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Heikle Passagen in: Bochum

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Kommenden Freitag, 07.06., dürfen Wilde & Hamsun noch mal raus. Gemeinsam mit Hans Ulrich Heuser, der Lyrik lesen wird, gastiere ich mit den beiden Protagonisten meines Romans im Blue Square, Bochum im Rahmen der Ruhrliteraten im Quadrat

Literarische Spurensuche mit Matthias Engels und Hans-Ulrich Heuser

18.00 Uhr
Der Eintritt ist frei

Details gibt es HIER

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Die heiklen Passagen…HOTLIST 2016

hotlistcover passagen

Bis zum 21.08. ist noch Zeit, über die Kandidaten für die hotlist 2016 abzustimmen. Mit im Rennen ist mein biographischer Roman über Oscar Wilde & Knut Hamsun. Jeder Klick (kostenlos, ohne Anmeldung und in Sekunden getätigt) zählt. Ich würde mich freuen.

Mit der Hotlist werden jedes Jahr die besten deutschsprachigen Bücher aus unabhängigen Verlagen gekürt. Ich war schon unglaublich froh, dieses Jahr mit meinen „heiklen Passagen“ nominiert worden zu sein- jetzt ist allerdings eingetreten, womit ich nie gerechnet hätte: das Kuratorium des Wettbewerbs hat meinen Roman für die Kandidatenliste ausgewählt, aus der bis zum 21.08. per Abstimmung die 10 Titel gewählt werden können, die letztlich auf die Hotlist kommen. Direkt zum Wahllokal geht es HIER.

Ich würde mich natürlich riesig freuen, wenn in den nächsten Wochen alle, die meinen Roman gelesen und gemocht haben, dies auch durch ihre Abstimmung kundtäten. Die Konkurrenz ist groß und stark und natürlich geht es neben der Qualität auch darum, wer seine Anhänger am besten motivieren kann. Drei Plätze auf der Liste werden aus den Stimmen der Leser vergeben- ich wäre selbstredend seeeeehr gerne dabei….

aniosca

 

Deshalb HIER  noch einmal die ausführliche Leseprobe zu meinem Roman.
Und einige Presse- und Leserstimmen:

„Matthias Engels ist anhand des konkreten Beispiels zweier ungleicher wundersamer Herren ein überzeugendes und unterhaltsames literarisches Parallelportrait des Künstlers als junger, nicht mehr ganz so junger und – im Falle Hamsuns – steinalter Mann gelungen. Ein Buch für Literaturbegeisterte und Bibliophile.“
(C) Anton Goldberg | indieautor.wordpress.com [Lesen]

„Ein alter Passagierdampfer. Dahinter zahlreiche Segel von anderen Schiffen vor einem Himmel, der aussieht wie vergilbtes Papier. Die ersten Assoziationen von Abenteuer und Entdeckergeist, historischer Romantik und Realität werden nicht enttäuscht werden: Matthias Engels legt mit Die heiklen Passagen der wundersamen Herren Wilde & Hamsun einen ansprechenden (literatur-) historischen Roman vor. Gut recherchiert, gut arrangiert.“
(C) Lisa Viktoria Niederberger & Josef Kirchner | Mosaik [Lesen]

„Matthias Engels liefert mit seinem Roman ein Zeitzeugnis, in dem Realität und Fiktion ineinanderfließen … Eine umfangreiche Recherche-Arbeit muss dem unweigerlich vorausgegangen sein. Es sind ebensolche Quellen, mit denen das Geschehen glaubhaft untermauert und die damalige Zeit lebendig wird.“
(C) Annette Traks | http://www.annette-traks.com [Lesen]

„Matthias Engels bringt beide großen Autoren in einem wunderbaren Roman zusammen. (…) Dabei widmet sich Engels nicht nur dem Aufstieg und dem Fall, sondern auch dem Liebesleben beider “wundersamer Herren”. Der gelernte Buchhändler und heute in Westfalen beheimatete Autor von Romanen und Gedichten lässt auch die damalige Zeit lebendig werden. Er beschreibt die Neue Welt mit ihrer rasanten Entwicklung, an der die Erfindung der Glühbirne und des Telefons sowie der Bau der Eisenbahn maßgeblichen Anteil haben.“
(C) Constanze Matthes | http://www.zeichenundzeiten.com [Lesen]

„Ein biographischer Roman, der mit Fakten spielt und ein lesenswertes Panorama der damaligen Zeit und Literatur beschreibt. Der Roman erzählt episodenhaft und kurzweilig aus den stets wechselnden Perspektiven der Protagonisten, die sehr gegensätzlich waren und gänzlich andere Lebensweisen hatten. … „Die heiklen Passagen der wundersamen Herren Wilde & Hamsun“ ist eine lohnenswerte Reise.“
(C) Hauke Harder von der Buchhandlung Almut Schmidt | Leseschatz [Lesen]

„Das so hautnahe Miterleben zweier außergewöhnlicher Männer der Feder empfindet man als schmerzlich, was für Matthias Engels spricht, der in ausdruckstarker und gereifter Sprache mit diesem Buch eine würdige Reminiszenz an Wilde und Hamsun geschaffen hat.“
(C) Daniela Loisl | histocouch.de [Lesen]

„… Nie hat man das Gefühl, einer ganz großen Sache auf der Spur zu sein. Stets sind es die kleinen Dinge, die Engels in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit stellt. … Das große Ganze sieht man erst im Nachhinein. Und so ergeht es auch dem Leser, der erst auf den letzten Seiten begreift, wie Engels den Bogen schlägt, der beide Wege verknüpft. Erzählt wird nicht nur die Geschichte zweier ungleicher Dichter, es ist auch der Abschied von einer vergangenen Epoche, ein Zeitenwandel, dem das Ende des zweiten Weltkriegs einen donnernden Schlussakkord verpasst, bevor eine neue Zeit beginnen kann.“
(c) Theresa Link | Blog [Lesen]

„Es gibt sie also noch. Neuerscheinungen, die wie funkelnde Sterne den Bücherhimmel erleuchten. Eine Bereicherung für jeden Bücherschrank …“
(C) Lyriker Thorsten Trelenberg | histo-couch [Lesen]

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Die rätselhaften Dokumente des Mr. O.W.

In der Tribune vom 04.06.1906 berichtete Robert Ross, Oscar Wildes Freund und Testamentsvollstrecker:

„Im April 1895 beauftragte mich Wilde, in seine Wohnung zu gehen und von seinen sämtlichen unveröffentlichten Manuskripten Besitz zu ergreifen. Er war nämlich bankrott erklärt worden und saß schon in Untersuchungshaft. …Ich entdeckte, dass die „Florentinische Tragödie“, die Niederschriften zweier anderer unveröffentlichter Stücke … und die erweiterte Fassung des Essays „Das Porträt des Herrn W.H.“ rätselhafterweise verschwunden waren. Jemand muss vor mir da gewesen sein.“

Und tatsächlich gab es immer wieder Rätsel, Unklarheiten und Wunderliches um einzelne Werke des Dandys aus Dublin.
Die beiden weiteren Dramen, die Ross in obigem Bericht als gestohlen vermutete, waren Die Herzogin von Padua und Die heilige Buhlerin. Vom ersten existierte gottlob bereits eine schriftliche Fassung für die Bühne, das Manuskript des zweiten wurde 1897 von einem Freund Wildes in einem Londoner Antiquariat gefunden, für wenig Geld erworben und zu seinem Verfasser geschickt, der sich mittlerweile im Pariser Exil befand.

