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Literarische Landvermessung in: Steinfurt

heimatabendlogo

Schön war`s.
Unsere literarische Landvermessung „Heimatabend“ in der Stadtbücherei Steinfurt. Als Teil des hier!- Literaturfestivals des literaturland westfalen durften Thorsten Trelenberg und ich mal wieder über diesen schwierigen Begriff sprechen.

Wir lasen aus den unterschiedlichsten Quellen; vom ollen Tacitus über Max Frisch bis zu Franz Hohler war alles dabei. Außerdem gab es natürlich die Gedichte aus unseren eigenen beiden „Heimat“-Büchern. Feine Sache das.
Vielen Dank an die Veranstalter und das interessierte und nette Publikum!

…und gleich ein wenig Presse dazu:

Vielen Dank an Rainer Nix!

 

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Neue Opfer-aus: Landschaft mit großem H

Okapi-Gmbh-Marktforschung-Feldarbeit-Bleistift

Heute einmal ein kleiner Einblick in die Hintergründe der Entstehung eines meiner „heimatgedichte“ 

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Der Blick von meinem Schreibtisch aus geht hinaus auf unsere neue Feuerwache. Der Abriss der alten Fabrik, auf die ich früher blickte, machte dies möglich. Jedoch steht die Feuerwache erst seit kurzem. Zuvor fand man an gleicher Stelle eine alte Villa, die ehemals in jüdischem Besitz gewesen und deren Bewohner  im Dritten Reich deportiert und ermordet worden waren.
Bis in die 80er Jahre hinein hatte die Stadt das Gebäude noch zu verschiedenen Zwecken genutzt, zuletzt als Unterkunft für Asylsuchende. Danach hat man es dem Verfall preisgegeben, während den Nachkommen der Familie im Ausland regelmäßig versichert wurde, es werde alles für dessen Pflege und Erhalt getan.
Stolpersteine im Pflaster vor dem Haus erinnerten schon länger an die Familie, die einmal dort gelebt hatte und -seit die ersten Pläne für einen Abriss öffentlich wurden- auch vergrößerte Fotografien der ehemaligen Bewohner an der Fassade. Es gab Proteste, eine Bürgerbewegung sprach sich erst für eine Sanierung und -als klar wurde, dass der Zustand des Gebäudes dies nicht erlauben würde- für einen Resterhalt im Rahmen eines Mahnmals aus. Doch keiner dieser Pläne konnte durchgesetzt werden. Das Haus war nicht denkmalges Weiterlesen

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Spuren der Moderne in Münsterland & Westfalen: OberDADA Hülsenbeck in der münsterländer Pampa-

100 Jahre DADA- ein schöner Anlass, diesen Artikel noch einmal aus der Versenkung zu holen. Ausgerechnet einer der Köpfe der Bewegung hat eine enge Beziehung zu meinem beschaulichen Heimatörtchen….

 

 

Diese Aufnahme des DADA-Autoren Richard Huelsenbeck entstand, lange nachdem DADA in den Kunstkanon des 20.Jahrhunderts eingegangen war, in Huelsenbecks amerikanischer Wohnung. Er lebte als Arzt und anerkannter Reiseschriftsteller dort und verwaltete weltweit das DADA-Erbe als Mit-Erfinder, Moderator und Exeget der Bewegung.

richard-huelsenbeck-portrait

Die Texte, die er hier vorträgt, stammen aus seinem Büchlein: Phantastische Gebete, dem ersten Fanal Dadas, der Kunstrichtung, die um 1916 im berühmt-berüchtigten Cabaret Voltaire in Zürich begründet wurde.

Zahlreiche Emigranten aus aller Herren Länder hatten sich dort versammelt: Deutsche, Schweizer, Rumänen, Bulgaren, Franzosen, darunter: Hugo Ball und Emmy Ball-Hennings, Jean Arp, Tristan Tzare und Marcel Janco.

Ein Russe, der später unter dem Namen Lenin bekannt werden sollte, ging desöfteren in diese Kaschemme, um Schach zu spielen. Abends gab es Ausdruckstanz, Lesungen, Ausstellungen moderner Kunst und aus diesem Brutkasten heraus erhob sich Dada, dessen Name -der Legende nach- beim blinden Tippen in ein französisches Wörterbuch entstanden sein soll.

Alle bürgerlichen Werte und Normen der Kunst- und Kulturgeschichte wurden über Bord geworfen. Radikaler noch als der parallel stattfindende Expressionismus zertrümmerte Dada die Syntax und wand sich zum reinen Laut- und  Nonsensgedicht. Gerne trug man bei der Rezitation Phantasie-Kostüme oder überließ (wie bei einer Dada-Tournee durch die Niederlande) dem Publikum die Bühne.

Richard Huelsenbeck , (Amerika nannte er sich Charles Hulbeck) war einer der Ziehväter der Bewegung. 1892 in Frankenau als Sohn eines Apothekers geboren, erwies er sich schnell als schwieriges Kind. Die Familie zog oft um und Richard besuchte verschiedene Schulen in Dortmund und in Bochum. Der äußerst intelligente, aber widerborstige Schüler hätte wegen zahlreicher Regelverstöße das Abitur beinahe vergessen können, wenn es nicht ein Gymnasium gegeben hätte, das sich auf solche Fälle in gewisser Weise spezialisiert hatte.

