Mann vs Kafka

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Wer ist größer?- Thomas Mann oder Franz Kafka?
Die wohl prägendsten deutschsprachigen Autoren des 20. Jahrhunderts –sorry, Herr Grass– werden ja oft gegeneinander ausgespielt und als Frontfiguren sich gegenüberstehender Fraktionen gesehen.
Tante Google sieht den Lübecker erstaunlich klar vorne, wenn man nach der Anzahl der Suchergebnisse geht: 124 000 000 gegenüber 9 400 000 bei Kafka.
In der Menge an Sekundärliteratur über das jeweilige Werk dürften sie sich kaum unterscheiden- wenn auch Thomas Manns Frau Katia bis zu ihrem Tode  immer betonte, über ihren Gatten würden weit mehr Doktorarbeiten geschrieben „als über diesen, diesen… Kafka.  

Mann schien eine Weltliteratur-Maschine zu sein: so viele Kanon-taugliche Titel hat wohl kaum jemand geschaffen: beginnend mit den Buddenbrooks, über den Zauberberg, die Joseph-Romane bis zum Doktor Faustus. Er war schon zu Lebzeiten eine anerkannte Größe und der einzige Autor, der ernsthaft für einen zweiten Literatur-Nobelpreis im Gespräch war.
Anders als Kafka hat er m.E. aber keine „Schule“, keinen Stil geprägt. Kafkas Haltung, seine Themen sind -posthum und quasi nur durch eine Entscheidung seines Freundes Max Brod- nach und nach zu einer Blaupause der Literatur nach 1945 geworden- anwendbar auf den modernen Menschen in verschiedenen Systemen und interpretierbar in fast alle Richtungen.

Also: kann man so fragen- Wer ist größer?
Wahrscheinlich nicht. Da ist es wie bei den Stones und den Beatles.
Aber man kann fragen: Wen mögt, wen lest ihr lieber? Ich bin mir sicher, dass es wenige geben wird, die beide gleich wertschätzen.

 

 

 

2 Kommentare

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2 Antworten zu “Mann vs Kafka

  1. ICH nehme als Kompromiss den nobelbekleideten Hesse, obwohl er in der Google-Hitliste etwas hinter Mannkafka herhinkt…

    Doch wenigstens schlafe ich bei seinen Büchern nicht so schnell ein wie bei allen Mann-ischen,

    und muss nicht andauernd darüber nachdenken, was der Kafka eigentlich tatsächlich meint…

    Liebe Septembergrüße vom Lu

  2. Ich würde behaupten, beide im Grunde gleich wertzuschätzen. Weiterhin bin ich der Meinung, dass beide derart unterschiedlich geschrieben haben in Form, Inhalt, Thema, Stil und sogar Gattung, dass es gar kein Problem ist, beide in jeweils ihrer eigenen Kategorie ganz zuvörderst zu stellen, gleichberechtigt neben dem Zuvördersten in der anderen Kategorie. Hesse ist für mich, neben die anderen beiden Genannten gehalten, nicht so groß; ein ziemliches Leichtgewicht.

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