-Vom UND und vom Ende-

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Wer Angst vor dem Ende hat, sollte keine Geschichte beginnen.

Oft genug liegt das Ende schon vor dem Anfang, wenn die Geschichte sich noch im Bereich der Möglichkeit, der Ideen bewegt und das schon feststehende Ende erstickt sie im Keim. -Schade. Manchmal kommt es abrupt und unerwartet, bevor man das Gefühl hat, alle Aggregatszustände des Stoffes seien durchgelebt und ab und an zieht es sich hin und hin und zögert und wäre besser eher gekommen. In machen Fällen lebt man in Erwartung und einer Ahnung des Endes und merkt nicht, dass es längst präsent ist und dieser schleichende Zustand des Verfalls bereits eigentlich und de facto ENDE heißt.
Eine Geschichte braucht ein Ende, besser wäre es, man finge gar nicht erst an. Aber manchmal ist es zu verlockend, die Fäden in der Hand zu halten, die Finger in die hohlen Köpfe der Puppen zu stecken und ihnen Worte in den Mund zu legen. Dass man mit jeder Wendung, jedem Vorantreiben der Handlung bereits am Ende strickt, ist einem nicht bewußt. Erst, wenn es erforderlich wird, bekommt man Angst und fragt sich, ob es wohl ein Rundes wird, das langsam heranrollt und mit dem Rest des Schwungs an genau der richtigen Stelle zum stehen kommt, oder ob es fällt wie ein Beil und alle losen, noch durchbluteten Stränge schmerzhaft kappt. Man sucht nach guten letzten Worten.Und dann beantwortet man zwanghaft alle Fragen, aber jede Antwort zieht eine neue Frage wie eine Kugel an einer Kette um den Knöchel hinter sich her und dann trifft man nicht die Tasten und über jedem Punkt krümmt sich immer ein Haken. Man sucht nach Worten, und findet doch immer nur UND.
Eine Geschichte braucht ein Ende, auch Tausend, auch Zehntausend Seiten sind keine Lösung, wenn nicht die letzte verlässlich weiss ist. Alle müssen sterben oder sich im Zustand des unzweifelhaften Glücks auflösen. Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute kauft uns Keiner mehr ab! Drei Pünktchen sind keine Lösung und weiter und unermüdlich Schicht auf Schicht aufzustapeln führt nur bis nach Babel und bis in den Himmel und zur Unendlichkeit und das ist uns -auf höhere Weisung hin- leider verboten.
Man kann ein Ende suchen, aber keines finden. Man kann kein Ende machen, wo noch keines ist. Man. kann. Hier. Keinen. Punkt. Setzen, weil der Satz noch nicht komplett ist.
Es will alles gesagt,es will alles getan sein, bevor man erfährt, wie es endet. So ist es abgemacht, mit dem Es war einmal, mit dem ersten Wort hast du dich darauf eingelassen.
Jetzt musst du es zu Ende bringen.

4 Kommentare

Eingeordnet unter prosaisch

4 Antworten zu “-Vom UND und vom Ende-

  1. …und das gilt nicht nur für’s Geschichtenschreiben… … auch wenn drei Punkte keine Lösung sind… …ich schaffe selten, sie auf einen Punkt zu reduzieren.

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