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Fabian Lenthe: In den Pfützen der Stadt… Rezension

Lenthe-Himmel

In den Pfützen der Stadt wächst ein Stück Himmel– so heißt der Debütband des 1985 in Nürnberg geborenen Fabian Lenthe. Exakt 100 Gedichte fasst der Band, kürzlich in Rodneys Underground Press erschienen.

Es wird eine Menge getrunken in diesen Gedichten, eine Menge geraucht (oder ist das nur der Eindruck?), das lange vor Monatsende aufgebrauchte Geld, die miesen Jobs und die Tristesse der Ein-Zimmer-Wohnung dominieren thematisch. Prosaisch das Ganze, lakonisch, schnodderig. Misanthropie, Lethargie- ah, ein neuer teutonischer Bukowski, denkt der Leser dieser Zeilen. Naja, natürlich ist der Ton ein Ähnlicher, aber wie so oft hinkt der Vergleich lieber, als dass er tänzelt. Prekäre Verhältnisse, ja. Sehr viel Hässlichkeit, Weltekel, ja. Wenig lyrisches Klingen, wenig empfindsam besungene Schönheit hier, natürlich.

Die jungen oder weniger jungen Männer des US-Underground, an deren Ton sich diese –nennen wir es: Schule- orientiert, waren in der einen oder anderen Weise: Kriegsheimkehrer, Versehrte, Augenzeugen von Weltkrieg II oder Vietnam (Buk selbst war ausgemustert) oder zumindest vom unheilschwangeren Klima des Kalten Krieges geprägt.
Die mehr oder weniger jungen Männer in den Gedichten, die heute noch und wieder als deren Echo daherkommen, der junge Mann in Fabian Lenthes Gedichten, sind friedensverwöhnt und haben in der Regel wohl nur wenig Blut gesehen, höchstens das von Mutters Sonntagsbraten. Ihre Fronten aber haben sie auch: spätkapitalistisches Ennui, soziale Kälte, veränderte Arbeitsverhältnisse. Die Angst vor dem Ivan ist wohl ersetzt durch die Angst vor IS-Terror und der Weltekel war nie zeitlich oder politisch gebunden. Dass das also eine Haltung und damit Tonfälle sich ähneln- gar nicht so verwunderlich. Jede Zeit kann ihren Genossen Hölle sein und sie zwingen, eine Zeit darin zu verbringen. Rimbaud mit seiner Saison en enfer kommt als Säulenheiliger nicht aus der Mode.

Ich mag einige Gedanken in Fabian Lenthes Texten sehr: bei all diesem puren Aushalten, dieser eigentlichen Unerträglichkeit der Tage gibt es den roten Faden der Poesie. Das Gedicht –es muss nicht lang oder kurz, nicht einmal gelungen oder großartig sein- fungiert hier mitunter als alternative Währung, mit der auch der pardon beschissenste Tag eventuell noch etwas zurückzahlt.

Und dann fasziniert mich, wie häufig und scheinbar folgerichtig sich in ähnlichen Texten wie auch in Lenthes der Underground-Ton und der Tonfall der Neuen Subjektivität eines Nicolas Born oder Jürgen Theobaldy berühren. Da sind einige Gedichte in diesem Band, die über die Tristesse hinaus eine Vermutung, eine Möglichkeit von Schönheit andeuten und es sind nicht die schlechteren Momente des Kollegen Lenthe- beileibe nicht!
Dieses wunderbare Ampelgedicht, der Text mit geteilten Fritten und Coke, einige weitere…hier passt jedes Wort und die zaghafte Zweisamkeit erhellt kurz all das Grau, überlagert den ganzen Müll und Beton zumindest als ein Versprechen. Ohne Loser-Pose gehen hier plötzlich Lakonie, Naivität, (Selbst-)Ironie und Schnoddrigkeit ein Stück lang Hand in Hand, auf beinahe ebenso schöne Weise wie in Nicolas Borns Gedicht: Eine Liebe.

