Böll-Preis

gießkanne

Kommenden Sonntag, 24.06.2018, wird dem Bielefelder Verein „Garten-Kultur-Verein(t) Sieker“ der 14. Initiativ- und Ideenpreis „Der Heinrich“ überreicht. Der Preis der Heinrich Böll Stiftung Nordrhein-Westfalen zeichnet jährlich innovative Projekte aus Nordrhein-Westfalen aus, um für „beachtlich Geleistetes“ Aufmerksamkeit zu schaffen.

Die Bewohner*innen der Großsiedlung in Bielefeld Sieker sind überwiegend Migrant*innen aus unterschiedlichen Herkunftsländern und Kulturkreisen. Im Rahmen des neuen „Sieker Parks“ kam der Gedanke auf, auf den ehemaligen Brachflächen zu gärtnern. Seit 2015 arbeiten die Vereinsmitglieder nun auf ihren derzeit 39 Gartenparzellen, die per Losverfahren vergeben wurden, zusammen. So begegnen sich Zaun an Zaun Türken und Kurden, Marokkaner, Somalier und Deutsche. Im Verein lernen sie die Vereinsform als gelebte Demokratie kennen und schätzen. Das Wohnumfeld hat sich durch diese Zusammenarbeit und bewirtschaftete Grünfläche stark verbessert, die Nachbarschaft ist mehr zusammengewachsen, der Kontakt untereinander gewachsen.
bielefeld_sieker

Auf Wunsch des Vereines und durch die Vermittlung des VS NRW durften Kollege Jürgen Flenker und ich in den vergangenen Wochen in mehreren Workshops ein kleines literarisches Programm erarbeiten, das wir im Rahmen der Preisverleihung am Sonntag mit den TeilnehmerInnen darbringen werden. Einige sehr schöne, von den Mitgliedern selbst verfasste Texte sind dabei entstanden. Auch unsere eigenen Eindrücke und passende Texte anderer Autoren werden dabei sein.
Eine sehr interessante Arbeit und Erfahrung mit einem wirklich beeindruckenden und preiswürdigen Projekt..

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Kafka statt Kippen

Umschlag Matthias Engels

Von heute an bis zum 14.08. findet man meine Kurzgeschichte Kafka zu Haus in einigen ausgewählten Automaten der wunderbaren Literaturautomaten.
Seit nunmehr 10 Jahren gibt es dort für 2€ Lyrik, Poesie, Kurzgeschichten — von bekannten und unbekannte Autorinnen und Autoren, die nicht nur einen selbst, sondern auch Andere erfreuen. Alle acht Wochen werden die Automaten mit frischem Textmaterial gefüllt. Alle Texte kommen in einer hübsch gestalteten Schachtel daher- ein feines Sammelobjekt.

Meine Geschichte ist ziehbar in den Apparaten in:
Krefeld (Lentz)
Düsseldorf (zakk & Butze & Goethe-Museum)
Stuttgart (Merlin)
Wuppertal (Börse)
Leipzig (Kupfersaal)
Dresden (Scheune)
Bochum (Hochschule)

Wer also an einem der genannten Orte vom schnellen Hunger auf Literatur überwältigt wird…nur zu und guten Appetit!

 

 

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enden der stunden

dichter

ende

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KLiteratur #1

klit

Jüngst erschien die allererste Ausgabe der neuen Literaturzeitschrift KLiteratur aus Köln zum Thema GOTT. Neben vielen tollen Beiträgen enthält das wunderbar gestaltete Heft auch meinen Text: In Armstrongs Aufzeichnungen keine Engel, damals Titelgedicht meines ersten eigenen Bandes. Mit der Illustration Gianluigi Espositos noch mal schöner! Feines Ding!

klitter

 

 

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was wenn

schreib1

waswenn

 

 

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Stein & der Tod

gekritzel3

Ich reagiere nicht oft so schnell auf Tagesgeschehen.
Aber am 07.04. war ich in Münster. Die Buchhandlung, in der ich arbeite, liegt nicht sehr weit vom Kiepenkerl. Nur soviel: Der schönste Tag meines Lebens war das nicht.

