Er ging ja spazieren, um die Luft fremder Bücher zu atmen

kien

 

Heute einmal ein sehr schönes Zitat aus Elias Canetti: Die Blendung  (1935)

„Sein Gesicht kannte er nur flüchtig, aus den Scheiben der Buchhandlungen. Einen Spiegel besaß er zu Hause nicht, vor lauter Büchern mangelte es an Platz. Aber dass er schmal, streng und knochig war, wusste er: das genügte.
Da er nicht die geringste Lust verspürte, Menschen zu bemerken, hielt er die Augen gesenkt oder hoch über sie erhaben. Wo Buchhandlungen waren, spürte er ohnehin genau. Er durfte sich ruhig seinem Instinkt überlassen. Was Pferde zuwege bringen, wenn sie in ihre Ställe heimtrotten, gelang ihm auch. Er ging ja spazieren, um die Luft fremder Bücher zu atmen, reizten ihn zum Widerspruch, sie frischten ihn ein wenig auf. In der Bibliothek lief alles wie am Schnürchen.“

 

 

 

3 Kommentare

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3 Antworten zu “Er ging ja spazieren, um die Luft fremder Bücher zu atmen

  1. „Die Blendung“ gehört zu meinen Favoriten und Kien zu meinen liebsten Figuren.

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