Dinçer Güçyeter: Aus Glut geschnitzt -eine Art Rezension

ausglut.png

Ich habe Stimmen gehört- sehr viele unterschiedliche Stimmen und Töne. Sie alle gehören dem Dichter Dinçer Güçyeter.

In dessen eigenem Elif Verlag erscheinen die reizvollsten neuen Stimmen der deutschen Gegenwartslyrik sowie internationale Entdeckungen in Übersetzung. So steht der Verleger Dinçer Güçyeter ständig in einem poetischen Stimmengewitter und mein Eindruck sagt, er dirigiert es mühelos und mit großer Freude.
Aus Glut geschnitzt, der 2017 erschienene eigene Band des Dichters Güçyeter zeigt nun, wie all diese Töne durch ihn hindurchgehen, sich in Eigenes verwandeln, Echos finden und Widerhall.
Die Gedichte im Band sind äußerst abwechslungsreich, lang kurz, zart und rau; eben denkt man, man habe sich den Ton des Dichters erschlossen, da folgt bereits ein weiterer. Und die Stimmen überlagern sich. Dinçer Güçyeter findet strukturelle Mittel, die ihm ein vielfältiges, buntes Sprechspiel und lyrisches Selbstgespräch ermöglichen. Die Stimmen überlagern sich, kommentieren sich selbst; in Prologen und Fußnoten, in Kursiv gesetzten Einschüben. Dies bleibt stets bereichernd und spielerisch und der Leser dabei nicht ratlos auf der Strecke.

Es scheint nicht verwunderlich, wenn man erfährt, dass der Dichter und Verleger zusätzlich über Erfahrung als Schauspieler verfügt. Es scheint, als spiele –besser: verkörpere- Dinçer Güçyeter auch in seinen Texten zahlreiche Rollen, glaubhaft und mit großem Geschick. Als seien sie ihm eine Bühne für sein ganz persönliches Stück, mit ihm in allen Rollen perfekt besetzt. Er ist der modernen Lyriksprache mächtig, scheut aber –anders als viele Kollegen- die Emotion und das Pathos nicht, was diesen Band extrem bereichert. Aus Glut geschnitzt ist opulent und bunt, nachtschwarz und herzblutrot.

Es wäre an sich nicht erwähnenswert- trüge es nicht zur besonderen Mischung der Geschmacksrichtungen in diesem Bande bei: Dinçer Güçyeter ist türkischer Niederrheiner oder auch niederrheinischer Türke. In Nettetal geboren –nicht gerade dem Epizentrum der lyrischen Moderne- beherrscht er sowohl den rheinisch-heiteren Ton als auch diesen speziellen dumpftrockenen des Niederrheins- wo die düsteren Brüter hausen, schrieb einmal Jemand über diese Region…
Aber da sind eben doch auch die Wurzeln: das Orientalische, Märchenhafte, Üppige. Güçyeter ist all diesem und den Traditionen, der Kultur seiner Eltern und Großeltern heftigst verpflichtet und greift gern und oft darauf zurück. Er wird dabei aber nicht zur männlichen Scheherazade oder zum folkloretauglichen Märchenonkel, sondern bezieht, glasklar und sprachmächtig, Position zu gegenwärtigen türkischen Befindlichkeiten in der Heimat und hier.

Aus Glut geschnitzt hat viele Zutaten- welche davon besonders hervor schmeckt, wird schnell klar: die Liebe. Da ist der liebevolle Vater, der liebende Sohn, der Gatte. Dazu kommt diese riesengroße Liebe des Autodidakten Güçyeter zur Lyrik, die in diesem Band jederzeit spürbar ist. Die Lust am Wort, am Spiel und am reinen Klang. Dinçer Güçyeter traut sich noch, zu besingen; mit seinen Worten Situationen und Personen zu preisen und zu verklären- und dies wird nie peinlich, weil echte Emotion eben nie peinlich ist. Er vermag zu analysieren, zu zerlegen und zu hinterfragen- aber er weiß auch, Schönes einfach mal als solches stehen zu lassen.