Die Florentinische Tragödie blieb verschollen- bis Wilde sich mitten im Trubel um seinen Prozess, seine öffentliche Schmähung und seinen finanziellen Ruin, an eine frühere Fassung erinnerte. Wiederum ließ er Ross danach suchen, der sie letztlich unter alten Aufzeichnungen fand, unvollständig und unbeendet, aber dennoch.
Dies alles geschah in den turbulenten Tagen rund um Wildes Verhaftung.

oscarwildesalelargeNur wenig später,  am 24. April wurde Wildes gesamter Besitz öffentlich und in Anwesenheit der Ehefrau Constance versteigert, um Geld locker zu machen. Von Wildes umfangreicher Bibliothek über die Kunstgegenstände bis zum Zinnsoldaten der Söhne und den Nachttopf kam alles unter der Hammer.
Im Verlauf dieser Versteigerung gab es zahlreiche Diebstähle, aus reiner Gier oder aus dem hehren Antrieb einiger Bewunderer, wenigstens ein paar persönliche Dinge zu „retten“. Es wurde -Anwesenden zufolge- auch wahllos in Papieren gewühlt und -wer weiß- es könnten Manuskripte darunter gewesen sein.

Die Vorstellung ist sicher reizvoll und vielleicht befeuerte sie auch manch spätere Spekulation.

CollinCravanWildes Neffe, Fabian Avenarius Lloyd, der unter dem Namen Arthur Cravan bekannt wurde und heute als DADA-Pionier verehrt wird, war für jede aufsehenerregende Aktion zu haben. Nicht nur trug er einen Boxkampf gegen den ehemaligen Schwergewichts-Weltmeister Jack Johnson aus, den er verlor, aber mit dem Kampfgeld seine Überfahrt nach New York finanzierte- 1913 veröffentlichte er einen Artikel,  in dem er angab, sein Onkel Oscar habe ihn in Paris besucht. Er erfreue sich bester Gesundheit und sei seit seinem vorgetäuschten Tod durch Indien und Indonesien gereist.

cravanDem Pariser Korrespondenten der New York Times war dieser Bericht eine Recherche und einen großen Artikel wert, in dem behauptet wurde, es gäbe niemanden, der Wildes Leiche gesehen habe. Aus dem Artikel vom 09.09.1913:
Auf unsere Bitte hin sprach unser Korrespondent er mit Arthur Cravan, dem Neffen des Dichters, und nach seiner Rückkehr gab er folgende Auskunft: „Ich bin fast überzeugt, dass Cravan Recht hat und Oscar noch unter den Lebenden ist. Er erzählte, dass Wilde ihn am 23.3. diesen Jahres in seinem Apartment besucht habe und einige Stunden geblieben sei. Ein Imitator sei es unzweifelhaft nicht gewesen. Laut Cravan ist er jetzt ziemlich kahl und das Haar, das noch verbleiben ist, sei weiß. Außerdem hab er sich einen langen Bart wachsen lassen. Sein Teint sei bronzen, das sei den südlichen Ländern geschuldet, in denen er sich seit seinem Verschwinden aufgehalten habe. Auf alle meine Einwände hatte Cravan eine Antwort parat. Ich bin mir beinahe sicher, dass wir eines Tages Oscar Wilde in Paris wiedersehen werden.

Cravan legte schließlich nach und behauptete, im Grab seines Onkels befänden sich keineswegs dessen Überreste, sondern vielmehr zwei unveröffentlichte Manuskripte. Er wette 500 Dollar darauf, aber die französische Regierung schlug die Wette aus und verweigerte eine Exhumierung.

Cravan selbst ging, nach einer Begegnung mit Leo Trotzki nach Mexiko, betrieb eine Boxschule und absolvierte noch mehrere Kämpfe. 1918 kehrte er von einer Bootstour nicht zurück. Seine Leiche wurde nie gefunden und obwohl er 1920 für tot erklärt wurde, hielten sich auch hier Gerüchte über sein Weiterleben im Geheimen.

Und dann ist da -andersherum- noch der Roman Teleny, der heute unter Wildes Namen erscheint. 1893 anonym in einer Auflage von nur 200 Exemplaren in London herausgegeben, ist Wildes Autorschaft hier bis heute nicht gesichert. Die Vermutung, die homoerotische Liebesgeschichte stamme von Wilde, geht auf den Buchhändler Charles Hirsch zurück. Dieser arbeitete in der Librairie Parisienne, wo er  für mehrere Freunde Wildes zuständig, die allesamt Exemplare des Manuskriptes erhielten, was Hirsch aufhorchen ließ.  Eine Durchsicht zeigte mehrere unterschiedliche Handschriften, von denen eine der Handschrift Wildes glich. Hirsch vermutete daraufhin, dass Wilde das Manuskript gemeinsam mit Freunden verfasst hatte oder zumindest für die endgültige Druckversion verantwortlich zeichnete. Geklärt ist das nicht.  Erst 1966 erschien der Roman unter dem Namen Oscar Wilde, allerdings in einer zensierten Version.