Das Arnoldinum in Burgsteinfurt, mitten im nördlichen Münsterland, erklärte sich bereit, dem jungen Hülsenbeck eine letzte Chance zu geben. Eine sehr kleine Klasse und strenge Lehrkräfte sollten es dem aufsässigen Schüler ermöglichen, seinen Abschluß doch noch zu bekommen.  Von 1908 bis 1911 sollte er hier verbringen.

Im Januar 1909 steht der spätere Dichter auch das erste Mal sprechend auf einer Bühne, ebenfalls in Burgsteinfurt.    „Zur Feier des Geburtstages Sr. Majestät des Kaisers und Königs Wilhelm II.“ deklamiert er in der Feier das Gedicht „An Deutschland“ von Emanuel Geibel, ein 12-strophiges Gedicht mit dem Untertitel „Januar 1871“, das überquillt vor nationalem Pathos.  Das Schulprogramm 1908-1909 hält fest, dass „außer vielen Freunden und Gönnern der Anstalt auch Seine Durchlaucht der Erbprinz Adolf in Vertretung Seiner Durchlaucht des Fürsten zu Bentheim u. Steinfurt erschienen war“.

text_huelsenbeck_13_1Es gibt zahlreiche Anekdoten aus der Zeit des späteren Ober-Dadas in der Provinzschule- die prägnanteste ist sicher die, die den Sinn und Zweck der Verschickung Huelsenbecks hierher beinahe noch gefährdet hätte.

Gen Ende der Schulzeit waren nur noch 5 Schüler in der Abiturklasse übrig geblieben. Unter ihnen kursierte schon länger ein Schlüssel zum Zimmer des Direktors, den sich einer der Jungs besorgt hatte.  Im Dezember 1910 wird eben dieser Schüler vom Direktor in dessen Büro gestellt, wie er gerade das verschnürte Paket mit den Abiturprüfungen öffnen wollte. Eine umfangreiche Untersuchung gegen alle Schüler wurde eingeleitet, bei der geprüft wurde, in wieweit die Anderen Schüler in den Plan eingeweiht gewesen waren.

Auf das Einwirken des Vaters eines der Schüler hin, der glücklicherweise Lehrer der Anstalt war, wurden die anderen vier entlastet. Mit einer „ernstlichen Verwarnung“ wurden sie nun dennoch zur Prüfung zugelassen und Huelsenbeck bestand. Er verließ Burgsteinfurt jedoch noch am selben Tag und bekam sein Zeugnis nachgeschickt.

Er studierte in den folgenenden Jahren zunächst in Münster, dann in München, Berlin und Greifswald Medizin, Philosophie und Kunstgeschichte, bevor die Wirren des ersten Weltkriegs ihn in die Schweiz und zum Dada trieben.

Hier noch ein Text aus den Phantastischen Gebeten:

ENDE DER WELT

Soweit ist es nun tatsächlich mit dieser Welt gekommen

Auf den Telegraphenstangen sitzen die Kühe und spielen Schach

So melancholisch singt der Kakadu unter den Röcken der spanischen

Tänzerin wie ein Stabstrompeter und die Kanonen jammern

den ganzen Tag

Das ist die Landschaft in Lila von der Herr Mayer sprach als er das

Auge verlor

Nur mit der Feuerwehr ist die Nachtmahr aus dem Salon zu vertreiben

aber alle Schläuche sind entzwei

Ja ja Sonja da sehen Sie die Zelluliodpuppe als Wechselbalg an

und schreien: God save the king

Der ganze Monistenbund ist auf dem Dampfer „Meyerbeer“ versammelt

doch nur der Steuermann hat eine Ahnung vom hohen C

Ich ziehe den anatomischen Atlas aus meiner Zehe

ein ernsthaftes Studium beginnt

Habt ihr die Fische gesehen die im Cutaway vor der Opera stehen

schon zween Nächte und zween Tage?

Ach Ach Ihr großen Teufel – ach ach Ihr Imker und Platzkom-

mandanten

Wille wau wau wau Wille wo wo wo wer weiß heute nicht was unser

Vater Homer gedichtet hat

Ich halte den Krieg und den Frieden in meiner Toga aber ich ent-

scheide mich für den Cherry-Brandy flip

Heute weiß keiner ob er morgen gewesen ist

Mit dem Sargdeckel schlägt man den Takt dazu

Wenn doch nur einer den Mut hätte der Trambahn die Schwanzfedern

auszureißen es ist eine große Zeit

Die Zoologieprofessoren sammeln sich im Wiesengrund

Sie wehren den Regenbogen mit den Handtellern ab

Der große Magier legt die Tomaten auf seine Stirn

Füllest wieder Busch und Schloß

Pfeift der Rehbock hüpft das Roß

(Wer sollte da nicht blödsinnig werden)

 

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Staubige Mitbewohner -In bewegten Bildern

Von meinem Vortrag Staubige Mitbewohner, den ich letzte Woche in der Stadtbücherei Steinfurt hielt, gibt es tatsächlich ein komplettes Video.
So könnt Ihr nun noch einmal zugucken und zuhören, wie ich meinen Text Hauptweg & Nebenwege -zur Lesebiographie- vortrage. Darüber hinaus gab es Texte von Borges, Georges Perec, Hans Erich Nossack und anderen.
Schön war`s! Vielleicht kommt etwas von der sehr angenehmen Stimmung herüber.