Und da lohnt sich dann diese Haltung, die beinahe bemüht erscheint, alles allzu Schöne und Luftige zu übersehen, dieser Blick, der sich nicht zum Himmel und den Sternen richtet, sondern abwärts: zu Dreck und Müll und Asphalt. Derart eingestellt leuchtet dann ein zwischen Abfällen verlorener kleiner Schatz umso mehr.
So wächst in diesen dreckigen Pfützen der Stadt (also ist auch das Wetter pardon Scheiße) immerhin ein Stück Himmel und im letzten Satz des Bandes (tatsächlich eine Art Rimbaud- Zitat, den wir oben schon ins Spiel brachten) ist der Tag in der Hölle immerhin: ein schöner!

Er kann eine Menge, dieser Fabian Lenthe. Sein Blick ist frisch und genau, er braucht wenige Worte, um Stimmung zu erzeugen und er verfügt über die Grundzutat für wirklich gelungene Texte: Humor. Ein alles in Allem vielversprechendes Debüt!

 

In den Pfützen der Stadt wächst ein Stück Himmel – Gedichte
Rodneys Underground Press
Softcover / 116 Seiten / 8,95 EUR

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Lütfiye Güzel -Nix Meer- Rezension

güzel

Lütfiye Güzel, von der Kritik gerne als Vorzeige-Poetin aus der Problemkultur und dem Problem-Bezirk Duisburg-Marxloh als Beispiel für gelungene Integration und Bildungspolitik ins Feld gefügt, legt mit Nix Meer einen neuen Band vor.
Ausgesprochen gelb ist er- Capri-gelb: Capri, das Sommerferien-Gedächtnis-Eis, das Eis der Kindheit.

Oder ist er eher UHU-Gelb, klebrig, leidig mit Erinnerungen an misslungene Bastelstunden belegt –wenn man damit zu arbeiten versuchte, waren bald sämtliche Fingerkuppen mit einer Schicht überzogen, die man nur mit langem, langem Rubbeln allmählich wieder abbekam. Gelang es einem, langsam langsam ein großes Stück auf einmal zu lösen, zeigte es manchmal den eigenen Fingerabdruck im Negativ.

Aber noch schnell zum Titel: Nix Meer, kein Idyll, wie gesagt, kein Sehnsuchtsort- oder doch? Das Meer, die See als Spiegel der Seele- oft benutzt, oft gelesen. Aber hier: Nix da! Nix Meer! Da war mal was- jetzt ist das nix mehr? Dazu passten die monochromen, unscharfen, ferienidyll- untauglichen Fotos müde schwappender See, die dem Text vorangestellt sind.

Als literarische Form steht hie weder Lyrik, noch Gedichte- sondern: Episode. Es ist ein Langgedicht, eigentlich, aber ist nicht jeder Text eine neue Folge aus dem Leben des Autors oder zumindest seinem Schreibleben.

Aber es ist nicht nur der Band schön gelb und der Titel bedenkenswert, sondern auch der Text außerordentlich lesenswert. Nach den auffällig unbevölkerten Seebildern kommen 65 Seiten, die es in sich haben.

Ja, wie soll man diese Art Literatur nennen: urban-social-off-beat-slam-underground?– Völlig latte. Lütfiye Güzel scheint zu schreiben, wie ihr der Schnabel gewachsen ist. Prosaisch, auf den ersten Blick wenig lyrisch, mal lange, mal kurze Sätze. Aber Sonettenkränze durfte man hier wohl auch nicht erwarten.
Schon Goethe sagte: „die Literatur kommender Jahrhunderte wird eine bekenntnishafte sein“ und in Güzels Text ist das lyrische Ich wohl tatsächlich recht nah an der Autorin, sind die Wirrnisse, die sie schildert wohl wirklich die Ihren und nur unwesentlich literarisiert. Man könnte diesen Band als das Porträt einer Depression bezeichnen, aber auch ein Diagramm der Auflehnung dagegen. Immerhin ist einer der Pole, zwischen denen das Ich pendelt, die Praxis des Therapeuten, in der sie sich dann aber doch fragt, warum sie ganz offensichtlich auf der falschen Seite des Tisches sitzt.
Neben ihrem unverwechselbaren Sound zwischen Lakonie, Pathos und Witz ist es eben diese unglaubliche Ehrlichkeit, die aus den Zeilen und Absätzen dieses Langgedichtes spricht und die bei Lütfiye Güzel nie zur Pose gerät.

