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Und seitab liegt die Stadt, II.

Ich freue mich sehr, gemeinsam mit Kollege Trelenberg und dem Förderverein der Stadtbücherei Steinfurt im zweiten Jahr in Folge für das Programm der Reihe „und seitab liegt die Stadt“ des Literarischen Colloquiums Berlin ausgewählt worden zu sein. Thema ist diesmal „Landschaft“ und bald geht es los mit einigen feinen und hochkarätig besetzten Veranstaltungen zum Thema. Das Allermeiste digital- das heißt aber auch: über die Stadtgrenzen hinaus verfolgbar…Näheres folgt.

Bericht: WN/MZ, 09.04.2021

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Rückblick: „und seitab liegt die Stadt“

Im gesamten Herbst 2020 fanden im Rahmen des Projektes „und seitab liegt die Stadt“ 6 literarische Veranstaltungen in Steinfurt statt. Durchgeführt vom Förderverein der Stadtbücherei Steinfurt und gefördert vom Literarischen Colloquium Berlin konnten Thorsten Trelenberg und ich Lesungen, Workshops und Vorträge zum Thema der Reihe „Herkunft“ realisieren- erst in Präsenz, dann im digitalen Raum.

Dieses Video von der Online- Abschlussveranstaltung zeigt Ausschnitte und Resultate der Lesung mit Lütfiye Güzel, dem Video-Porträt J. Monika Walthers, den Workshops mit Michael Schumacher und uns Projektleitern. Eine feine Initiative zur Förderung der Literatur im ländlichen Raum. Es war uns eine Freude und Ehre, dort mitzuwirken.

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„und seitab liegt die Stadt“ III mit Michael Schumacher

Am Freitag fand mit Michael Schumachers Poetry Slam-Workshop der 3. Teil unserer literarischen Reihe „und seitab liegt die Stadt“ im digitalen Raum statt. Die TeilnehmerInnen und der Workshopleiter hatten auf Zoom 3 Stunden lang sichtlich Spaß!

Dank der Förderung durch das Literarische Colloquium Berlin konnten TeilnehmerInnen über die Grenzen Steinfurts hinaus kostenlos einen unterhaltsamen und kreativen Einblick in die Kunstform erlangen.
Der genaue Ablauf des Workshops war wie folgt:

                Ab 10.00 Uhr

  • Einführung in die literaturgeschichtliche Entwicklung von Poetry Slam anhand von Textbeispielen und der Vorstellung einiger Vorläufer und Literaturbewegungen (DaDa, Kurt Schwitters, Beat (Ferlinghetti, Ginsberg, Burroughs), Spoken Word-Bewegung, social beat-Movement, Marc Kelly Smith als Urvater des Poetry Slams (Chicago 1985), erste deutsche Literaturmeisterschaft „Dichter in den Ring“, Köln 1993, erster Poetry Slam in Berlin 1994, erste deutschsprachige Poetry Slam-Meisterschaft 1997), Thomas Kling („Der Performer als Sprachinstallateur ist Konzeptkünstler“), Slam-Regularien, Vorstellung der Arbeitsblätter
  • Schreibaufgabe 1: Einen Gegenstand auswählen, der Bezug zu mir hat, und diesen Gegenstand und dessen Beziehung zu mir beschreiben – Texte in der Gruppe vorstellen, Feedback geben – Querverbindungen zum Thema Herkunft/meine eigene Herkunft herstellen.
  • Schreibaufgabe 2: Vorgabe von drei Wörtern (Haus, Weg, gehen) und darüber einen Text in beliebigem Genre schreiben – die Texte im Plenum für alle vorstellen, gemeinsam darüber reflektieren.
  • Plenumsdiskussion ab 12.00 Uhr: Was heißt für mich „Herkunft“? Was heißt für mich „Heimat“? Fühle ich mich dort, wo ich gerade lebe, heimisch? Was heißt es für mich, wenn ich die Erinnerungen an meine Herkunft bewahre, sie pflege, sie weitergebe an meine Kinder/Partner:in, Freund:innen etc.? Dabei kam zutage, dass nur eine der Teilnehmerinnen heute in dem Ort wohnt, in dem sie geboren wurde. Fremdheit, Entfremdung, Zughörigkeit, integriert sein, sich integrieren wollen oder nicht, Kindheitserinnerungen, das Gedächtnis/Vermächtnis meiner Familie (be)wahren oder mich davon entfernen waren weitere Themen.
  • Feedback-Runde 12.45 – 13.00 Uhr

Morgen beginnt mit Thorsten Trelenbergs und meinem digitalen Schreibworkshop mit 10 TeilnehmerInnen der 4. Teil der Reihe, der den ganzen November über laufen und sicher interessante Ergebnisse liefern wird.

