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Kafka statt Kippen

Umschlag Matthias Engels

Von heute an bis zum 14.08. findet man meine Kurzgeschichte Kafka zu Haus in einigen ausgewählten Automaten der wunderbaren Literaturautomaten.
Seit nunmehr 10 Jahren gibt es dort für 2€ Lyrik, Poesie, Kurzgeschichten — von bekannten und unbekannte Autorinnen und Autoren, die nicht nur einen selbst, sondern auch Andere erfreuen. Alle acht Wochen werden die Automaten mit frischem Textmaterial gefüllt. Alle Texte kommen in einer hübsch gestalteten Schachtel daher- ein feines Sammelobjekt.

Meine Geschichte ist ziehbar in den Apparaten in:
Krefeld (Lentz)
Düsseldorf (zakk & Butze & Goethe-Museum)
Stuttgart (Merlin)
Wuppertal (Börse)
Leipzig (Kupfersaal)
Dresden (Scheune)
Bochum (Hochschule)

Wer also an einem der genannten Orte vom schnellen Hunger auf Literatur überwältigt wird…nur zu und guten Appetit!

 

 

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Die Polizei fragt -Mikrogeschichte-

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In der Nacht von Samstag auf Sonntag verschafften sich Unbekannte Zugang zum Garten der Familie G..
Es muss in Anbetracht der folgenden Geschehnisse von mehreren Tätern ausgegangen werden; wie diese in den Garten der Familie gelangten, bleibt unklar. Das Gartentor war am Morgen verschlossen, der Schlüssel befand sich im gewohnten Versteck in einem Blumenkasten, allerdings in einer anderen Lage; eventuell kamen die Täter auch über die Nachbargrundstücke.
Unbemerkt von der Familie und in offenbar routinierter Weise, die Wiederholungstäter vermuten lässt, öffneten die ungebetenen Besucher zunächst den Gartenschuppen und bedienten sich ungefragt der dort untergestellten Werkzeuge und Utensilien. Mit diesen mähten sie im Folgenden mit scheinbar grenzenloser Sicherheit, nicht entdeckt zu werden, den Rasen der Familie G., schnitten das Obstgehölz, gossen die Kübelpflanzen und ernteten überdies die reifen Tomaten, die sie anschließend in einem Körbchen auf dem Gartentisch platzierten. Obendrein putzen sie die Terrassenfenster und –türen, fegten den Weg und pflückten Unkraut in den Beeten . Daraufhin ordneten sie das Chaos im Schuppen, entsorgten den umfänglichen Grünschnitt fachgerecht und hinterließen auch sonst keinerlei verwertbare Spuren.  Das Erschrecken der Hausbewohner über ein derart abgebrühtes Eindringen in ihre Privatsphäre war am folgenden Morgen naturgemäß groß.
Die Polizei fragt nun: Wer hat in der fraglichen Nacht, zwischen 23.00 und 6.00 Uhr morgens, etwas Auffälliges beobachtet oder gehört? Um sachdienliche Hinweise wird gebeten.

 

 

 

…kleine, schräge Mikrogeschichte- ab und an hab ich Spaß an sowas…

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DA STECKT DAS GUTE DRIN

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All diese lachenden Kinder, blonde, blauäugige, von einer niedlichen Wohlgenährtheit. Dutzendfach strahlten ihm ihre Milchzähne entgegen, genauso oft wie ihre Wangen ihn anleuchteten, von Knie- bis auf Schulterhöhe. Und als sei dies nicht genug, baumelte noch ein Plakat mit dem immer gleichen Kind, das ihn in all den Jahren seines Heranwachsens begleitet hatte, zu knapp über seinem Scheitel. Sie hatten dieses doppelt gebackene Zeug schon seit Jahren nicht mehr gekauft.

Was bei ihm als Schonkost, Babynahrung und als hilfreich bei Magen-Darm-Erkrankungen abgelegt war, hatte offenbar als Zutat vermeintlich bodenständiger Desserts Einzug in die moderne Alltagsküche gehalten. Der Überfluss, dachte er, schien es Trend werden zulassen, zu kochen, als habe man nicht viel. Er fragte sich, wie das kam und worin der Sinn bestand.

Sie stand im Gang, eines dieser orangeweißen Pakete in der Hand und den Blick auf das Regal gerichtet. „Es gibt ihn jetzt mit Schokolade, heller und dunkler- und neuerdings auch mit Kokosraspeln.“, sagte sie und er nickte. Es war heiß, es war voll, er wollte gern den Mantel ablegen, aber alle anderen trugen Mäntel, obwohl die Verkäuferinnen in dünnen, ärmellosen Kitteln arbeiteten und er wollte nicht auffallen. Nur schnell weiter, nur schnellstens die restlichen Besorgungen machen und dann fort. Ins Wochenende. Er bezweifelte ob dies hier die richtige Art sei, einen freien Tag, einen Feiertag oder auch nur einen Feierabend zu begehen – mit Konsum.  Erfahrungsgemäß verhungerte niemand über ein Wochenende, schon gar nicht in ihren Breiten, selbst ein Brückentag war zu überleben, dachte er.

Der Einkauf hatte sich bereits von Anfang an als schwierig erwiesen. Schon kurz hinter dem Drehkreuz am Eingang war keine Einigung über die heutige Gemüsebeilage zu erzielen gewesen. Er hatte ihren Vorschlag von Karotten wohlwollend benickt, war auch der Alternative der frischen Bohnen gegenüber aufgeschlossen gewesen, doch offenbar weder in dem einen noch im anderen Fall ausreichend begeistert herübergekommen, so dass man die Entscheidung verschoben hatte. Ob er generell ihre Idee von einem klassischen Drei-Komponenten-Essen mit Kartoffeln, Fleisch und Gemüse bezweifle und lieber wieder etwas wolle, was man aus der Hand essen könne, wollte sie wissen. Er war sich nicht sicher. Es war ihm, wenn er ehrlich war, egal. Er maß dem Essen nicht die ganz große Bedeutung bei und fand, dass das neuerdings viel zu viele taten, bezweifelte aber, dass es gut ankäme, wenn er es ihr gegenüber erwähnte.

„Hast du den Zettel?“, riss sie ihn aus seinen Überlegungen. Er hatte ihn, irgendwo- wusste aber nicht mehr genau, ob in der Hosen- oder der Manteltasche. Er fand zunächst eine Handvoll Kassenbons von früheren Einkäufen. Er warf sie nie weg, obwohl er sie nie wieder brauchte, nie etwas umtauschte oder reklamierte. Warum er sie aufhob, hatte er sich nie gefragt, sich aber oft v Weiterlesen

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Reissalat im Crazy Horse

Früher war Silvester irgendwie aufregender.
Mutter rödelte in der Küche. Vater war noch bis 19.30 Uhr arbeiten. Ich bewunderte die Luftschlangen am Weihnachtsbaum. Das einzige Mal im Jahr gab es Reissalat, weil den außer mir keiner mochte. Nachdem Vater heimgekommen war, aßen wir und schalteten den Fernseher ein. Abgehalfterte Komiker aus den 60ern verbrieten alte Witze an ein dankbares Publikum.
Manches davon war wohl schweinisch, was ich an Vaters Lachen bemerkte. Schlagerstars sangen und die sonst so spröde Nachrichtensprecherin durfte für die Gala mal ihr Tiefdekolltiertes anziehen, was Mutter abfällig und Vater nicht kommentierte. Mutter war um zehn schon müde, legte sich auf die Couch und ließ sich von Vater die Füße massieren. Ich futterte Salzstangen.

Kurz vor Mitternacht öffnete Vater den Sekt und weckte Mutter. Im Fernsehen wurde eine Polonäse veranstaltet und die letzten Sekunden wurden heruntergezählt. Wir stießen an und wünschten uns alles Gute. Raus gingen wir nicht, denn in den letzten Jahren waren wir vom plötzlich redseligen Nachbarehepaar eingeladen worden, das sonst das ganze Jahr nicht mit uns sprach und waren bis 2 Uhr dort hängengeblieben.

Fünf nach zwölf begann die Sendung: Live aus dem Crazy Horse in Paris, die irgendwie keiner abschaltete. Mutter war zu müde und schon auf dem Sprung ins Bett und Vater schielte selber hin.
Ich verhielt mich ruhig. 20 Tänzerinnen, die alle gleich aussahen; in Glitzerfäden gehülllt und mit Kopfputzen, schwangen die langen Beine. 40 nackte Brüste! Als Mutter ins Bett ging, sah Vater, dass ich, mit einer Salzstange in der Hand, von der ich vergaß, abzubeißen, gebannt hinschaute und schaltete wortlos um.
Ich musste ins Bett, obwohl draußen noch laut geböllert wurde. Trotzdem hörte ich, kaum, dass ich im Bett lag, aus dem Wohnzimmer wieder die Revuemusik des Crazy Horse und versuchte mir die wenigen, hastig erhaschten Bilder wieder ins Gedächtnis zu rufen, worüber ich einschlief.

An Neujahr gab es Reste. Ich klaubte die Luftschlangen aus dem Baum und wickelte sie eng zu flachen Scheiben auf. Früher war Silvester irgendwie aufregender.

 

 

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-Autoreninterview mit Judith H. Strohm-

Mittlerweile ist es mir zu einer schönen Gewohnheit geworden, ab und an auch anderen Autorinnen und Autoren hier auf  -dingfest- Platz einzuräumen. Was uns Schreibende bewegt, woran wir arbeiten und was uns genau das erleichtert oder erschwert- all das sind spannende Themen: für andere Autoren wie für die Leser. Diese Woche hat sich Judith H. Strohm bereit erklärt, mir einige Fragen zu beantworten. Judith erlebt gerade eine der angenehmeren Facetten des Schriftsteller-Daseins: sie steht kurz vor der Veröffentlichung ihres ersten Buches. Allerdings ist das Prozedere in Judiths Fall ein etwas Ungewohntes. – Aber Näheres dazu erfährt man im Anhang, nun  endlich zur Autorin selbst:
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Hallo Judith. Danke, dass du dich zu diesem Interview bereit erklärt hast. Du lebst in Berlin und bist außerordentlich viel unterwegs- sowohl körperlich auf Reisen, wie auch im Netz und in verschiedensten Schreibgruppen. Kann man das so sagen? Erzähl mal ein wenig über die verschiedenen Seiten deines Schreibens.

Orte und natürlich mit ihnen die visuellen Eindrücke, der Geruch etc. vor Ort sind ganz sicher eine der wichtigsten Inspirationsquellen für mich. Entsprechend ist Reisen extrem wichtig. Dabei nehme ich aus Wolfenbüttel ebenso etwas mit wie aus Lahore in Pakistan. Das Schreiben an sich ist wie bei allen Autorinnen und Autoren ein schöpferischer Akt aus mir selbst heraus. Ich will nicht von der „einsamen Sache“ sprechen, da ich mich beim Schreiben nicht einsam fühle, aber es findet, ganz praktisch, alleine statt. Was ich im Anschluss jedoch für mich als extrem bereichernd empfinde, ist, dass ich mir unmittelbares Feedback einholen kann, und zwar nicht von engen Freunden oder meiner Familie, sondern von anderen Autorinnen und Autoren, sei es beim Autorenkombinat Komamndo Torben B. oder bei der Gruppe MischMash, die ich beide mitgegründet habe.
Last but not least ist auch das Netz eine für mich gewinnbringende Möglichkeit, mit einer (kritischen) Leserschaft im Kontakt zu sein und von ihnen Reflexionsanstöße zu erhalten.

Und das scheint Früchte zu tragen! Bei dir steht in Kürze etwas Großes an, nicht wahr?

Ich glaube, die Aufregung ist bei mir noch nicht angekommen. Mal sehen, ob das noch kommt.

Worum wird es sich handeln?

Tatsächlich freue ich mich sehr, dass der kladdebuchverlag meine Sammlung von zwölf Kurzgeschichten zur Veröffentlichung angenommen hat. Damit wird mein erstes Buch erscheinen. Das ist schon eine aufregende und beglückende Sache.

Die kurze Form ist ja durch die Vergabe des Nobelpreises an Alice Munro gerade ein wenig mehr in das Zentrum des Leserinteresses gerückt. Mir scheint bei der großen kanadischen Autorin der Begriff short-story oft etwas zu kurz gegriffen. Kurzgeschichten oder Erzählungen- wie nennst du deine Texte?

Ich selbst spreche von Kurzgeschichten, obwohl Literaturwissenschaftler meine Texte evtl. eher in die Tradition der angelsächsischen Short Story stellen würden. Ich selbst finde diese Kategorisierungen nicht so spannend. Das ist ja immer der unterschiedliche Fokus zwischen Kunst und ihrer Kritik. Die Literaturkritik macht aus der Kategorisierung eine Wissenschaft, spürt Traditionslinien und Brüchen nach. Das ist aber nicht mein Feld.