Das Ich dieses Textes schwankt bei der Wahl ihres Sehnsuchtsortes zwischen Meer und Couch. Der DVD-Player scheint attraktiver, Selbstgespräche und fiktive Dialoge mit Johnny Depp und anderen gehen als Kommunikation gerade noch so. Ansonsten geht das Ich durch die mit Menschen bevölkerten Straßen wie eine Feldforscherin in entlegenen Gebieten, fremd und be-fremdet.

Es geht auch ums Schreiben in Nix Meer, um das Zu-Wort-Kommen und das eben nicht- das Schweigen, das Verstummen. Schlagen wir doch einmal bei Lord Chandos und in seinem nach ihm benannten Brief nach, dem wichtigsten literarischen Dokument der kulturellen Krise um die Jahrhundertwende 1900. „… ein unerklärliches Unbehagen, die Worte ‚Geist‘, ‚Seele‘ oder ‚Körper‘ nur auszusprechen, [denn] die abstrakten Worte, deren sich doch die Zunge naturgemäß bedienen muß, um irgendwelches Urteil an den Tag zu geben, zerfielen mir im Munde wie modrige Pilze“
Denn bei allem Drive, bei aller Lakonie, die Güzel stilistisch zur Schau stellt, wird hier auch sehr genau über den Zusammenhang zwischen dem Gehalt und der Gestalt des Wortes an sich nachgedacht. Bei Lütfiye Güzel lautet die Frage: Ist denn VERZWEIFLUNG nur ein Gebilde mit 12 Buchstaben waagerecht oder eben mehr? Eine Ansammlung von Zeichen, aber bilden sie ab, was sie bedeuten? Wenn nicht- wie und warum dann Gedichte schreiben, warum Literatur? Hier liegt ebenso ein Wortekel und ein daraus folgendes Verstummen in der Luft, die Einsicht, Nix Me(e)(h)r schreiben zu können- zu müssen. Chandos reloaded? Die aufstrebende Moderne und das Fin de Siècle- parallel geführt zu unserem Netz und Netflix-Zeitalter?

Und, ach, es ist ja das Gedicht –gerade das moderne- so sehr ein Konstrukt ohne konkreten Nutzwert. Die Geschichten überbringen die Erzähler, für Unterhaltung sorgen die Slammer und den Witz steuern die Comedians bei- aber was bringt das Gedicht so oft: Verwirrung, Unzugänglichkeit, sperrige Konsumierbarkeit. Es hinterlässt keine wohlige Mattigkeit, es bringt Unruhe, fordert, verlangt- nicht gerade das, was der durchschnittliche Mensch sich freiwillig regelmäßig antut.

So ist das Gedicht per se subversiver Akt und immer: Kommunikationsmittel
Auch in Lütfiye Güzels Text kommt dem lyrischen Ich diese Erkenntnis: über diese kleinen gemeinen Bandbomben in heimischen Wohnzimmern gelangt man mitunter zu der, wenn auch stillen, Verständigung mit Menschen, die man im Normalfall eher mit dem Blick des Anthropologen betrachtet.

Nix Meer ist eine lohnende, typische Güzel-Lektüre. Weitestgehend prosaisch und klar, aber unterlegt mit einer großen Melancholie und poetischen Einsprengseln, die sich beim Leser einschleichen und festsetzen.
Klug, authentisch und berührend- bleibt nur zu sagen: Go! Güzel!