Dinçer Güçyeter ist ein Dichter der Menschlichkeit und der Liebe. Tief verwurzelt in verschiedenen Traditionen und in der Moderne mühelos zu Hause. Aus Glut geschnitzt selbst ist zum Versinken weich und warm, dabei zum Verbrennen heiß und messerscharf.

Dinçer Güçyeter: Aus Glut geschnitzt
ELIF Verlag, Nettetal, 2017
ISBN 9783946989097
112 Seiten, 18.00€

 

2 Kommentare

Eingeordnet unter -, Rezensionen

Zum Welttag der Poesie:

..ein kleiner Clip, für meinen 2012 erschienenen Gedichtband produziert- und immer noch nett. Auch das Bändchen mag ich noch- war es doch immerhin meine erste Lyrikpublikation…
Cover_Armstrongs_Matthias_Engels_perspektiv

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter -

News für den Juni!

Umschlag Matthias Engels.jpg

Meiner und der Name des Säulenheiligen Numero uno auf EINEM Umschlag?-
How come? Qué pasa? Jak to může být?- News für den Juni!

 

2 Kommentare

Eingeordnet unter -

Ostragehege #87

Okapi-Gmbh-Marktforschung-Feldarbeit-Bleistift

Post aus Dresden: heute erreichte mich das Belegexemplar der neuen Ausgabe der Zeitschrift OSTRAGEHEGE. Sehr schön wieder, das Ganze!

Neben großartigen Texten von u.a. Elke Erb, Lütfiye Güzel und Ann Cotten finden sich auf Seite 50 meine beiden Gedichte Selbstporträt mit VerwandtenHerbstschritt.

Sehr sehr fein!
Vielen Dank an die Redaktion!

 

 

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter -

sunday poem

 

wohnberechtigt

 

 

 

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter -

Vorerst letztmalig: Heimat-Anthologie

Heimat-Gestickt-1

Im Oktober zu Einsendungen aufgerufen.
Am 15. Februar das Postfach geschlossen:
letztlich können wir 250 Einsendungen aus 27 Nationen und in 13 Sprachen vermelden.
Eine unglaubliche Resonanz und sehr hohe Qualität!

Am vergangenen Freitag dann: eine ganztägige Sitzung mit Sichtung von gut 650 Texten.
Es war nicht einfach. Geblieben sind 155 Autoren mit 218 höchst abwechslungsreichen und spannenden Texten.

Die Zu-und Absagen sind zum größten Teil raus.
Wer eingesendet hat, schaue bitte in sein Mail-Postfach.
Vielen Dank an alle Einsender. Wir freuen uns auf die weitere Arbeit mit den Auserwählten. Wer es nicht geschafft hat, hege bitte keinen Groll!
Es ist NIE genug Platz für alle, so leid es uns tut.

Nun geht es weiter mit Korrekturen, Lektorat etc.
Das Ergebnis wird umwerfend- ich bin mir sicher.

Stay tuned!

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter -

Einsendeschluss -Heimat-

dichter

Das war`s:
fast genau 250 Einsendungen aus 27 Nationen, in 13 verschiedenen Sprachen.
An die 20 preisgekrönte Autoren und/oder Texte. Viele sehr bekannte Namen und ein Nobelpreis-Kandidat darunter.

Im Durchschnitt 3 Texte pro Einsender- macht gut 750 Texte.
Zu erledigende und organisierende Übersetzungen aus dem Englischen, Niederländischen, Arabischen, Albanischen, Ungarischen und und…

Wir haben gut zu tun.
Unsere Redaktionssitzung am Freitag wird ein Kraftakt und eine Kaffee-Orgie werden.
Im Augenblick schwirrt mir der Kopf- so viele Texte, bei denen man vor Ehrfurcht verstummen mag und so viel unerwartet Interessantes.

Heimat- offenbar ein Thema, an dem sich Kreativität und Poesie entzünden.
Hier schon mal meinen ganz persönlichen Dank an alle Einsender, Verbreiter und tatkräftigen Unterstützer des Projekts.

Bald mehr…hier, in diesem Theater.

 

 

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter -