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Brief an D.

kuh

Brief an D.
D., ich dachte dich zu mögen
über deine spitzen schultern fließt schneeweißes haar

D., du bist ein postkartenidyll für japaner
über deine glatte helle stirn treibt der wind
——————————————–wolken und meer

D., mir gefiel dein fahrgefühl deine gemütlichkeit
ich pflanzte meine kinder in deinen garten
sie erhielten ihren russlandrucksack kurz nach der geburt
D., wie sollst du erwachen? Du kriegst doch kein auge zu
durch deine wimpern perlt der regen ungehindert
———————————————-in den pool deiner pupille

D. du schliefst 1000 jahre in irgendeinem berg
ich fand dich niedlich weil du an drachen und zwerge glaubst
aber deine faltige brust ist mir zu stark belaubt

D., ich mochte doch deine traurigen augen
deine mürbe zunge und deinen geduckten gang
aber ich weiß: du kerbst heimlich schweinereien
in die rinde der eibe klebst dir bei vollmond
einen schnurrbart an und grölst
————————————-von felsen am rhein 

D., du hast abgenommen und das steht dir gut
aber dein gedehntes gelände ist von rissen durchzogen
—-und du hast immer noch diese heißhungerattacken

D., das letzte mal dass gott dich anrief war 1933
du nahmst nicht ab
jetzt schickt er nur noch zu weihnachten ne karte

Oh D., du bist high von deiner folklore
aber am brunnen vor dem tore
———-und wo meine wiege stand
————-ist jetzt nur noch niemandsland
—————und brennend heißer wüstensand
kein schiff wird kommen, D.,
———–und kein wunder geschehen
————– ich kauf mir keinen bunten Luftballon
——————und komm auch nicht so bald wieder
D., deine lieder kratzen im hals

d. ich dachte ich mochte
deine fräuleins und höheren töchter
deine facility manager und übungsleiter
deine bankdrücker und vertrauenslehrer
deine ökotrophologen und zeitarbeiter
————-deine mauerblümchen
——————sofamelker und
 ————————-genealogen
aber

D., deine luft ist eisern und dein wasser schwer
du trägst immer diesen beigen mantel
und schielst dem süden unter den kurzen rock
—————–du verkleidest dich als cowboy oder gentleman
aber weder stock noch hut stehen dir gut
du setzt dir heimlich eine baskenmütze auf
——und übst olala zu sagen vor dem spiegel

D., du bist vorzeitig ergraut
deine schuhe sind schiffe und deine hände kräne

du würfelst mit knöcheln und wirfst mit eichenlaub
D., du kannst nicht tanzen, deine hüften sind steif

Oh D., du mit deinen eichenen augen
deinen sandigen händen und deinem kluftigen griff
D., du schwarzbuntes schwarzbraunes muttertier
du wiederkäuer uralter versprechen 
—————-mit allen vieren im eigenen mist 

D., es ist wahr
ich mochte deine geschichten
aber in deinem atem ist asche
und am ende sind alle helden tot

D., ich dachte ich mochte
deine ablaufkanten
——— deine auffangbecken
————-deinen spritzschutz
 —————-und deine dehnungsfugen
 ——————-deine rutschfesten matten
 ———————–und versenkbaren
  ——————————sprengsysteme

D., wenn du lachst verbirgst du deine zähne aus stahl
und wenn du weinst schmecken deine tränen nach harz
Durch deine brust läuft ein begradigter fluss
du teilst sein bett aus zement und ihr steht immer pünktlich auf

D., du verwahrlost zusehends
hast die hose offenstehen
und die jacke falsch geknöpft
D., du trägst tennissocken in sandalen
und dämliche hütchen
D., mit dir ist kein staat zu machen

D., du bringst zu selten den müll raus
und um deine hygiene steht es schlecht
Du duftest nach latschenkiefer
——————–moschus und tang

D., ich habe dein tagebuch gelesen
du legst unter der decke hand an dich
——–und denkst dabei an die loreley
D., du bist auf droge brauchst täglich deinen schuss schuld
und sühne und D., deine angst
———————ist ein ganzer satz

D., ich danke dir für den marmorkuchen
deinen weltschmerz und die schadenfreude
aber denkst du wirklich all dein milchschaum
deine leichten soßen deine mediterranen gärten 
und diäten verliehen dir leichtigkeit und täuschten   
über deine cordhosen hinweg
 ————- deine waldeslust

  ——————und deinen messias-komplex

———-D., ich dachte wirklich dich zu mögen

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Die Metadaten der Dinge

VBN

      Dieser Text könnte enthalten:
      1 Person, sitzend, Innenraum

heute ist tag eins der reise
entlang der linien in meiner hand
der himmel photoshopblau
und tätowiert mit vogelsilhouetten
aus dem kalender tropft blut auf den teppich
von jeder einstichstelle ist eine niederlage markiert
denn jeder tag hat zwei launische nachbarn
die dinge sind mit dem regal verbunden
und das regal mit der tapete
die tapete ist mit der wand verbunden
und die wand mit der ecke
die tasse ist mit dem tisch verbunden
und der tisch mit dem teppich
der teppich ist mit beton verbunden
und der beton mit stahl
der baum ist mit dem himmel verbunden
der himmel mit dem horizont
der horizont die häuser die hecken die straßen
sind mit dem boden verbunden
und der boden mit dem meer

die theoretische möglichkeit, rauszugehen
zwischen häuser die es gestern noch nicht gab
würfelformationen photoshopschwarz
im wind treibendes trockenes laub
hinter dir auf den wegen klingt wie feiner regen
der feine regen klingt wie die speichen von rädern
die speichen von rädern wie schritte hinter dir
auf im wind treibenden trockenen laub
aus diesem grund zu hause bleiben

Dieser Text könnte enthalten:
1 Person, sitzend, Innenraum,
Tisch und Essen

bei den verschlungenen pfaden auf dem tisch
zwischen brot butter und marmeladen
diese flecken auf der decke photoshoprot
diese canyons zwischen falten und krümelbergen
unberührt und fremd jedem forscherblick
an verkrusteten tassen nippen deine lippen
fossile krumen buchstabieren nonsens in braille
du lebst vom obstdekor auf den papierservietten
und dem gras: photoshopgrün auf der rückseite
der packung mit der lange verdorbenen milch

ziemlich zielloses dunkeln nun
jede stunde hat einen schrecklichen stammbaum
mit schemen sind die gardinen beschmiert
alle fluchttüren nachtgrau gestrichen
die tapeten bemalt mit möbeln, fenstern
mit schmutzigen gespenstern die nächte behängt
im holz werden die strukturen klarer, tiefer
der mond im rahmen hängt immer schiefer
und verlangt nach bildhaftigkeit und poesie:
aber alle vergleiche scheitern
er ist weder ein verlorenener ohrclip
trudelnd im photoshopblauen wasser des pools
noch eine halbe kopfschmerztablette,
die sich sprudelnd am grund des glases löst,
der mond bleibt
der mond bleibt
der mond


 

-dies ist der Anfang eines mittlerweile 8 Normseiten umfassenden Langgedichts.
Sollte irgendjemand Bock haben, das zu verlegen- ich hab nix dagegen.

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