Lütfiye Güzel
Nix Meer
Go-güzel-publishing
65 Seiten, 12€

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Rezension „Landschaft mit großem H“ auf: dasgedichtblog.de

landschaft mit großem h

Heute erschien auf: dasgedichtblog.de Hellmuth Opitz` Rezension meiner „Heimatgedichte“ im Bändchen „Landschaft mit großem H“. Ich freue mich sehr!
Der Rezensent meint:

„Wenn einen schon keine ausgeprägte Mundart heimatlich bettet, muss man die Augen scharf stellen, um Aussagen über das innere und äußere Zuhause machen zu können. Das gelingt Matthias Engels in seinem kleinen quadratischen Gedichtbändchen »Landschaft mit großem h« sehr überzeugend. Da geht es nicht um geografische Verortung, sondern um präzise Vermessung der inneren Koordinaten, zum Beispiel an einem x-beliebigen Morgen. Die ersten drei Strophen des Gedicht »Morgen, tarnfarben« beschwören den Wunsch des Verschwindens im Niemandsland zwischen drinnen und draußen, zwischen Innenwelt und Außenwelt: »heute keine milch und im kasten / nur schwarze post und möglichkeiten / sich abzusetzen wären gegeben gewesen // der park sagte tarnfarben morgen / ungarnte dich mit tau doch / du wurdest heimgekehrt // und nun das giftige blinken der feststation / und weitere anrufe in anwesenheit / obwohl du dich an unsichtbarkeit versuchst«.
Aber so gern das lyrische Ich auch abtauchen möchte, die Außenwelt hat sich in Form elektronischer Medien längst eingeschlichen und wartet auf Beachtung und Reaktion. Heimat wird hier nur im Mangel deutlich, im Vermissen eines Rückzugsortes, an dem man sich ohne Verpflichtungen und Verbindlichkeiten eine Tarnkappe aufsetzen und so unsichtbar werden kann. Schön, wie Matthias Engels hier der Schwarz-Weiß-Optik der Zivilisation in der ersten Strophe die Tarnfarben der Natur in der zweiten Strophe dialektisch entgegensetzt. Wenn man in einem Landstrich zuhause ist, der sich dem Betrachter nicht mit Sehenswürdigkeiten an den Hals wirft, wie zeichnet man dann ein aussagekräftiges poetisches Profil? Matthias Engels gelingt es im »heimatgedicht« mit einem scheinbaren Paradoxon: der Präzision des Ungefähren: »an den rändern franste das plane / aus ins krause, ins dickicht, / ins drohen der diaspora«. Auch so poetisch kann man Provinz auf den Punkt bringen.“

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Noch mehr interessante Titel zum Thema bespricht Hellmuth Opitz im Originalartikel: http://www.dasgedichtblog.de/heimatleuchten/2017/04/03/

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Rezension: Das Meer ist ein alter Bekannter, der warten kann. Michael Starcke, gestorben am 19.02.2016

Das Meer ist ein alter Bekannter, der warten kann.


wenn die strandkörbe

weggekarrt werden
und leere gähnt,
als kehre keiner zurück,
während er, der baum vorm
haus, kein schaulustiger,
aber ein hoch gewachsener traum,
den horizont fest im blick behält.

So endet Michael Starckes Gedichtband: Das Meer ist ein alter Bekannter, der warten kann. Dass es nicht nur letzte Worte eines Buches, sondern ebenso letzte Worte eines Dichters sein würden, war bei Drucklegung nicht absehbar. Der Band erschien in gewohnt liebe- und prachtvoller Gestaltung vor wenigen Tagen im Elif Verlag in Nettetal und nur ein paar  weitere wenige Tage später, am 19.02., verstarb Michael Starcke 66jährig in Bochum. So wird dieser schöne, dem Meer gewidmete Band ein Vermächtnis.

Das Meer war Michael Starcke offenbar nicht nur ein alter Bekannter. Unter dem Begriff  Heimat  definiert ein Lexikon:
„Die Menschen sind an ihre Heimat durch ihre Geburt und ihre Kindheit, ihre Sprache, ihre frühesten Erfahrungen oder erworbene Affinität gebunden.“
Letzteres, die erworbene Affinität, traf wohl für den gebürtigen Erfurter und späteren Ruhrgebietler Starcke zu. Das Meer als Wahlheimat, Rückzugsort, Seelenverwandter. Und: Die Seele ist hier als Referenz nicht zu hoch gegriffen, denn das Herkunftswörterbuch des Duden weiß:

Das altgermanische Wort mhd. sele, ahd. se(u)la, got. sai-wala,  ist wahrscheinlich eine Ableitung von dem unter See behandelten Wort mit der Grundbedeutung “die zum See Gehörende”. Nach alter germanischer Vorstellung wohnten die Seelen der Toten im Wasser.