Sicher wirst du auch ständig, wie so viele Autoren, die sich mit der kürzeren Form beschäftigen, nach dem großen Roman gefragt. Ist das eine Option für dich? Etwas, das im Hinterkopf ist?

Ja, es gibt schon Leute die sagen: „Super, jetzt also zwölf Geschichten, demnächst also zwölf Romane?“ Dann wirkt die kürzere Prosaform immer wie eine Fingerübung zu etwas vermeintlich „Erwachsenerem“, „Großartigerem“. Tatsächlich plane ich momentan weder in kürzerer noch in fernerer Zukunft ein Romanprojekt, aber ich will auch nicht „niemals“ sagen.

Worin liegt für dich der Reiz kürzerer Texte?

Der Reiz liegt für mich in der Vielfalt der Kurzprosa. Sie ist sogar so vielfältig, dass selbst die Grenze zum Roman verschwimmt. Nimmt man beispielsweise von Alice Munro „Das Bettlermädchen: Geschichten von Flo und Rose“, so ist dies formal eine Kurzgeschichtensammlung. Tatsächlich begleiten diese die beiden titelgebenden Figuren jedoch durch viele Stationen ihres Lebens und es entfaltet sich ein Gesellschaftspanorama, wie es auch in einem Roman komplexer kaum sein könnte. Aus meiner Sicht werden die Möglichkeiten der Kurzgeschichte häufig leider unterschätzt. Insofern liegt für mich der Reiz auch darin, meinem Publikum diese Literaturform näher zu bringen.

Für diejenigen, die sich für deine Texte interessieren- kannst du sie ein wenig charakterisieren?- Gibt es Themen, die vorherrschen? Eine bestimmte stilistische Besonderheit? Dinge, die dich in deinen Geschichten besonders beschäftigen?

Ohne zu agit-prop-mäßig wirken zu wollen, blitzt in meinen Geschichten sicher die Tatsache durch, dass ich Politikwissenschaftlerin bin und ich in meinen Geschichten auch aktuelle politische Themen adressiere. Die Kunst ist, Drohnenattacken in Pakistan oder die tonnenweise Vernichtung von Lebensmitteln so in die Geschichten einzuflechten, dass die Leserinnen und Leser das nicht als aufgezwungen erleben, sondern über etwas stolpern, bei Lesungen nachfragen, zum Nachdenken angeregt werden.
Da ich meine Texte wirklich sehr gerne öffentlich vortrage, ist für mich die Lesbarkeit, so etwas wie Melodie und Rhythmus extrem wichtig. Dabei arbeite ich daran, dass Form und Inhalt Hand in Hand gehen. Es gibt zum Beispiel eine sehr lange Sequenz, in der jemand eine Treppe hochläuft, immer zwei Stufen auf einmal nimmt. Wenn ich diese Stelle laut lese, bin ich am Ende genauso atemlos wie der Protagonist, muss genauso eine Pause machen, um Atem zu holen.

Das klingt sehr spannend und macht mir und sicher vielen Anderen schon Lust auf dein Buch. Aber mal weg vom Inhaltlichen- Wie Patrice Talleurs Kinderbuch Flämmchen, das ich kürzlich hier vorstellte, und auch mein neuer Roman wird dein Buch im neu gegründeten kladde buchverlag erscheinen. Warum hast du dich für kladde entschieden?

Tatsächlich ist der kladdebuchverlag für mich ein völliger und sehr glücklicher Zufall. Ich war eigentlich voll auf „selfpublishing“ gepolt und führte bereits erste Gespräche mit einer Lektorin und einer Graphikerin, da auch ein selbst publiziertes Buch Qualität haben muss. Ich hatte von so viele jungen Autorinnen und Autoren über deren verzweifelte Agentur- und Verlagssuche erfahren, dass ich überhaupt keine Lust hatte, mich überhaupt da hinein zu begeben. Mein Anliegen ist, dass Menschen meine Texte lesen. Das kann ich heutzutage auch auf direktem Weg erreichen. Via Facebook wurde ich dann auf den kladdebuchverlag aufmerksam, habe nach dem Motto „ich habe ja nichts zu verlieren“ einen Text für eine Anthologie vorgeschlagen und zwei Tage später kam eine Email: „Wir wollen mehr!“ Ich glaube, die haben sich für mich entschieden und gar nicht so sehr umgekehrt.

