Hermann Borgerding: the last song

last-song

Wer meinen Lyrik-Geschmack anhand meiner bisherigen Rezensionen ein wenig kennenlernen konnte, weiß, dass ich nicht allzu viel Zugang zur sogenannten Underground-Lyrik habe.
All die Kneipen, die Fluppen und Drogen interessieren mich meist nicht- Sex schon, aber nicht in der dort üblichen Darreichungsform. Das Meiste dort kommt mir aufgesetzt vor und leblos wie all die längst toten Rockstars, die gern darin herbeizitiert werden.

Anders, ganz anders, ist das bei den Texten Hermann Borgerdings, meinem aus dem Ruhrgebiet zugezogenen Münsterland-Kollegen.
Vorab: ich finde Udo Lindenberg schon immer schlichtweg unerträglich und die Stones lächerlich und peinlich -sorry, Hermann!-, aber in Hermanns Gedichten, auch dem eben erschienenen The last song finde ich daneben eben immer eine echte poetische Qualität. Auch dort wird gequalmt und mal ein Bier gekippt, auch hier heben mal Jim Morrison oder andere das müde Haupt, aber hier ist es keine aufgesetzte Haltung, keine teutonische-Bukowski-Maskerade: in The last song schreibt Hermann, der sich leider Gottes viel zu gut damit auskennt, von den letzten Dingen. Und das in einer melancholisch- resignierten Rotzigkeit, die mir außerordentlich gut gefällt. In scheinbar kunstloser, schlichter Sprache drängt hier eine Ehrlichkeit und Dringlichkeit des Gesagten durch, die fast schmerzt, so sehr mensch ist sie.
Hermann ist keiner, der tut, als sei er Dichter- Hermann ist ein Dichter, der mitunter so tut, als sei er gar keiner!
Ich hoffe inständig, dass dies nicht sein letztes Gedicht bleiben wird.

Es ist ein kleines, dünnes Bändchen der Reihe Verstreute Gedichte des Gonzo Verlags (Schande über mich, dass ich die nicht längst sammele!), das dieses neue Langgedicht enthält, das frei und locker komponiert daherkommt; wie dahingeschrieben bei einem Badeausflug an einem münsterländischen See.

Kleinigkeiten und sehr Großes geben sich dabei die Hand und dieses Gedicht, dessen Thema des eigenen Todes darin omnipräsent ist, enthält auf wunderbare Weise ganz ganz viel Leben (und das für 3€!)

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Hermann Borgerding
the last song
Verstreute Gedichte X
Gonzo Verlag, 3€

 

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