Schlagwort-Archive: Matthias Engels

Kafka statt Kippen

Umschlag Matthias Engels

Von heute an bis zum 14.08. findet man meine Kurzgeschichte Kafka zu Haus in einigen ausgewählten Automaten der wunderbaren Literaturautomaten.
Seit nunmehr 10 Jahren gibt es dort für 2€ Lyrik, Poesie, Kurzgeschichten — von bekannten und unbekannte Autorinnen und Autoren, die nicht nur einen selbst, sondern auch Andere erfreuen. Alle acht Wochen werden die Automaten mit frischem Textmaterial gefüllt. Alle Texte kommen in einer hübsch gestalteten Schachtel daher- ein feines Sammelobjekt.

Meine Geschichte ist ziehbar in den Apparaten in:
Krefeld (Lentz)
Düsseldorf (zakk & Butze & Goethe-Museum)
Stuttgart (Merlin)
Wuppertal (Börse)
Leipzig (Kupfersaal)
Dresden (Scheune)
Bochum (Hochschule)

Wer also an einem der genannten Orte vom schnellen Hunger auf Literatur überwältigt wird…nur zu und guten Appetit!

 

 

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Stein & der Tod

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Ich reagiere nicht oft so schnell auf Tagesgeschehen.
Aber am 07.04. war ich in Münster. Die Buchhandlung, in der ich arbeite, liegt nicht sehr weit vom Kiepenkerl. Nur soviel: Der schönste Tag meines Lebens war das nicht.

 

STEIN & DER TOD

Stein war sich sicher. Nein, war er nicht. Er nahm an, vermutete zumindest, dass er dem Tod in diesem Moment am nächsten gewesen war. Oder der Tod ihm. Man weiß es ja nicht, aber ein Gefühl sagte es ihm. Letztlich war es eines der Dinge, bei denen es nicht um Details ging, nicht um die konkrete Zahl der Meter, auf die er dem Tod nah gekommen war oder der Tod ihm, nicht darum, ob er ihn gespürt oder sogar gestreift hatte. Es ging nur darum, dass er ihn nicht direkt getroffen hatte. Alles andere war unerheblich und wäre denen gegenüber, die ihn tatsächlich getroffen hatten, die er getroffen hatte, geschmacklos und anmaßend gewesen.
Stein war sich bewusst, dass der Tod und sein allgegenwärtiger Begleiter, die Angst, nicht direkt nach ihm suchten, nicht nach irgendjemandem konkret suchten, sondern mal hier hin und mal dort hin gingen und nahmen, was gerade da war. An Plätze, an denen man sich sicher fühlte, lieber als an Orte, an denen man auf das Erscheinen der beiden vorbereitet war.
Dennoch hatte Stein das Gefühl, dass der Tod ihm deutlich näher kam. Die Angst, die ihm offenbar stets vorausreiste, war schon lange da. Der Tod hatte sich die letzten Jahre in fernen Ländern aufgehalten, wo er für Stein mehr ein Gerücht gewesen war als ein konkretes Problem. Aber dann hatte er einige Grenzen überschritten und war Stein bereits deutlich näher und größer vorgekommen. Dennoch war er noch fern genug und die Welt groß genug für beide.

Gut, Stein war auch schon in London gewesen, hatte einen groben Plan der Stadt und seiner Aufenthaltsorte darin vor Augen, aber es war Jahrzehnte her. Doch der Tod setzte auch über den Kanal. Die Plätze, Avenuen und Rues in Nizza und Paris hatten Stein eher theoretisch etwas gesagt. Er wusste, dass sie existierten, wie Kuala Lumpur und Chicago existierten, er wusste auch, dass das Leben dort dem seinen nicht unähnlich war, aber er hatte sie nie gesehen, hatte keine Bilder davon im Kopf, kannte die Entfernungen und Wege nicht- genauso wenig wie in den Ländern fern fern von hier. Dennoch hatte Stein deutlich gespürt, dass die Angst sich bereits in seiner Gegend umsah.

Auch in Berlin war Stein gewesen und er kannte dort tatsächliche Leute, von denen wusste, dass sie zur Arbeit fuhren, ins Kino und Brot kaufen gingen wie er und nicht nur theoretisch existierten wie die Millionen von Londonern und Parisern, von denen er niemanden mit Namen kannte. Aber Steins letzter Berlin-Aufenthalt lag ebenso schon Jahre zurück.

Dann mäanderte der Tod eine Weile, pausierte, probierte, verwarf. Manche glaubten ihn in Rente, andere erkannte seine Launenhaftigkeit. Er tauchte hier auf, zeigte kurz seine Fratze, schickte dort nur die Angst eine Zeit lang randalierend durch die Straßen und sah gelangweilt zu. Er ging in Gegenden, die man nicht erwartete, zog Kreise, markierte sein Revier auf unübersichtliche Art und Weise und fand Gefallen am Versteckspiel und Finten.