 

STEIN & DER TOD

Stein war sich sicher. Nein, war er nicht. Er nahm an, vermutete zumindest, dass er dem Tod in diesem Moment am nächsten gewesen war. Oder der Tod ihm. Man weiß es ja nicht, aber ein Gefühl sagte es ihm. Letztlich war es eines der Dinge, bei denen es nicht um Details ging, nicht um die konkrete Zahl der Meter, auf die er dem Tod nah gekommen war oder der Tod ihm, nicht darum, ob er ihn gespürt oder sogar gestreift hatte. Es ging nur darum, dass er ihn nicht direkt getroffen hatte. Alles andere war unerheblich und wäre denen gegenüber, die ihn tatsächlich getroffen hatten, die er getroffen hatte, geschmacklos und anmaßend gewesen.
Stein war sich bewusst, dass der Tod und sein allgegenwärtiger Begleiter, die Angst, nicht direkt nach ihm suchten, nicht nach irgendjemandem konkret suchten, sondern mal hier hin und mal dort hin gingen und nahmen, was gerade da war. An Plätze, an denen man sich sicher fühlte, lieber als an Orte, an denen man auf das Erscheinen der beiden vorbereitet war.
Dennoch hatte Stein das Gefühl, dass der Tod ihm deutlich näher kam. Die Angst, die ihm offenbar stets vorausreiste, war schon lange da. Der Tod hatte sich die letzten Jahre in fernen Ländern aufgehalten, wo er für Stein mehr ein Gerücht gewesen war als ein konkretes Problem. Aber dann hatte er einige Grenzen überschritten und war Stein bereits deutlich näher und größer vorgekommen. Dennoch war er noch fern genug und die Welt groß genug für beide.

Gut, Stein war auch schon in London gewesen, hatte einen groben Plan der Stadt und seiner Aufenthaltsorte darin vor Augen, aber es war Jahrzehnte her. Doch der Tod setzte auch über den Kanal. Die Plätze, Avenuen und Rues in Nizza und Paris hatten Stein eher theoretisch etwas gesagt. Er wusste, dass sie existierten, wie Kuala Lumpur und Chicago existierten, er wusste auch, dass das Leben dort dem seinen nicht unähnlich war, aber er hatte sie nie gesehen, hatte keine Bilder davon im Kopf, kannte die Entfernungen und Wege nicht- genauso wenig wie in den Ländern fern fern von hier. Dennoch hatte Stein deutlich gespürt, dass die Angst sich bereits in seiner Gegend umsah.

Auch in Berlin war Stein gewesen und er kannte dort tatsächliche Leute, von denen wusste, dass sie zur Arbeit fuhren, ins Kino und Brot kaufen gingen wie er und nicht nur theoretisch existierten wie die Millionen von Londonern und Parisern, von denen er niemanden mit Namen kannte. Aber Steins letzter Berlin-Aufenthalt lag ebenso schon Jahre zurück.

Dann mäanderte der Tod eine Weile, pausierte, probierte, verwarf. Manche glaubten ihn in Rente, andere erkannte seine Launenhaftigkeit. Er tauchte hier auf, zeigte kurz seine Fratze, schickte dort nur die Angst eine Zeit lang randalierend durch die Straßen und sah gelangweilt zu. Er ging in Gegenden, die man nicht erwartete, zog Kreise, markierte sein Revier auf unübersichtliche Art und Weise und fand Gefallen am Versteckspiel und Finten.

Das Problem war, dass Stein so in gewissermaßen genau in der Einflugschneise lebte, das war ihm klar. Hier, so waren alle verhältnismäßig sicher, käme der Tod nicht so schnell vorbei. Zu reizlos, zu wenig spektakulär sei der Ort, so hieß es. Stein war sich nicht sicher, aber doch so sicher wie es mit der Angst im Nacken vertretbar war. Wenn diese Haltung den Tod anlocken sollte, so gab es noch genügend Gegenden, in denen er die Leute eines Besseren belehren konnte.

Und dann kam der Tod und alle waren überrascht Weiterlesen

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Literarische Landvermessungen

heimatabend neu

In diesen Zeiten, da das lange Zeit nur mit der Kneifzange angerührte Wort beinahe täglich für irgendwas herangezogen, benutzt und vereinnahmt wird, ohne dass seine Definition für irgendwen letztgültig geklärt wäre, müssten wir mit unserem Programm Heimatabend eigentlich ständig ausgebucht sein….
Denn wir, Thorsten Trelenberg und ich, gehen der Sache literarisch auf den Grund. Eine etwas andere literarische Landvermessung, die in der Vergangenheit bei zahlreichen Auftritten für nachdenkliche Erheiterung und wohltemperierte Unterhaltung gesorgt hat.
Dass wir ein äußerst gutaussehendes und eingespieltes Team sind, sieht man in diesem Künstlerporträt von Radio Kaktus.

Rückblicke, Fotos, Leseproben und anderes hübsches gibt es außerdem auf der programm-eigenen Seite: https://heimatabend.wordpress.com/

 

 

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