Hei – Hel im Brockhaus 33

 

 

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Aus meinem Brockhaus, Ausgabe Januar 1933 -der letzten vor Hitler.
Ein Thema, das nicht halb so brisant war, als ich begann, mich lyrisch damit auseinanderzusetzen. Die Ergebnisse dieser Beschäftigung mit diesem heiklen Begriff gibt es am Dienstag beim gemeinsamen „Heimatabend“ mit Thorsten Trelenberg -in dieser Kombi werden wir noch öfter auftreten- sowie dann bald als illustriertes Bändchen. (siehe gestrigen Post) Heissa!

Aus diesen Gründen hier noch einmal eines der längeren „Heimatgedichte“:

 

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in jeder austauschbaren näheren fremde

großvater fing sich beim furchtlosen kampf in den wäldern um kursk
einen granatsplitter unter das linke Schulterblatt und trug ihn mit sich
auf dem verwundetentransport durch die danziger bucht
beim aufspüren des geflohenen viehs rund um den elterlichen hof bei zyfflich
als er meine großmutter entdeckte durch die scheibe eines rheinberger cafés
bei seinen frühschoppengeschäften am tresen des ankers zu rees
und als er außer sich vor schmerz unter einer gestärkten decke starb

mutter schlug sich bei einem sturz mit dem rad in den s-bahnschienen
von meiderich
einen stein aus dem gleisbett ins knie und trug ihn mit sich
als sie meinen vater traf auf der rhein-knie brücke zu düsseldorf
bei der hochzeitsfeier in einem dunklen lokal im reichswald zerfurcht
von wildschweinen und bombenkratern die bäume mit einschusslöchern
als sie mich zeugten in einem bonner hotel vorne heraus mit blick auf den fluss
und als sie zart wie papier hinter neuen gardinen starb

vater schossen sie beim indianerspielen am ufer des altrheins
die spitze eines pfeils in die  schläfe  er trug die narbe mit sich
in der borussenkurve und der coesfelder kaserne
als er seine mutter begrub beurlaubt vom lehrgang in erkelenz
in der geschlossenen der klinik im grünen
und trägt sie heute in seinem sessel sitzend
als verblassendes detail einer unfallskizze

ich trieb mir bei einem versuch am wort wahrheit
die splitternde spitze des stifts in den daumen
und trage ein stückchen graphit mit mir vor st. nicolais jesse
wurzelumrankt und den xantener artefakten des untergangs

wenn ich von drei flusskieseln einen einsteck und zwei versenke
auf dem zum ausweichen zu schmalen griethausener deich
bedenke wenn ich dich angesichts von schwänen beschwöre
mich nie zu befragen woher ich kam:
überall wo ich etwas zu suchen habe habe ich auch etwas verloren

 

 

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Ein Kommentar

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Eine Antwort zu “Hei – Hel im Brockhaus 33

  1. mickzwo

    So ein Lexikon bietet bisweilen eine Menge!

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