Wie ist bisher die Zusammenarbeit mit den jungen Kreativen dort?

Super! Ich selbst bin ja auch eine „Macherin“, bin beruflich und ehrenamtlich sehr engagiert und habe daher große Sympathien für Menschen, die mutig etwas Neues wagen. Zugleich habe ich auch Spaß daran, eigene Ideen in das Buchprojekt einzubringen. Bisher lässt sich unsere Zusammenarbeit sehr gut an. Ich bin gespannt, wie es laufen wird, wenn es nun Ernst wird mit dem Start der Funding-Kampagne.
kladdeJetzt machen wir mal einen auf Werber! Warum sollte man dein Buch mit einem Funding-Beitrag unterstützen? 

Dieses Projekt ist unterstützenswert, da gute Literatur und neue Geschichten immer eine Bereicherung sind. Zudem zahlt sich die Investition in vielfältiger Weise aus. Denn das Buch wird ein sehr schönes, hochwertiges Produkt sein, aus tollem Papier und mit Lesebändchen. Zugleich unterstützt der Kauf kleine und mittelständische Unternehmen im Handwerk (Papiermanufaktur, Druckerei) und der Kreativwirtschaft (Start-up Verlag und die von ihm bevorzugten inhabergeführten Buchhandlungen) und last but not least wächst natürlich auch meine persönliche Motivation als Autorin noch bessere Geschichten zu schreiben. Das Interesse der Leserinnen und Leser ist ein sehr wichtiger Motor.

Was ist dein größter Wunsch derzeit? Im Schreiben und generell?

Der Weltfrieden? Im Ernst. Die Frage ist zu groß. Ich wünsche mir sehr, dass das Buchprojekt sein Publikum findet und realisiert werden kann, da das erfolgreiche Funding auf visionbakery die existentielle Bedingung für das Buch darstellt. Und für mich persönlich wünsche ich mir gerade mehr Zeit zum Schreiben. Neben Vollzeitjob, Familie und mehreren Ehrenämtern, ist das nicht immer einfach. Zugleich habe ich so viele Themen im Kopf, zu denen Geschichten erzählt werden müssen!

Wer wünschte sich nicht den Weltfrieden!? Aber ein vergleichsweise kleiner Wunsch im eigenen privaten und beruflichen Bereich ist sicher ebenso gestattet und wichtig. Ich wünsche dir ganz viel Erfolg mit deinem Buch und deinen weiteren Plänen! Vielen Dank für das nette Gespräch!

Wer Judiths Buch lesen möchte, sollte also nach Möglichkeit nicht in der gewohnten Haltung verharren, es zu erwerben, wenn es denn im Laden liegt. Aber wie geht es nun konkret?- 

Der kladde buchverlag, wird also bald schon im Vorfeld der Veröffentlichung gezielt nach Unterstützern des Projektes suchen, die den Druck des Buches mittels crowdfunding finanzieren. Der Leser wird auf der Plattform  visionbakery bereits vor der Veröffentlichung mit Informationen und Leseproben zu Text und Autorin versorgt und erhält die Möglichkeit, das Manuskript schon vor den späteren Lesern kennenzulernen und mit einer individuellen Unterstützung zu pushen. Vom risikofreien Kauf des Buches zum späteren Ladenpreis über das Vorbestellen eines signierten Exemplars bis zur Erwähnung des eigenen Namens im späteren gedruckten Buch sind zahlreiche Möglichkeiten gegeben, sich als Unterstützer direkt und unittelbar mit dem Projekt zu verknüpfen. Ein spannendes und innovatives Konzept, das dem jungen Verlag schon einige Aufmerksamkeit beschert hat.  Es sei somit noch einmal an alle appeliert, die mit dem Gedanken spielen, Judiths Buch zu erwerben: unterstützt schon im Vorfeld das Projekt und macht das Erscheinen mit Eurer Hilfe erst möglich! Ihr fördert eine junge Autorin, einen innovativen Verlag und werdet direkt Teil eines bemerkenswerten Konzepts!

