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out now: Trakl-Translations

DSCI0113

Da ist es also: mein neues Bändchen beim Brot & Kunst Verlag.
Die Trakl-Translations enthalten 25 „Übersetzungen“ von Gedichten des österreichischen Expressionisten Georg Trakl.
Die Translations sind Trakl minus Katholizismus minus Pathos plus Lakonie plus Moderne. So kommt irgendwie wieder Engels raus… . Eine strenge Auflage an mich selbst war die Beibehaltung der originalen Struktur und Reimschemata. Auch der begrenzte Trakl`sche Motiv-Fundus sollte eine Entsprechung finden.

Das Bändchen zeigt jeweils Original neben „Übersetzung“, dazu gibt es großartige Grafiken von Christiane Semmler, die auch für das Cover verantwortlich zeichnet.

Aus dem außerordentlich klugen Nachwort des Dortmunder Schriftstellers Josef Krug:
»Trakl-Translations nannte Matthias Engels die vorstehenden 25 lyrischen Experimente wohl nicht nur des Stabreims wegen. Aber muss, um Trakl zu verstehen, sein Deutsch in ein gegenwärtiges – oder als gegenwärtig angenommenes – übersetzt werden? […]
Man könnte sich unter Translation auch so etwas wie ein Übersetzen über einen Fluss vorstellen, eine Fähr-Bewegung von Gedicht zu Gedicht, ein Übersetzen über die mehr als 100 Jahre seit Trakl: Aus dem, was sich nach langer, stürmischer Überfahrt aus der alten Versfracht noch als brauchbar erweist, erschafft der Nachgeborene, zusammen mit eigenen Wort- und Bild-Materialien, neue Texte.«

Der Band aus der Reihe „Lyrik im Quadrat“ hat 80 Seiten und ist für 10€ ausschließlich über den Verlag und mich zu beziehen.

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Trakl-Translations

traklsemmler1Illustration: Christiane Semmler

Wie ich schon einmal erwähnte, befasse ich mich derzeit mit der „Übersetzung“ von Trakl-Gedichten in „meine“ Sprache. Ich ziehe von seinen Texten sozusagen den Katholizismus und das Pathos ab und übertrage -manchmal mit der wunderbaren Hilfe des Google-Übersetzers- seine Motivwelt ins Moderne. Dabei bemühe ich mich, relativ nah an den Strukturen und Formen des Originals zu bleiben. Was dabei so herauskommt, liest sich so und ähnlich:

Deep house

klirrendes plätschern, darüber ragen
wolken auf, weich und gletscherweiß
senioren schieben ihre wagen
im park im immer selben kreis

die betten der toten sind ungemacht
flugzeuge ziehen nach westen
ein müder mann schaut in die nacht
die sich verfängt in den ästen

durchs fenster blutet ein baum
blätter die der wind verwehte
rotlicht und schatten fluten den raum
und schmieren teufel auf die tapete

ein fremder klopft im erdgeschoß
ein hund geht vor die hunde
der letzte zieht die die tür ins schloss
deep house zu später stunde

 

strich1

..und hier als Fußnote das Original:

Musik im Mirabell
Ein Brunnen singt. Die Wolken stehn/Im klaren Blau, die weißen, zarten/Bedächtig stille Menschen gehen/Am Abend durch den alten Garten//Der Ahnen Marmor ist ergraut/ Ein Vogelzug streift in die Weiten/Ein Faun mit toten Augen schaut/Nach Schatten, die ins Dunkel gleiten//Das Laub fällt rot vom alten Baum/Und kreist herein durchs offne Fenster/Ein Feuerschein glüht auf im Raum//Und malet trübe Angstgespenster/Ein weißer Fremdling tritt ins Haus/Ein Hund stürzt durch verfallene Gänge/Die Magd löscht eine Lampe aus/ Das Ohr hört nachts Sonatenklänge//

 

 

 

 

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Translating Trakl

anitrakl.gif

Sowohl für meine mündliche Abitur- sowie meine Buchhändler-Abschlussprüfung habe ich Texte von Georg Trakl als Thema gewählt.
Meine Beschäftigung mit dem österreichischem Expressionisten währt also schon lange und er bleibt einer der Autoren, zu denen ich immer wieder zurückkomme- als Leser sowie, aber nun auch schreibend.

Nachdem meine Heimatgedichte, mit denen ich die letzten 3 Jahre vertrödelte, nun im Brot & Kunst-Verlag unter dem Titel Landschaft mit großem h erschienen sind, wende ich mich einem neuen Projekt zu. Ich nenne es vorläufig die Trakl-Translations.

Trakls Gedichte in „meine“ Sprache zu „übersetzen“ ist das Ziel. Dabei gilt es, die Atmosphäre der Texte nicht zu zerstören. Auch an der Form der Texte orientiere ich mich grob. Natürlich werden sie moderner, natürlich macht der oft hohe, hymnische Ton der Texte vom Anfang des 20. Jahrhunderts heute Probleme. Manches Verb am Zeileende muss vorne in den Satz oder umgekehrt, um eine zeitgenössischere Sprechweise zu erhalten- das verändert dann wieder den Rhythmus usw.

Erstaunlich finde ich, wie gut manche Gedichte funktionieren, wenn man aus den zahlreichen Naturmotiven städtische macht; wie sich hier und da ein lakonischer Rolf-Dieter Brinkmann- Ton einschleicht. Andere machen es schwer. Bisher ist es nicht mehr als eine Spielerei, die mich einiges an technischen Dingen lehrt und mich von meinem Heimat-Ansatz zu neuen Formen führen soll.

Ca. ein Dutzend Gedichte habe ich fertig bearbeitet- weitere sind in Arbeit.
Ein Beispiel von einem der bekanntesten Trakl-Gedichte hier:

Das Original:

Im roten Laubwerk voll Guitarren…

Im roten Laubwerk voll Guitarren
Der Mädchen gelbe Haare wehen
Am Zaun, wo Sonnenblumen stehen.
Durch Wolken fährt ein goldner Karren.

In brauner Schatten Ruh verstummen
Die Alten, die sich blöd umschlingen.
Die Waisen süß zur Vesper singen.
In gelben Dünsten Fliegen summen.

Am Bache waschen noch die Frauen.
Die aufgehängten Linnen wallen.
Die Kleine, die mir lang gefallen,
Kommt wieder durch das Abendgrauen.

Vom lauen Himmel Spatzen stürzen
In grüne Löcher voll Verwesung.
Dem Hungrigen täuscht vor Genesung
Ein Duft von Brot und herben Würzen

strich2

..und meine Bearbeitung:

Im roten Laubwerk voll Guitarren…

Unterm zugewachsenen balkon
stehen blondinen teilnahmslos
zwischen löwenzahn und moos
am himmel faucht ein heißballon

inmitten dunkler holzvertäfelung
vergreiste paare, die welken hände
in wortloser umklammerung
und fliegen verdunkeln die wände

frau an frau liegt ufernah
die abgelegten kleider wehen
ich sehe im vorübergehen
die eine, die ich früher sah

die blechschwalben fallen aus der luft
tief in graues und trübes schäumen
dem einsamen reicht zum träumen
ein blick und ein herbsüßer duft

strich2

 

Soweit. Mal sehen, was daraus wird…

 

 

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