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„und seitab liegt die Stadt II“ mit Lütfiye Güzel

Foto: Rainer Nix

„schön ist schön, weil es gegenüber von nicht-schön wohnt.“
Am Freitag war es definitiv schön mit Lütfiye Güzel, die unsere letzte reguläre Veranstaltung der Reihe „und seitab liegt die Stadt“ mit uns bestritt.

Lütfiye Güzel gilt als eine der aufregendsten Lyrikerinnen unserer Zeit.
Geboren und aufgewachsen in Duisburg, mittlerweile aber auch in Berlin beheimatet, wird sie gern als „lyrische one-woman-show“ bezeichnet, die ihre Texte komplett selbst verlegt, vertreibt und vermarktet. In scheinbar einfacher Sprache fasst sie Gedanken und Gefühle äußert verknappt in Worte- wobei ihr Bezeichnungen wie Lyrik oder Kurzprosa völlig egal sind.

Natürlich sprachen wir nach einem Leseblock in einem interessanten Interview auch zum Thema der Reihe „Herkunft“ mit ihr. Praktisch jeder biographische Text über Lütfiye greift die gleichen Elemente auf: den Stahlarbeiter-Vater, die analphabetische Mutter und die vorsichtig umständlich gestellten Fragen, ob türkisch/türkischstämmig/türkisch-kurdisch oder oder…

Dass dies keine Kategorien sind, die für die Autorin relevant sind, die Antwort „Schreibende“ vielleicht die beste ist und überhaupt Schubladen im Werk Lütfiye Güzels keinen Platz haben, wurde wunderbar deutlich.

Lütfiyes authentisches Auftreten und ihre zum Nachdenken anregenden Sätze, die sie scheinbar kunstlos platziert, haben große Freude gemacht.

Und HIER bereits die Presse dazu.

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Auftakt: Und seitab liegt die Stadt

Gestern startete unsere, vom literarischen Colloquium Berlin geförderte Veranstaltungsreihe zum Thema „Herkunft“. Im Rahmen des Projektes „Und seitab liegt die Stadt“, das Literatur im ländlichen Raum fördert, versuchen wir, coronabedingt, die geplanten 6 spannenden Lesungen und Workshops so gut wie möglich abhalten.
Den Auftakt machten Flusspoet Thorsten Trelenberg und ich gestern in der Stadtbücherei Steinfurt mit einem literarischen Rundflug.

Auf der Suche nach den Facetten des Begriffs „Herkunft“ konsultierten wir das Grimmsche Wörterbuch sowie diverse Lexika und kamen zu folgenden nüchternen Definitonen:

1. Herkunft=Heimat, Ursprungsort eines Lebewesens, Vaterland
2. Abstammung von den eigenen Vorfahren
3. soziale Herkunft, das soziokulturelle Erbe von Ressourcen und Wertesystemen

Dass sich diese Parameter auch in der Literatur zeigen, konnten wir anhand von Texten unterschiedlichster Couleur nachweisen.

Die geographische Heimat eines Autors wird immer auch als Teil eines Systems von Werten und gemeinsamen Begrifflichkeiten und Bräuchen gesehen. „Wer in Deutschland schreibt, geht auch von deutschen Werten aus“, so lange die angenommenen Voraussetzung der deutschen Nationalliteratur. „Und dafür muss er deutsch sein.“ Aber so einfach ist das nicht, wie wir später sahen.

Botho Strauß` autobiographischer Text Herkunft,
Gottfried Benns berühmtes Gedicht Teils-teils,
Wolfgang Koeppens Jugend– allesamt Chronisten deutscher Zeiten, Landschaften und Befindlichkeiten. Immer geknüpft an Orte, familiäre Leitfiguren und ihren sozialen Kosmos. Aber ihre Texte sind auch Belege dafür, dass Heimaten veränderlich, nicht konstant sind und oft genug nur noch in Erinnerungen überleben und diese individuell und nicht übertragbar sind.

Thorsten Trelenberg las Gedichte Theodor Kramers, sprach über Heinrich Bölls 3 Kölns als Heimat und präsentierte die Anthologie: Eure Heimat ist unser Albtraum, die Texte verschiedener AutorInnen mit unterschiedlichsten kulturellen Hintergründen versammelt.