So bleibt ein vorhandenes Wilde-Buch so rätselhaft wie einige Verlorengeglaubte oder nie Geschriebene und viel Nebulöses um den undurchschaubaren Dandy. Da liegt es nahe, zu spekulieren und ihm allerlei zuzutrauen.
Es gibt nicht umsonst sogar eine Krimi-Reihe mit ihm als Hauptfigur und auch ich beschäftige mich erneut mit ihm.
Nach meinem im Herbst erschienenen Roman: Die heiklen Passagen der wundersamen Herren Wilde & Hamsun, in dem einiges des oben geschilderten erzählerisch auftaucht, verarbeite ich derzeit für eine Anthologie die zahlreichen mysteriösen Todesfälle im Dorian Gray als Persiflage auf den klassisch englischen Krimi.

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Die heiklen Passagen der wundersamen Herren Wilde & Hamsun

Gebundene Ausgabe: 448 Seiten
Verlag: Stories u. Friends
ISBN-13: 978-3942181846
19,90 €

 

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„Die heiklen Passagen…“ Rezension von Sophie Weigand

 

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Im Mai rezensierte Sophie Weigand meinen Roman: Die heiklen Passagen der wundersamen Herren Wilde & Hamsun auf ihrem Blog: literatourismus.net.  Wie ihr schon mitbekommen haben werdet, ist mein Buch Kandidat für die hotlist 2016. Aus diesem Grunde möchte ich die Besprechung hier noch einmal in ihrer Gänze bringen- für diejenigen, die vielleicht noch unschlüssig sind, ob sie mir im hotlist Wahllokal ihre Stimme geben möchten- oder auch einfach so.

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Sowohl Oscar Wilde, Dandy und Ästhet, als auch Knut Hamsun, unbekannter Norweger, besteigen um 1881/1882 ein Passagierschiff nach Amerika. Während Wilde als Vortragsreisender die Herzen der modernen Städter im Sturm erobert, verläuft Hamsuns Suche nach einer Arbeit nicht eben erfolgreich. Niemand kennt ihn, niemand hat auf ihn gewartet. Matthias Engels‘ collageartiger Roman um zwei Schwergewichte der Literatur versteht charmant zu unterhalten.

Manch einem Buch gelingt es schon auf den ersten Seiten, Stimmung zu kreieren als rollte ein Kulissenarbeiter im Hintergrund mal eben die richtige Atmosphäre ins Blickfeld. Die heiklen Passagen der wundersamen Herren Wilde und Hamsun ist so ein Buch. Mittels detailgenauer Beschreibungen und einem etwas barocken Erzählstil katapultiert Matthias Engels seine Leser nicht nur ins ausgehende 19. Jahrhundert, sondern jeweils an die Seite zweier Herren, von denen wir heutzutage alle gehört haben. Einer, Oscar Wilde, seines extravaganten Auftretens wegen in der Heimat bereits hinlänglich bekannt, wird auf amerikanischem Boden sofort von Reportern überrannt. Seine Vorträge über Ästhetik und Kunst sind ein Publikumserfolg, jedenfalls in den großen Städten. Im ländlicheren und kleinstädtischen Amerika verfängt seine Exaltiertheit nicht. Dort wird auch ein Oscar Wilde mit voller Haarpracht und einem Pelzmantel noch skeptisch beäugt. Doch darüber hinaus ziert sein Gesicht beinahe jede größere Tageszeitung.

Jeder kannte sein merkwürdig verzerrtes Spiegelbild und hielt es für echt und er selbst musste zugeben, dass es ihm außerordentlich gut gefiel und er es gern zur Marke trug. Nur die Oberfläche war schließlich interessant und alle Kunst Oberfläche. Wer darunter schaute, tat das auf eigene Gefahr.

