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Aus aktuellem Anlass aus dem Archiv: Hauptweg & Nebenwege- zur Lesebiographie

Dies hier war einer meiner allerersten Blogbeiträge vor nunmehr fast genau 2 Jahren. Ich hole ihn nun noch einmal aus der Versenkung hervor, da ich ihn am 11.06. im Rahmen einer Veranstaltung öffentlich lesen werde. Zum 25jährigen Ortsjubiläums unserer Stadtbücherei gestalte ich einen Abend mit Texten zu Bibliotheken und dem Sammeln von Büchern. Nach Borges, Manguel, Perec und Nossack bekommt das Publikum dann diesen Text von mir selbst zum Abschluss.

Die Veranstaltung: Staubige Mitbewohner oder: eine Art Paradies- beginnt um 19.30 Uhr in der Stadtbücherei Steinfurt. Es gibt auch Musik. Das gesamte Programm der Festwoche WortWelten gibt es hier.

Klee_HWNWHauptweg und Nebenwege– so heißt ein Gemälde von Paul Klee aus dem Jahre 1929.

Es ist auch ein guter Titel für eine Biographie, wie ich finde. Der einzig mögliche Titel eigentlich. Ich benutze ihn auch gern im Zusammenhang mit dem, was ich Lesebiographie nenne. (Und: Sehe nur ich das, oder ähneln die rechteckigen Felder auf Klees Gemälde nicht unzähligen Buchrücken- verschieden breit, verschieden hoch, in allen möglichen verschiedenen Farben?)

Mit der Sesamstraße brachte ich, der nicht zum Kindergarten ging und morgens mit der Mutter allein zu Haus, das Alphabeth bei –oder zumindest Teile davon, so dass ich bei meiner Einschulung schon einige Worte mehr schreiben konnte als die meisten meiner Mitschüler.

Nur wenige Jahre später verbrachte ich die Sonntagmorgende, an denen ich noch kurz zu meinen Eltern ins Bett durfte, bevor es zum Frühstück ging, mit dem Lesen der Buchrücken, denn meine Eltern hatten ein Doppelbett, hinter dessen Kopfende ein Bücherregal angebracht war. Hauptsächlich bestand die Bibliothek meiner Eltern aus den monatlichen Hauptvorschlagsbänden des Deutschen Bücherbundes, aber das war mir damals noch egal. Sir Walter Scotts Ivanhoe, Cervantes, Konsalik und Simmel standen in dem Regal friedlich an der Seite merkwürdiger Titel wie Apollonia und ihr Rittmeister oder so ähnlich, deren Inhalt mir damals aber noch genauso unbekannt war wie der der Klassiker nebenan.

Wenn mein Vater Nachtschicht hatte, schlief ich auf einem Klappbett im Zimmer meiner Mutter, damit Vater sich morgens ungestört in mein Bett legen konnte, welches auf dem ausgebauten Dachboden stand und für ihn verlässlicher Ruhe versprach. Weiterlesen

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