Bullerbü brennt:…in ihr Leben geschrieben

 

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Nun, Jan, bei aller Bescheidenheit, hast du dich doch –das musst du auch mal bedenken- recht schamlos und ziemlich tief in ihr Leben eingeschrieben, dich ohne Skrupel tief in die weichen Seiten ihrer Biographie geritzt und zwei Kinder in auch ihre Welt gesetzt. Du tauchst täglich in ihrer Geschichte auf und alles, was ihr geschieht, ist auch mit dir verknüpft und lässt sich aus anderer Sicht auch in deiner Vita lesen. Mit welchem Recht ist das geschehen, frag ich dich. Du glaubst, ihr Einverständnis zu haben, es sei ja ihr Wunsch gewesen, dass ihr gemeinsam daran schreibt und schließlich täte sie ja das Gleiche und mache ebenso einen guten Teil deiner Biographie aus. Das stimmt auch, aber du weißt nur zu gut, Jan, dass deine Geschichte ohne ihr Zutun recht öde und trist geblieben wäre, viele Leerstellen und breite weiße Ränder aufgewiesen hätte, zwischen denen- deiner Unentschlossenheit und Zaghaftigkeit geschuldet- nicht allzu viel passiert und das Meiste vermieden worden wäre. Du brauchtest sie als Ghostwriter, der dir ein Leben auf den Leib schreibt: eines, das realistisch ist, den anderen gleicht- ähnlich genug, aber dabei ausreichend individuell. Sie hat dich großzügigerweise eingeladen, das Gleiche bei ihr zu tun, obwohl sie es nicht so dringend gebraucht hätte, denn ihr wäre auch so etwas eingefallen.

Und das –dies zum Schluss- tat sie, da ihr ihr Leben nicht aus unerklärlichen Gründen so wichtig ist wie dir deines, sie ihres nicht wie du deines für zum Kunstwerk vorherbestimmt hält und nicht versucht, es um jeden Preis rund und perfekt und unschöne, langweilige Passagen daraus fern zu halten. Zugegeben: Da sie sich –anders als du- gern und viel mehr in der Welt bewegt, bleiben viel mehr Teile ihres Lebens von dir unberührt als Teile von deinem durch sie. Und dennoch wirst du in ihrem stehen, selbst, wenn du einmal nicht mehr aktiv daran mitschreiben wirst, du hast deine Spuren darin hinterlassen und auch die noch leeren Seiten mit einer Art Wasserzeichen besetzt. Natürlich ist es bei dir genauso. Vielleicht, magst du einwenden, war das Ziel von jeher eine einzige Geschichte, die nicht trennbar ist in deine und ihre, aber das ist eine romantische Vorstellung, die nicht den Tatsachen entspricht. Ihr habt einander Geschichten verpasst, euch gegenseitig als der Jan und die Sonja erschaffen, die ihr nun seid und ihr seid Zufallsschöpfungen- weit weniger aktiv geplant entstanden oder schicksalsbestimmt, als man annehmen möchte. Es hätte –mit nur geringfügig anderen Konstellationen- tausend andere Jans und Sonjas geben können und entscheidend werden letztlich die Enden eurer jeweiligen Geschichten sein und das weißt du. Und während Sonja ihres interessiert, fürchtest du deines noch immer.  

 

 

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