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Kurzgeschichte: – Kafka zu Haus-

Wegen der guten Resonanz auf meine Kurzgeschichte von gestern hole ich diesen Beitrag noch einmal aus der Versenkung:

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-Kafka zu Haus-

Seit sechs Monaten wohnt Kafka jetzt bei uns. Es ist merkwürdig, ihn im Haus zu haben. Er ist kein einfacher Geselle. Allein sein Äußeres ist schon gewöhnungsbedürftig. Er hat dichte, feste, schwarze Haare und etwas übergroße Ohren, die daraus herausstehen. Seine Augen sind tiefschwarz, groß und rund. Oft schaut er leicht gequält in die Welt und verschlafen. Das kann daran liegen, dass er scheinbar keinen sehr ruhigen Schlaf hat. Jede Nacht in diesem halben Jahr, das er bei uns wohnt, können wir ihn hören, wie er sich auf seinem Nachtlager herumwälzt und komische Laute von sich gibt, als unterhalte er sich im Halbschlaf mit sich selbst in einer fremden Sprache. Meine Frau und ich haben gedacht, das höre sicher irgendwann auf, wenn er beginnt, sich heimisch bei uns zu fühlen, aber es scheint so, als haben wir uns geirrt. Tagsüber ist es dann ebenfalls nicht ganz einfach, ihn um sich zu haben. Er ist dann wohl übermüdet von der unruhigen Nacht und etwas schreckhaft. Er mag mich durchaus, obwohl mittlerweile klar ist, dass es wohl nie ein wirklich inniges Verhältnis werden wird. Ab und an wirkt er auch fast feindselig mir gegenüber, verzieht sich und will nichts von mir wissen. Frauen scheint er im Allgemeinen nicht sehr zu mögen. Zwar akzeptiert er meine Frau im Haus als weisungsbefugt, was die Mahlzeiten etc angeht, aber ihr und auch allen anderen weiblichen Wesen, denen er begegnet, tritt er mit einer fast schon kriecherischen Unterwürfigkeit entgegen. Als habe er überhaupt kein Rückgrat. Wenn diese dann näher mit ihm in Kontakt treten wollen, wird er aggresiv. Mit den Kindern kann er wenig anfangen, was diese zuerst etwas enttäuscht hat, aber sie sind lange außer Haus und Kafka will eigentlich nichts anderes als in Ruhe gelassen werden, deshalb stören sich ihre Kreise wenig. Am liebsten mag er es, wenn es morgens ruhig ist im Haus, ich meine Dinge tue und er herumlungern kann und aus dem Fenster sehen. Manchmal interpretiere ich sein Hinausstarren als Wunsch, ins Freie zu gehen und nötige ihn zu einem Spaziergang. Er folgt dann widerwillig und drängt sich beim Gehen immer eng an meine Seite, weicht nicht davon weg. Entgegenkommende ignoriert er, ob bekannt oder unbekannt. Er macht sich förmlich unsichtbar und manchmal ist mir sein merkwürdiges Verhalten beinahe ein wenig peinlich. Er besieht aber durchaus interessiert alles, was auf unserem Weg liegt, jedoch jedes Mal aufs Neue, als habe er es noch nie gesehen. Panische Angst jedoch hat er vor allem, was mehr Beine hat als er. Spinnen im Gebüsch, Käfer im Gestrüpp, all dieses Getier macht ihn rasend. Erst neulich konnte ich Zeuge werden, wie er plötzlich herumsprang und sich im Kreise drehte wie ein Irrwisch, scheinbar ohne jeden erkennbaren Grund. Erst bei genauerem Hinsehen, als mir das Schauspiel dann doch zu lange dauerte, stellte ich fest, dass eines dieser Tierchen der Auslöser dafür gewesen war. Es saß mitten auf Kafkas Nase und rührte sich nicht. Kafka jedoch schien in Panik, die dunklen Augen, zur Mitte verdreht, starr auf das Wesen gerichtet und zitternd am ganzen Leib. Ich entfernte es und Ruhe war. Kein Ton, keine Dankbarkeit. Bald schon war er wieder zu seiner in sich selbst versunkenen Art des Spazierengehens an meiner Seite zurückgekehrt. Seit sechs Monaten wohnt Kafka jetzt bei uns. Als mich neulich ein Nachbar ansprach, auf meinen Begleiter zeigte und fragte, wie sein Name sei, sagte ich: Kafka. Der Nachbar lachte und meinte, das sei ein saublöder Name -für einen Hund.

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