Im zweiten Teil wandten wir uns verstärkt der zweiten Definiton des Begriffes Herkunft zu, die weniger das Hier und Jetzt in den Vordergrund stellt, sondern den Weg, das ANKOMMEN.

Betrachtet man die Auswahlliste für den Deutschen Buchpreis 2020, wird klar, dass die Themen Kindheit, Herkunft und Fremdsein derzeit stark und oft bearbeitet werden.

Schon der letztjährige Preisträger Sasa Stanisic, dessen gleichnamiger Roman seine „Herkunft“ aus Bosnien Herzegowina thematisiert, kann diverse Lieder davon singen. Sein Debüt, ebenfalls im autobiographischen Kontext angesiedelt, wurde gefeiert und seine „neue Stimme“ gelobt. Sein zweiter Roman Vor dem Fest, der in der Uckermak spielt, ruft stattdessen einige Kritiker auf den Plan, die ihm vorwerfen, davon verstehe er nichts und könne er nichts verstehen. Er solle sich doch lieber wieder „seinem Themenfeld“, der Migration zuwenden.

Mit Chamisso und Canetti sind zwei Autoren zu zitieren, die belegen, dass es fremde Herkünfte in der deutschen Literatur schon länger gibt und deren Einflüsse nicht gering sind.

Der berühmteste deutsche Autor mit dem so oft zitierten „Migrationshintergrund“ kann nun ausgerechnet einer genannt werden, der sich zeitweise als besonders „deutsch“ zu stilisieren versucht hat.

Thomas Manns Mutter Julia Mann da Silva Bruhns kam 1848 mitten im brasilianischen Dschungel zur Welt, „zwischen Affen und Papageien“, zitiert Frido Mann Überlieferungen der Familie. Die ersten sieben Jahre ihres Lebens verbrachte sie in der Obhut einer „Negeramme“, wie sie selbst schrieb.

Vor der Weimarer Republik sprach Thomas Mann praktisch nicht von ihr, denn es gab enormen Rassismus im Kaiserreich. Als er ins Exil ging, änderte sich das. Seine Herkunft war nun etwas, das ihn zum Kosmopoliten machte, ihm eine andere Sensibilität verlieh. Er empfand es nun als eine Art Auszeichnung und nicht als etwas mit Scham Besetztes.

Später hat Mann seine Emigration auch rassenpolitisch begründet. Schon 1932 hieß es in der Zeitung „Angriff“ über Mann: „Wir müssen mit aller Schärfe verlangen, daß diese schreibende Mischung zwischen Indianern, Negern und Mauren und weiß der Teufel was sonst noch sich nicht mehr ,deutscher Dichter und Schriftsteller‘ nennen darf.“

UND HEUTE?
Gibt es deutsche Autoren, die unter anderem:
Feridun Zaimoglu               (1964 in der Türkei geboren)
Marjana Gaponenko           (1981 Odessa, Ukraine)
Olga Grjasnowa                   (1984 Baku, Aserbaidschan)
Nino Haratischwili              (1983 Tiflis Georgien)
heißen und die Fragen nach ihrer Herkunft zurecht längst leid sind. Sie sind deutsche Autoren, die der deutschen Literatur wertvolle Impulse und Stoffe beisteuern.

Am Freitag besucht uns im nächsten Block die Lyrikerin Lütfiye Güzel, pendelnd zwischen Duisburg und Berlin, eine der interessantesten Dichterinnen der Republik. Auch mit ihr werden wir über den Herkunft- Begriff sprechen und ihre Texte zum Thema hören.

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Und seitab liegt die Stadt..

..so heißt ein Förderprogramm des Literarischen Colloquiums Berlin für Literatur im ländlichen Raum. Im Team mit dem Förderverein der Stadtbücherei Steinfurt haben Kollege Thorsten Trelenberg und ich es geschafft, unter den geförderten Projekten zu sein.
Nun geht es bald los! Bis Ende des Jahres findet unsere 6-teilige Veranstaltungsreihe zum Thema „Herkunft“ statt. Sie beinhaltet einige spannende Lesungen und Workshops.
Mit dabei sind: die exorbitante Lyrikerin Lütfiye Güzel, die Autorin Jay M. Walther, der Grandmaster des Poetry Slam Michael Schumacher sowie Flusspoet Thorsten Trelenberg und ich. Eine sehr schöne Teamarbeit und Gelegenheit, auch abseits der Metropolen hochkarätige Literatur zu bieten.

Einen Überblick über die weiteren deutschlandweit stattfindenden Projekte des Programms findet man HIER.

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