Ganz anders: Knut Hamsun, der, zu diesem Zeitpunkt noch ohne Pseudonym und Nobelpreis, einfach als Knud Pedersen amerikanischen Boden betritt. Er kommt nicht mit einer Dienerschaft und großen Aufträgen, auf Knud aus Norwegen hat niemand gewartet. Eigentlich will er mit Journalisten sprechen, sich einen Namen machen, wenigstens einen Job finden. Sein Bruder hatte ihm Amerika in den schillerndsten Farben geschildert. Als Knud ihn nun besucht, findet er einen enttäuschten Säufer vor, auf den niemand sich mehr verlassen will. Der norwegische Gast mit Schriftstellerambitionen pendelt von einem Gelegenheitsjob zum nächsten und kommt seinem Traum keinen Millimeter näher. Eine niederschmetternde ärztliche Diagnose zwingt ihn zunächst zur Rückkehr nach Norwegen. Er ist, jedenfalls zu diesem Zeitpunkt, Wildes Gegenentwurf; ein Antiheld, dem man wegen seines fortgesetzten Misserfolgs nur umso mehr Erfolg wünscht.

Ein Grund, weshalb Engels‘ Roman eine so rasante Sogwirkung entfaltet, sind u.a. die kleinen Exkursionen, die er in die logbuchartigen Aufzeichnungen der Reisen Wildes und Hamsuns einstreut. Dabei geht es um Thomas Edison und die Erfindung der Glühlampe sowie dessen Mitarbeit an einem stabilen Stromnetz, das viel zu dem Gefühl beitrug, New York schliefe niemals. Es geht um P.T. Barnum, einen Zirkuspionier und stadtbekannten Märchenerzähler mit einem Hang zum Kuriosen und Gigantischen – so ließ er 1882 den riesigen Elefantenbullen Jumbo aus dem Londoner Zoo nach New York verschiffen. Am Rande zur Kenntnis gebracht werden den LeserInnen auch die Verhandlungen über den Greenwich-Nullmeridian (äußerst zäh) und die Abhandlungen des irischen Chirologen „Cheiro“ (eigentlich: William John Warner), der Oscar Wilde nach der Sichtung seiner Hände ein böses Schicksal voraussagte (äußerst dubios). Manches hat Engels erfunden, anderes dehnt und formt er zu seinen Gunsten. Am Ende entsteht ein Panorama, das ein weit umfassenderes Bild abgibt als nur biographische Eckdaten Wildes und Hamsuns.

Amerika war das lauteste Land, das je existiert hat. Man wachte morgens nicht vom Gesang der Nachtigall auf, sondern von der Dampfpfeife.

Engels ist dort wirklich überzeugend, wo die Collagetechnik aus Zitaten, Zeitungsartikeln und mehr oder minder verbürgten Anekdoten nicht allzu augenfällig ist. Dort, wo ein Dialog mit Oscar Wilde nicht klingt wie eine lose Aneinanderreihung seiner Aphorismen. Meistens glückt das Wagnis, manchmal wirkt Wilde hölzern und leblos. Als wollte mir jemand einen Charakter erklären, statt ihn zu zeigen. Bisweilen ist der Roman Qualitätsschwankungen unterworfen, die zu ärgerlichen Fehlern führen. Dort liest er sich plötzlich stockend als sei Sand ins Erzählgetriebe geraten: „Er hatte trotzdem feine Gesichtszüge und ein ziemlich intelligentes Gesicht.“ Ein Satz, den man besser redigiert hätte. Sätze wie „Danach verspürte sie den heftigen Wunsch, den Autoren (sic!) kennenzulernen„, „Sie ging zum Hotel, nachdem sie anlegt hatten“ oder „ein gewisser Odeur“ schmälern auf halber Strecke das Vergnügen. Allerdings sind solche Schnitzer eher dem Lektorat anzulasten als Matthias Engels selbst. Sieht man davon ab, ist Die heiklen Passagen der wundersamen Herren Wilde & Hamsun ein vergnüglicher und stimmungsvoller Roman, der seine Hauptakteure bis an ihr Ende begleitet. Oscar Wilde landet bekanntlich wegen Unzucht einige Jahre in Haft und stirbt 46-jährig vereinsamt in Paris. Knut Hamsun erreicht ein hohes Alter, wird 1920 mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichnet und unterstützt die nationalsozialistische Politik. Von Goebbels, der Hamsun sehr schätzte, wurde diesem gar eine Audienz auf dem Obersalzberg gewährt. Beide, Wilde wie Hamsun, bleiben streitbare Gestalten; Menschen mit Ecken und Kanten, die ihnen im verklärenden Licht der Rückschau gelegentlich glattgeschliffen werden. Matthias Engels ist ein unterhaltsamer und lebendiger Roman geglückt, der Lust macht auf Wilde und Hamsun.

