Archiv der Kategorie:

enden der stunden

dichter

ende

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter -

KLiteratur #1

klit

Jüngst erschien die allererste Ausgabe der neuen Literaturzeitschrift KLiteratur aus Köln zum Thema GOTT. Neben vielen tollen Beiträgen enthält das wunderbar gestaltete Heft auch meinen Text: In Armstrongs Aufzeichnungen keine Engel, damals Titelgedicht meines ersten eigenen Bandes. Mit der Illustration Gianluigi Espositos noch mal schöner! Feines Ding!

klitter

 

 

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter -

was wenn

schreib1

waswenn

 

 

Ein Kommentar

Eingeordnet unter -, prosaisch

Stein & der Tod

gekritzel3

Ich reagiere nicht oft so schnell auf Tagesgeschehen.
Aber am 07.04. war ich in Münster. Die Buchhandlung, in der ich arbeite, liegt nicht sehr weit vom Kiepenkerl. Nur soviel: Der schönste Tag meines Lebens war das nicht.

 

STEIN & DER TOD

Stein war sich sicher. Nein, war er nicht. Er nahm an, vermutete zumindest, dass er dem Tod in diesem Moment am nächsten gewesen war. Oder der Tod ihm. Man weiß es ja nicht, aber ein Gefühl sagte es ihm. Letztlich war es eines der Dinge, bei denen es nicht um Details ging, nicht um die konkrete Zahl der Meter, auf die er dem Tod nah gekommen war oder der Tod ihm, nicht darum, ob er ihn gespürt oder sogar gestreift hatte. Es ging nur darum, dass er ihn nicht direkt getroffen hatte. Alles andere war unerheblich und wäre denen gegenüber, die ihn tatsächlich getroffen hatten, die er getroffen hatte, geschmacklos und anmaßend gewesen.
Stein war sich bewusst, dass der Tod und sein allgegenwärtiger Begleiter, die Angst, nicht direkt nach ihm suchten, nicht nach irgendjemandem konkret suchten, sondern mal hier hin und mal dort hin gingen und nahmen, was gerade da war. An Plätze, an denen man sich sicher fühlte, lieber als an Orte, an denen man auf das Erscheinen der beiden vorbereitet war.
Dennoch hatte Stein das Gefühl, dass der Tod ihm deutlich näher kam. Die Angst, die ihm offenbar stets vorausreiste, war schon lange da. Der Tod hatte sich die letzten Jahre in fernen Ländern aufgehalten, wo er für Stein mehr ein Gerücht gewesen war als ein konkretes Problem. Aber dann hatte er einige Grenzen überschritten und war Stein bereits deutlich näher und größer vorgekommen. Dennoch war er noch fern genug und die Welt groß genug für beide.

Gut, Stein war auch schon in London gewesen, hatte einen groben Plan der Stadt und seiner Aufenthaltsorte darin vor Augen, aber es war Jahrzehnte her. Doch der Tod setzte auch über den Kanal. Die Plätze, Avenuen und Rues in Nizza und Paris hatten Stein eher theoretisch etwas gesagt. Er wusste, dass sie existierten, wie Kuala Lumpur und Chicago existierten, er wusste auch, dass das Leben dort dem seinen nicht unähnlich war, aber er hatte sie nie gesehen, hatte keine Bilder davon im Kopf, kannte die Entfernungen und Wege nicht- genauso wenig wie in den Ländern fern fern von hier. Dennoch hatte Stein deutlich gespürt, dass die Angst sich bereits in seiner Gegend umsah.

Auch in Berlin war Stein gewesen und er kannte dort tatsächliche Leute, von denen wusste, dass sie zur Arbeit fuhren, ins Kino und Brot kaufen gingen wie er und nicht nur theoretisch existierten wie die Millionen von Londonern und Parisern, von denen er niemanden mit Namen kannte. Aber Steins letzter Berlin-Aufenthalt lag ebenso schon Jahre zurück.

Dann mäanderte der Tod eine Weile, pausierte, probierte, verwarf. Manche glaubten ihn in Rente, andere erkannte seine Launenhaftigkeit. Er tauchte hier auf, zeigte kurz seine Fratze, schickte dort nur die Angst eine Zeit lang randalierend durch die Straßen und sah gelangweilt zu. Er ging in Gegenden, die man nicht erwartete, zog Kreise, markierte sein Revier auf unübersichtliche Art und Weise und fand Gefallen am Versteckspiel und Finten.

Das Problem war, dass Stein so in gewissermaßen genau in der Einflugschneise lebte, das war ihm klar. Hier, so waren alle verhältnismäßig sicher, käme der Tod nicht so schnell vorbei. Zu reizlos, zu wenig spektakulär sei der Ort, so hieß es. Stein war sich nicht sicher, aber doch so sicher wie es mit der Angst im Nacken vertretbar war. Wenn diese Haltung den Tod anlocken sollte, so gab es noch genügend Gegenden, in denen er die Leute eines Besseren belehren konnte.