Die Gedichte des Bandes sind lang im Vergleich zu anderen, in etwa eine Druckseite, meist drei- oder vierstrophig und von der Nüchternheit konzentrierter wie beiläufiger Notate, der Prosa recht nah mitunter. Behutsam rhythmisiert, unterschwellig mit Motiven durchzogen, die auch die Grenzen des einzelnen Gedichts überschreiten und sich durch den gesamten Band ziehen. Die Wandelbarkeit des Wassers, das Meer als Spiegel, das Schwanken zwischen Beruhigung und Bedrohung.

Wir alle kennen das; kennen auch das Gehen auf Sand und das stundenlange Starren auf Horizonte und wissen um die Emotionen, die es auslösen kann. Das Meer als Null-Linie, als Projektionsfläche, Ausgangsplattform für Gedanken, Pläne, Abenteuer- wir alle kennen das. Doch festhalten können wir es selten- Michael Starcke konnte es.


die farbe des meeres
erinnert
an ein verlangen, vielleicht,
dass es Zukunft heißt.

Dabei ist es unerheblich, um welches Meer es sich handelt- es ist das Meer, obwohl die Gedichte große Vertrautheit mit einem bestimmten Ort vermuten lassen: prägnante Referenzpunkte wie der Baum vor dem Fenster wiederholen sich, jedoch -als den wechselnden Stimmungen unterworfene Details- immer wieder verändert.

Der Grundton der Gedichte ist ruhig und reflexiv, Seemannsromantik gibt es keine. Die Liebe zum Element und der Umgebung ist tatsächlich eher eine Liebe zum Zustand Meer, den viele von uns gut kennen: Auszeit, verhältnismäßige Kleinheit, Unbedeutsamkeit gegenüber der Urgewalt, Relativierung der Umstände und Wichtigkeiten. Meer heißt auch Unendlichkeit, Unbezwingbarkeit und das ein oder andere Boot in Michael Starckes Gedichten trudelt scheinbar willenlos und fremdbestimmt entlang der Horizontes und der Zeilen der Texte. Der Dichter registriert es, doch der Mensch und sein Tun sind zu klein, um in seinen Texten mehr als eine Statistenrolle einzunehmen.


und doch:
die menschen am ufer
werden davongehen
und einmal nicht mehr
zurückkehren. andere menschen
werden sie ersetzen,
um die welt später
zu verlassen wie einen traum.

Zentral bleibt: das Meer und sein alter Bekannter, der Dichter-nicht etwa Freund, dafür ist der eine von beiden zu groß und zu undurchschaubar. Man kennt sich, man schätzt sich, man duldet sich- bei gutem Benehmen- auf Zeit.
In der besonnenen, klugen Ruhe der Gedichte dieses Bandes liegen Kontemplation wie Denkanstoß zu gleichen Teilen. Entspannung durch Konzentration- nicht durch Zerstreuung- mit einem weiten Blick und geöffneten Horizonten.
Michael Starckes Buch ist eine Meditation über das Meer, eine Auseinandersetzung mit dem eigenen Gewicht und der Vergänglichkeit und als solche ein berührendes und gewichtig-schwebendes, gültiges Schlusswort eines Dichters, dessen Stimme fehlen wird.


in letzten träumen
suche ich
meine Anlegestelle, das Meer,
gehe schaukelnden schrittes
an land.

 

ELIF VERLAG, Nettetal ISBN 978-3-9817509-2-8 76 Seiten, €13,95

Michael Starcke (1949-2016) lebte und arbeitete als Lyriker und Rezensent in Bochum. Mitglied im VS, in der europäischen Autorenvereinigung DIE KOGGE und im PEN-Zentrum Deutschland. Verschiedene Auszeichnungen und Preise, u. a. den Alfred-Müller-Felsenburg-Preis für aufrechte Literatur (2013) Zahlreiche Veröffentlichung in Literarischen Zeitschriften und Anthologien. 26 eigenständige Veröffentlichungen. Beiträge im Bayrischen Rundfunk, im WDR und in Radio Bozen.

 

 

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