Das Problem war, dass Stein so in gewissermaßen genau in der Einflugschneise lebte, das war ihm klar. Hier, so waren alle verhältnismäßig sicher, käme der Tod nicht so schnell vorbei. Zu reizlos, zu wenig spektakulär sei der Ort, so hieß es. Stein war sich nicht sicher, aber doch so sicher wie es mit der Angst im Nacken vertretbar war. Wenn diese Haltung den Tod anlocken sollte, so gab es noch genügend Gegenden, in denen er die Leute eines Besseren belehren konnte.

Und dann kam der Tod und alle waren überrascht Weiterlesen

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„hier!“ -das Festival 2017

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Große Ereignisse werden ihre Schatten voraus… . Stolz darauf, auch selbst dabei sein zu dürfen (siehe unten), darf ich hier einmal einige ganz frische Informationen vom literaturland westfalen weitergeben:

Das Netzwerkprojekt richtet im Spätsommer 2017 ein westfalenweites Literaturfestival unter dem Titel hier! festival. regional. international. aus. Vom 26. August bis zum 30. September 2017 wird eine Vielzahl an Literatur- und Kulturveranstaltern sowie sonstigen literarischen Akteuren Westfalens mit zahlreichen Sonderveranstaltungen die Großregion Westfalen als vielfältige und qualitativ hochwertige Literaturlandschaft präsentieren.

Einige wichtige Programmpunkte stehen auch bereits fest. So wird der Festivalauftakt am 26. August in Kooperation mit den diesjährigen Droste-Tagen mit einem ganztägigen Literaturtag mit mehreren Bühnen auf Burg Hülshoff begangen werden. Vom 1. bis 3. September wird es über ganz Westfalen verteilt ein „Wochenende der Verlage“ geben.

Unter anderem werden folgende regionale, überregionale und internationale Autorinnen und Autoren, Schauspieler und Moderatoren beim Festival hier! auftreten:

Zsuzsa Bánk, Ruth Johanna Benrath, Katinka Buddenkotte, Sandra Da Vina, Jens Dirksen, Wiglaf Droste, Matthias Engels, Sebastian Fitzek, Frank Goosen, Dora Heldt, Sabrina Janesch, Ignacy Karpowicz, Lamya Kaddor, Peter Lohmeyer, Marie-Luise Marjan, Inge Meyer-Dietrich, Sarah Meyer-Dietrich, Zepp Oberpichler, Selim Özdogan, Gisa Pauly, SAID, Denis Scheck, Raoul Schrott, Herbert Somplatzki, Burkhard Spinnen, Sascha Thamm, Thorsten Trelenberg, Oliver Uschmann, Najem Wali, Daniel Wolf, Klaus-Peter Wolf, Feridun Zaimoglu…

Weitere Infos HIER

 

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Literarische Landvermessung in: Bielefeld

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Jetzt ist es amtlich:
Anlässlich des diesjährigen Jahrestreffens des Schriftstellerverbands NRW in Bielefeld werden Thorsten Trelenberg und ich mit unserem heimatabend einer der Programmpunkte sein.
Wir freuen uns sehr über die Einladung!

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Zur Aufführung kommt unsere literarische Landvermessung Weiterlesen

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Sommer/Pausen/Rück-/&/Ausblick

affepurSo, noch zwei Tage- dann geht es ab in den Urlaub. Naturgemäß werde ich das Bloggen, Posten und ähnliches dann erst einmal ruhen lassen…Danach bin ich wieder zu allen Schandtaten bereit, die sich in irgendeiner Weise um die Literatur und Bücher drehen.

Einige Veranstaltungen und Anlässe dieser Art habe ich ja in der ersten Jahreshälfte hier verkünden dürfen. Ich bringe noch einmal in Erinnerung: Ich bin nicht nur les-, sondern auch buchbar!


cover passagenIm Herbst erscheint mein neuer Roman:
Die heiklen Passagen der wundersamen Herren Wilde & Hamsuneine Reise ins 19. und frühe 20. Jahrhundert, entlang der Biographien zweier Portalfiguren der literarischen Moderne: Oscar Wilde und Knut Hamsun, die mehr gemeinsam hatten, als man landläufig meint. Der Roman erscheint in einer gebundenen Ausgabe mit ca. 350 Seiten bei stories & friends. Sprechen Sie mich gerne an. Das Honorar für eine 60 oder 90 Minuten lange Lesung ist Verhandlungssache.

Seit nunmehr 10 Jahren leite ich die Lesekreise der FBS Steinfurt mit stets gut besuchten Kursen in 3 Orten. Wir lesen und besprechen Gegenwartsliteratur und Anderes, befassen uns mit Autor und Werk. Dies kann ich auch für Sie tun! In Steinfurt feierten wir just unser Jubiläum mit dem „Feierabend“
artikel feierabend
Thorsten Trelenberg, hervorragender Lyriker und Vortragskünstler aus Schwerte und ich bieten als „größte Dichter Westfalens“ (zusammen knapp 4 Meter!) zwei verschiedene Veranstaltungen an:

Ein literarisches Menü vom Gruß aus der Küche bis zum Absacker, inklusive launiger Anekdoten…Wir gestalten einen geschmackvollen literarischen Eintopf- gerne nach ihren Vorgaben.