Herrn Nolting, dessen Frau Gemahlin mich wunderbar auf dem Piano begleitete, einen herzlichen Dank für`s Filmen und Weiterreichen!

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Presse zu: Staubige Mitbewohner

wnwortwelten

Am vergangenen Donnerstag durfte ich im Rahmen der Festwoche WortWelten der Stadtbücherei Steinfurt meinen Vortag: Staubige Mitbewohner zu Gehör bringen. Ein gelungener und sehr angenehmer Abend vor tollem Publikum und in einer immer wieder schönen Location. Vielen Dank an die Stadtbücherei und vielen Dank auch Rainer Nix für den schönen Artikel heute. Endlich auch mal ein Foto, auf dem ich nichts aussehe, als habe ich grad auf eine Muskatnuss gebissen. Man beachte das Pflaster am Daumen!-Was da wohl passiert war….

 

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David Wonschewski…in 3 Sätzen

Foto: Periplaneta.com 

Im letzten Jahr traten wir einmal bereits gemeinsam auf- am vergangenen Dienstag nun gastierte der aus dem Münsterland stammende und  in Berlin lebende Autor und Musikjournalist David Wonschewski gemeinsam mit der Liedermacherin Sarah Lesch im Huck-Beifang-Haus in Burgsteinfurt. Ein gut besuchtes und lohnendes Ereignis- ich kann nur Jedem wärmstens empfehlen, Davids bitter-süße Texte zu lesen oder noch besser: eine seiner zahlreichen Lesungen zu besuchen, denn der Autor ist nicht nur ein in allen Zwischentönen sicherer und psychologisch versierter Erzähler, sondern darüber hinaus auch ein Vortragskünstler erster Güte:

„Wonschewski zieht alle Register der Vortragskunst bis hin zur schrillen Verzweiflung, die sich in drastischen Stimmlagen widerspiegelt. Ironie, Sarkasmus und Zynismus – der Autor versteht es vortrefflich, diese Stilmittel zu einem höchst amüsanten Cocktail zu mixen.“

-schrieb Rainer Nix von den Westfälischen Nachrichten gestern zu Recht in seiner Rezension des Auftritts. David schreit, flüstert und schluchzt seine Texte, begleitet sie lebhaft gestikulierend und treibt einem mitunter die Tränen in die Augen.

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HIER gibt es ausführliche Informationen zu Davids Büchern.

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Ich hatte die Gelegenheit, David, dessen drittes Buch: der Roman Zerteiltes Leid gerade erschienen ist, zu einem kleinen Interview zu treffen. Mit einem neuen Konzept, das eventuell in Serie geht:wonsch

Hallo David, für Dich habe ich mir ein besonderes Konzept überlegt. Bitte äußere Dich in 3 (in Worten: drei) Sätzen–so spontan wie möglich zu folgenden Begriffen:

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D.W.: Dieser Herr ist mir kaum bekannt. Ihn zu treffen – in wörtlichem wie in übertragenem Sinne – mein höchstes Ziel. Und der Grund meines Schreibens.

literaturneu
D.W.: Einer der Begriffe, denen ich zwiespältig gegenüberstehe. Werde ich „Literat“ genannt, so macht mich das schon stolz, streichelt die eitle Künstlerseele. Dann aber wieder denke ich, dass diese Katalogisierung herzlich wenig aussagt, denn so wie in der Musik letztlich alles Pop ist, ist im Autorenbereich letztlich alles Literatur

berlinneu
D.W.: Lass mich in dem Fall Klaus Hoffmann zitieren: Mein Gespräch, meine Lieder, mein Hass und mein Glück, mein Tag, meine Nacht, mein Vor, mein Zurück. Dein halbtoter Bahnhof, wo ich unter denen steh‘, die morgen, schon morgen in bess’re Städte geh’n. Wo ich dich verlassen will, immer wieder, immer noch, ich schaff‘ den Sprung auch, ich schaff‘ den Sprung doch. (aus: „Berlin“, 1978) Weiterlesen

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Die größten Dichter Westfalens -live-

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Darf ich vorstellen: Bei diesen beiden hoch vergeistigen Herrschaften handelt es sich um Thorsten Trelenberg und Matthias Engels- die wahrscheinlich größten lebenden Dichter Westfalens (zusammen knapp 3,96 Meter)!

Herr Trelenberg und Herr Engels werden am 19.05. zur Feier des 10jährigen Jubiläums der Literaturkreise im Kreis Steinfurt ein 8-gängiges literarisches Menü kredenzen. Von herzhaft bis süß, auch für Allergiker geeignet und garantiert kalorienfrei! Weiterlesen

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