#indiebookday

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Natürlich komme auch ich -als Autor & Buchhändler- nicht umhin, etwas zum indiebookday zu sagen.
Eine gute Aktion, die dazu beitragen soll, Bücher aus unabhängigen Verlagen in die Buchhandlungen und an den Leser zu bringen. Seien wir ehrlich: wie viele Läden führen überhaupt noch solche Titel?
Der Händler in mir sagt: „Kosten/Nutzen-Rechnung. Muss man sich leisten können. Star-Autor XY bei Großkonzern YZ läuft nun einmal von allein und wird nachgefragt. Der unbekannte Autor YY vom Kleckerverlag ZZ eben nicht.“
Viele Leser sagen: „Was nicht in den Läden liegt, kann auch nicht verkauft werden!“
Recht haben sie.
Der Autor in mir sagt: „Eine Schande, dass es nur so wenige Indie-Titel schaffen, ein kleines Quantum Aufmerksamkeit zu bekommen, trotz bester und engagierter Verlagsarbeit.“
Aber er sagt auch: „Was für ein Glück, dass es einzelne, hochmotivierte Buchhändler und Verlage gibt, die trotzdem weitermachen, die Qualitäten eines Titel herausstreichen und ihn verkaufen, wenn es der richtige für den jeweiligen Leser ist- die nicht zur bewährten Bestseller-Alternative greifen.“   

Wir (indieautoren) schaffen es zumeist nicht in die großen Magazine und Zeitungen, unsere Bücher werden nicht im Fernsehen diskutiert. Unsere Leser haben es schwerer, uns zu finden. Sie müssen uns schon suchen, abseits der Stapel und Pyramiden in den großen Läden. Und: sie finden uns. Allerdings immer noch viel zu selten und viel zu schwer.
Unsere Verkaufszahlen unterschreiten jede der schriftstellerischen und verlegerischen Bemühungen und Arbeit angemessene Zahl spielend, Geld verdient hier keiner ernsthaft. Uns bietet sich aber das Feld der Literatur-Blogger und des Netzes generell.

Und so bleibt uns oft nur die Freude über die Resonanz in diesem kleinen, sehr begrenzten Biotop- kaum messbar: nicht in Euro, in zwei, drei verkauften Exemplaren eventuell- und dennoch: Freude.cover passagen

So, wie ich mich freute über das Engagement Hauke Harders von der Buchhandlung Almut Schmidt für meinen im Herbst erschienenen Roman, den er gleich zu einem seiner „Leseschätze“ auf dem hauseigenen Blog kürte. Es zeigte sich dort, dass der Titel -lag er erst einmal gut sichtbar im Laden- sich gut gegen Ware größerer Verlage behaupten konnte, wenn ein motivierter Buchhändler sich dafür einsetze.
Vielen Dank dafür.

Hier noch einmal Hauke Harders wunderbare Besprechung:

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Ein historischer, literarischer Spaß, der sich mit zwei gegensätzlichen Autoren beschäftigt. Die Handlung beginnt kurz nach Neujahr 1882 und der junge Oscar Wilde betritt in New York Harbor eine neue Welt. Knut Hamsun schifft in Bremerhaven ein und macht sich auch auf den Weg nach Amerika. Oscar Wilde, bereits berühmt, tritt eine umfangreiche Vortragsreise an und wird in den amerikanischen Großstädten begeistert empfangen. Auf Knut Hamsun dagegen wartet niemand.

Hamsun, der damals noch Knut Pedersen hieß, träumte von einem Leben als Schriftsteller. Doch sein erhofftes Bild von den USA und seiner Karriere wird durch die Realität ernüchtert. Statt mit Literatur verdient er sich den Lebensunterhalt mühsam mit Gelegenheitsarbeiten.

Ein biographischer Roman, der mit Fakten spielt und ein lesenswertes Panorama der damaligen Zeit und Literatur beschreibt. Der Roman erzählt episodenhaft und kurzweilig aus den stets wechselnden Perspektiven der Protagonisten, die sehr gegensätzlich waren und gänzlich andere Lebensweisen hatten. Hamsun, der lange unbekannt war und hart arbeiten musste um sich die Rückfahrt nach Norwegen leisten zu können, steht dem dandyhaften Iren gegenüber, der berühmt war und sich feiern ließ. Der biographische Roman enthüllt aber auch Parallelen der Literaten. Beide eint u.a. die Liebe zur Kunst und ihr jeweiliges Werk hat im heutigen Kanon der Weltliteratur noch ihre Gültigkeit.

Für beide beginnt die große schriftstellerische Karriere erst nach der Rückkehr in ihrer jeweiligen Heimat. Bald gehört Wilde zur europäischen Avantgarde und Hamsun erhält sogar den Literaturnobelpreis. Doch Ruhm ist vergänglich und beide erleben existentielle Schattenseiten kennen. Wilds Homosexualität lässt ihn die Macht der Presse und der Gesellschaft spüren. Hamsun erlebt, trotz wachsenden Ruhms und der Verleihung des Nobelpreises 1920, zunehmende Vereinsamung und Entfremdung. Hamsun verstrickt sich ins Politische gerade durch seine Haltung zum Nationalsozialismus. Beide Schriftsteller sterben geächtet und verbittert.

Engels lädt den Leser ein, sich mehr mit den beiden Schriftstellern zu befassen. Man kennt beide Biographien, verfolgt dennoch gebannt den Verlauf dieser Geschichte, die auch ein tolles Portrait der damaligen Zeit und deren Errungenschaften ist.

Der Autor, ebenfalls Buchhändler, hat sich in anderen Werken schon mit Persönlichkeiten der Literatur beschäftigt. Er nähert sich diesen gekonnt und mit viel Feingefühl. Ein Roman, der sich durch die kurzen Passagen sehr kurzweilig und unterhaltsam liest. Als Leser kommt man diesen unterschiedlichen Menschen sehr nahe.
Die Kapitel beginnen neben den Ortsangaben mit Logbucheinträgen, ergänzt durch Datum und Wetter, die eine Stimmung passend zum folgenden Kapitel und Protagonisten aufbauen. Ebenfalls werden kurze Einblicke in das Zeitgeschehen des 19. Jahrhunderts mit deren großen Erfindern, Entdeckungen und Künstlern geboten, die niemals von der eigentlichen Geschichte ablenken, sondern diese gekonnt ergänzen.

„Die heiklen Passagen der wundersamen Herren Wilde & Hamsun“ ist eine lohnenswerte Reise.

 

Ein Kommentar

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Eine Antwort zu “#indiebookday

  1. Danke und liebe Grüße, Hauke

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