-Einen Heimatabend mit unseren westfälischen und niederrheinischen Heimatgedichten fernab von Löns & Landlust. Zum aktuellen Thema 200 Jahre Westfalen sicher nicht uninteressant. Für ein Butterbrot und ein Pils kommen wir gern und gutgelaunt in Bildungseinrichtungen, Schulen, Büchereien etc….

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Auch mein Vortrag: Staubige Mitbewohner oder: eine Art Paradies, in dem ich Texte der Weltliteratur zu Bibliotheken, Büchersammlungen und Lust wie Frust des Lesens darbiete, stieß unlängst im Rahmen der Festwoche der Stadtbücherei Steinfurt auf großes Interesse. Gerne halte ich ihn auch an anderen geeigneten Orten.
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Weiterhin kann ich auch „Duette“ mit dem Berliner Autoren David Wonschewski anbieten, der mit seinen beiden Romanen Schwarzer Frost und Geteiltes Leid, sowie mit seinem Erzählungsband Geliebter Schmerz derzeit landesweit für Furore sorgt. Der aus Nottuln stammende Wahl-Berliner tritt immer gern in seiner Heimatregion (aber auch überall sonst) auf. David Wonschewskis ausdrucksstarke und besondere Vortragsweise ist ein Erlebnis.

Für alle Veranstaltungen stehen uns und mir begleitende Musiker verschiedener Stile gern zur Seite.

Generell gilt: Fragen kostet nichts! Über Honorare kann man reden.
Wir Schriftsteller fahren gerne Bahn und Bus, freuen uns aber über einen Beitrag zur Reisekasse.
Wir machen kostenlos selbst Marketing und schleifen, wenn es Not tut, auch die Oma mit, damit es nicht so leer aussieht.
Wir sind stets bereit, Sonderwünschen nachzukommen, soweit sie dem guten Geschmack und der freiheitlich-demokratischen Grundordnung entsprechen.

Bei Interesse an einer der genannten Veranstaltungen schreiben sie einfach eine Mail an westlit@web.de, kontaktieren mich hier oder unter dingfest-literatur auf Facebook.

Aber erst einmal: einen schönen Sommer und erholsame Ferien!

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Gedicht, das ich fürchte

gedichtfürchte

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hart an der grenze -Heimatgedicht #7-

 hand_klecksedie kopfweiden von klein auf gekappt
wiesen dennoch in alle richtungen
wir kinder bezahlten mit kieseln vom ufer
daran herrschte nie mangel
unser fußballfeld fiel zum wasser hin ab
an schlechten tagen stand der fluss an der
strafraumgrenze viele unserer unhaltbaren
fuhren von hier aus zur see

der schulhof roch nach kartoffeln
von der fabrik her am stadtrand wenn der wind
günstig stand fiel es nicht schwer zu sagen
sie machten pürree oder puffer man nannte
uns außerorts deshalb nur pippers und knoll
wir fütterten die kühe mit salzlakritz
lachten uns schlapp wenn sie
schaukelnden euters zur tränke trabten

meine großmutter heilte wunden
mit kraut & rüben auf schwarzem brot
dick wie die sohlen unter ihren gummistiefeln
mein großvater schluckte den hering kopfüber
tunkte vor dem kirchgang den finger ins pinneken
bekreuzigte sich schloss den hosenstall und
verschwand bis tief in die rindfleischsuppe
zum frühschoppen im goldenen schwan

meine großmutter sagte mit müh und not
guten tag zu den nachbarn und blieb stumm
sobald mein großvater anwesend war
nur zu silvester baten sie kurz zum sekt
die gute stube schließlich nicht
wie bei hempels und das letzte mal geöffnet
bis ostern doch schon mittags am ersten
ersten grüßte man sich bereits wieder wortlos

mein vater war ein hottentott
von der anderen seite der von uns berg
genannten verwerfung wo er auch stand
war er wenn man die augen zukniff
vorübergehend höchste erhebung
käsköppe sagte mein großvater speichelnd
entriss schmatzend dem karnickel die keule
und verschwand bald mit ss-erwin zum skat

meine mutter nannten die nebel beim namen
die körperlos über den flutwiesen standen
und versprachen das wasser sei herrlich und künftig
zöge sie und nicht mehr alles andere vorbei und
das treibgutsein läge spürbar in ihrem blut
in ihrem nachthemd war sie den wolken ähnlich
die sich senkten als lauschten sie dem tuscheln
der tanten hinter vorgehaltener hand

auch beim tausendsten mal blickt die kuh auf den fluss
trinkt träge daraus und erkennt sich nicht
merkwürdig schief sind die bilder darin und
schräg stehen die stämme der pappeln
man weiß: jährlich steigt der ertrinkenden zahl
denn die strömung ist tückisch im trüben
und der strich unter all das fällt immer zu kurz
und parallel aus zur sich duckenden landschaft

 

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