Matthias Engels: Die heiklen Passagen der wundersamen Herren Wilde & Hamsun
Stories & Friends,
448 Seiten
19,90 €

Soweit Sophie Weigands ausführliche Rezension meiner „Passagen“ auf ihrem Literaturen- Blog.  HIER geht es zum Original. Noch einmal vielen lieben Dank dafür!

 

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Passagen hotlist Presse

Okapi-Gmbh-Marktforschung-Feldarbeit-Bleistift
Auch die Westfälischen Nachrichten von heute widmen sich der hotlist und meinen Passagen….ich freue mich über jede Stimme für den Roman, mich und den Verlag STORIES & FRIENDS. Zur Liste und zur Abstimmung: bitte HIER entlang…..
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Heute vor 121 Jahren: Oscar Wildes Prozess

 

Am 4. April 1895, heute vor 121 Jahren, titelte The San Francisco Call:
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Es waren die Tage, in denen Wildes selbst angestrengte Verleumdungsklage gegen den Marquess von Queensberry  in einen Prozess gegen ihn selbst umschlug.

Nach dem damals noch recht neuen Criminal Law Amendment Act,  der Beziehungen zwischen Männern unter Strafe stellte, wurde der Dichter nun angeklagt und später zu zwei Jahren Zuchthaus verurteilt.oscar-wilde-trial2

Während des Prozesses verlas man Ausschnitte aus Dorian Gray  und fragte ihn , ob es in seinen Augen ein unmoralisches, „sodomitisches“ Buch sei.- Wildes Antwort darauf ist berühmt und oft zitiert worden.
Im Folgenden wurde der Dichter nun gefragt, ob er sich vorstellen könne, dass sehr viele seinen Roman aber durchaus für unmoralisch hielten. Und Wilde, der alle Beschuldigungen und Fangfragen bis dahin mit Witz und Charme hatte parieren können, der sogar Szenenapplaus vom Publikum der Verhandlung erhalten hatte, antwortete:

„Die Kunstanschauungen der Philister zählen doch nicht: Sie können mich nicht fragen, welche Fehlinterpretation meines Werkes die Ignoranten und die Dummen hineinlesen könnten. Das betrifft mich nicht. Ich schere mich nicht im Geringsten darum, was andere Leute darüber denken.“

Was all dem im Einzelnen vorausging und was im Weiteren geschah, weiß man ohnehin- oder liest es in meinem aktuellen Roman nach:
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Die heiklen Passagen der wundersamen Herren Wilde & Hamsun

448 Seiten
Stories u. Friends
ISBN: 978-3942181846

 

 

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„Die heiklen Passagen..“ in Bild & Ton

Einen kleinen Eindruck von der Premiere der „heiklen Passagen“ am vergangenen Freitag kann man nun auch in bewegten Bildern gewinnen. Hier die allerletzte Szene des Romans: Hamsuns letzte Stunden. Viel Spaß!

Vielen Dank an Herrn Nolting, der den gesamten Abend festhielt.

Wunderbar begleitet von Nanni Nolting mit Erik Saties: Gymnopedie
Morgen gibt`s noch einen Schnipsel davon…

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