Und dann kam der Tod und alle waren überrascht Weiterlesen

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter -

Literarische Landvermessungen

heimatabend neu

In diesen Zeiten, da das lange Zeit nur mit der Kneifzange angerührte Wort beinahe täglich für irgendwas herangezogen, benutzt und vereinnahmt wird, ohne dass seine Definition für irgendwen letztgültig geklärt wäre, müssten wir mit unserem Programm Heimatabend eigentlich ständig ausgebucht sein….
Denn wir, Thorsten Trelenberg und ich, gehen der Sache literarisch auf den Grund. Eine etwas andere literarische Landvermessung, die in der Vergangenheit bei zahlreichen Auftritten für nachdenkliche Erheiterung und wohltemperierte Unterhaltung gesorgt hat.
Dass wir ein äußerst gutaussehendes und eingespieltes Team sind, sieht man in diesem Künstlerporträt von Radio Kaktus.

Rückblicke, Fotos, Leseproben und anderes hübsches gibt es außerdem auf der programm-eigenen Seite: https://heimatabend.wordpress.com/

 

 

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter -

MEHR! -5 Personen, lachend

 

geese_fly_birds_air-483915

 

5 Personen, lachend

dieser text könnte enthalten:
1 person, sitzend, Innenraum

tag eins der reise
entlang der linien in der hand
der himmel photoshopblau
tätowiert mit vogelsilhouetten
aus dem kalender tropft blut
von jeder einstichstelle ist eine niederlage markiert
und jeder tag hat zwei launische nachbarn
die dinge sind mit dem regal verbunden
und das regal mit der tapete
die tapete ist mit der wand verbunden
und die wand mit der ecke
die tasse ist mit dem tisch verbunden
und der tisch mit dem teppich
der teppich ist mit beton verbunden
und der beton mit stahl
der baum ist mit dem himmel verbunden
der himmel mit dem horizont
der horizont die häuser die hecken die straßen
sind mit dem boden verbunden
und der boden mit dem meer

dieser text könnte enthalten:
1 person, sitzend, innenraum,
tisch und essen

die theoretische möglichkeit, rauszugehen
zwischen häuser die es gestern noch nicht gab
würfelformationen photoshopschwarz
im wind treibendes trockenes laub
auf den wegen klingt wie feiner regen
feiner regen klingt wie die speichen von rädern
die speichen von rädern wie schritte
auf im wind treibenden trockenen laub
deshalb zu hause bleiben
bei den verschlungenen pfaden auf dem tisch
zwischen brot butter marmeladen
die flecken auf der decke photoshop-rot
die canyons zwischen falten und krümelbergen
unberührt und fremd jedem forscherblick
an verkrusteten tassen nippen lippen
fossile krumen buchstabieren nonsens in braille
du lebst vom obstdekor auf den papierservietten
und dem gras: photoshopgrün auf der rückseite
der packung mit der lange verdorbenen milch
ziemlich zielloses dunkeln nun
jede stunde hat einen schrecklichen stammbaum
mit schemen sind die gardinen beschmiert
alle fluchttüren nachtgrau gestrichen
die tapeten bemalt mit möbeln, fenstern
mit schmutzigen gespenstern die nächte behängt
im holz werden die strukturen klarer, tiefer
der mond im rahmen hängt immer schiefer
und verlangt nach bildhaftigkeit und poesie:
aber alle vergleiche scheitern
der mond bleibt
mond bleibt
mond

dieser text könnte enthalten:
10 oder mehr personen, die sitzen, lachend
himmel, wolken, baum, im freien und natur.

Die theoretische möglichkeit, rauszugehen
unter picknickdeckensitzer in parks
eis schleckend in photoshop-pink
ihre externen herzen in der hand
wie blinkende schilde sie machen
bilder von sich selbst
betrachten bilder von sich selbst
zeigen ihrem gegenüber bilder von sich selbst
die diese vergleichen mit bildern von sich selbst
götterkinder mit pfeil- und puma-tretern
glauben sich vorneweg und sprungbereit
glauben an den raubtiergang aber
die einheit für freiheit ist nur definiert
durch den abstand der gitter in metern

die theoretische möglichkeit, rauszugehen
auf der suche nach einer beschäftigung
die keine sucht werden kann und nicht tödlich endet
die schöne neue welt höher aufgelöst
als das real life photoshopbunt: roboter
mit immer gleich weichgezeichneten körpern
demonstrieren stupide hochstimmung
und hingabe höchstens in slowmo genießbar
und tonlos plötzlich von der schönheit zweier
sich im schritttempo passierender
sechstonner an der engsten stelle der strasse
plötzliche faszination für das unrunde
falsch proportionierte und nicht absehbare abläufe
wenn der hintergrund verschwimmt
und die ebenen sich nicht mehr decken
betrachte deinen handrücken
das blatt der topfplanze und die südfrucht
von so nah dass pixel erkennbar sein müssten
und der quellcode aber was bleibt ist
schwarz

……da man nach meinem gestrigen Post nach MEHR! von diesem Langgedicht verlangte…hier noch ein Stück davon. Wer es ganz lesen will, muss dann aber doch die neue Ausgabe der komplex erwerben…

 

 

5 Kommentare

Eingeordnet unter -

komplex #8: unheimlich

 

komplex.jpg

Da ist sie: die neue (8.) Ausgabe der Literaturzeitschrift -komplex- aus Innsbruck.
Das Thema des schicken Heftes ist -unheimlich- und eine komplette Doppelseite enthält mein Langgedicht: 5 Personen, lachend.

Feine Sache!

 

komplex2.jpg

 

 

 

Ein Kommentar

Eingeordnet unter -