne Ausgaben hoffen.

Neben sehr schönen Beiträgen von u.a. Katja Schraml, Marlies Blauth, Patricia Falkenburg etc. finden sich auch meine Gedichte: Ich will es bunter und MutterSprache.
Freu mich dabei zu sein!

 

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Mal wieder: Sunday poem

gedichtfürchte

…habt einen schönen..

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Herbstgedichte xxx

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Jaja, ich bin sehr auf diese Jahreszeit geeicht und gebirkt und gebucht.
Es gibt kaum Frühlings- oder Sommergedichte von mir, auch Wintergedichte sind knapp. Aber Herbstgedichte gehen immer relativ leicht. Grundstimmung halt. 

1

HERBST II

wind ging und kämmte
dem goldenen herbsthaar
die strohigen strähnen raus
im sturm gefallene zweige

griffen nach meinen fesseln
und der apfel, der mich
ins unterholz lockte,
war bunt doch faul

und das laub war kein kissen
es häutete sich nur das jahr
junger noch blinder frost
raschelte bereits darunter

die vögel schwarz vom regen
wiederholten ihre vokabeln
und die sonne hing am spinnenfaden
als kleine runzlige frucht

die felder ergrauten
und die wolken wurden
und wurden nicht trocken
auf den überlandleitungen

2.
Ich will es bunter

alles dreht sich und flieht
trakls blau verzieht sich
täglich weiter hinters grau
Ich will es bunter

alles fließt sagt heraklit
aber geht deshalb auch alles
den bach runter

und hinterlegt keine adresse
sisyphos ist ein glücklicher mann
der laub fegt bei windstärke 10

wenn ich mich vergesse
geht die welt nicht unter
wo immer ich aufhöre
fängt längst ein anderer an

3.
totgesagter park (Herbst I)

Der himmel bemüht sich
um möglichst beiläufiges blau
und allgemein weiß das wetter
nicht so genau wohin
ohnehin und her
ist`s schweres gehen
bei all dem grün-
schnitt

und all das welke geht mit
es ist kein geheimnis wohin
immer du schreitest
begleiten dich
saat und keimnis
ist der garten schoß
und offener sarg
zugleich

 

4.
Liebe kommt von Laub

wieder eine blütezeit hin-
geblättert und wie bunt-
gefiedert geht der weg: liebe
–lerne ich- kommt von laub

und schlurfe durch die verluste.
nicht die schwarzscharfen bilder
sondern diese buntfeuchten schemen
sind wonach mein auge hungert

dazu ein appetit auf leere tableaus
und herbstzeit-losungen: halt ein
schalt runter– bunter wird die welt
doch kalt auch und älter

 

5.
herbstschritt

mit deinen eichenen augen
sinkst du gegen den saum des hügels
schwarz und gekrönt von bäumen
absichtsvoll verloren
blieb nur die gefiederte spur von dir
eine handvoll fährte kaum genug
für einen kopfschmuck
dein birkener blick sagt sand
allem aus dem du verschwindest
haftet etwas von dir an
mit allem was du versenkst
steigen die pegel ein stück
mit deinem herbstschritt
bleibst du bereits weit
weit hinter uns zurück

 

6.
alle türen gehen nach innen auf

Ich brauche deine hilfe
beim untergehen meine über
flüssigkeit steht in meinen schuhen

Der mond ist gegangen
und in der pfütze schnappen karpfen
nach den sternen
alles wird doppelt
wir stellen überall
dinge neben ihre schatten

 

7.
All das kommt später

meine auswilderung
meine einfriedung
all das steht noch bevor
von dir aus
habe ich keinen zugriff
auf meine erinnerung
die stunden sind
wundgeschrieben
die tulpen betrauern
mit hängenden köpfen
ihren eigenen tod

ich erkenne dich
an allem was ich nie
über dich sagte

 

 

 

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