„Ein ausdrucksstarker Roman“

Da sie so wunderbar richtig verstanden und gut geschrieben ist, möchte ich Daniela Loisls Histo-Couch- Rezension der Heiklen Passagen… hier noch einmal komplett präsentieren. Das Original steht hier.

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„Zwei unterschiedliche Literaten und ihre Erfahrungen“

von Daniela Loisl

USA 1882. Die beiden jungen Männer Oscar Wilde und Knut Hamsun sind auf dem Weg nach Amerika. Wilde, zu Vorträgen eingeladen wird überall erkannt und hofiert und wird durch seine Vorträge über Ästhetik berühmt. Hamsun hingegen, der damals noch Knut Pedersen hieß, war noch gänzlich unbekannt und musste schließlich auch arbeiten, um sich die Rückfahrt nach Norwegen leisten zu können. Beide Männer prägen die Literaturwelt nachhaltig, doch beide Schriftsteller machen jeder auf seine Weise Erfahrungen mit der dunklen Seite der Menschheit.

Zwei Männer, zwei Leben

Wie schon bei Mann im Schatten hat Matthias Engels auch dieses Buch im Bereich der Literatur angesiedelt. War es im erst erwähnten noch Thomas Mann, dem sein Interesse galt, so sind es hier keine Geringeren als Oscar Wilde und Knut Hamsun. Beide Männer begleitet man auf einem Schiff in die USA und so unterschiedlich die Charaktere der beiden sind, so unterschiedlich auch ihre Lebensweise.

Engels erzählt episodenhaft und kapitelweise, die meist relativ kurz gehalten im Wechsel zu den beiden Protagonisten stehen. Eingeleitet werden die Kapitel, angelehnt an Logbucheinträge der Schifffahrt, durch Datum, Ortsangabe und Koordinaten und einer Kurzbeschreibung zum aktuellen Wetter, welche den Leser ohne großer Beschreibungen ein Bild zum aktuellen Umfeldes des jeweiligen Akteurs wiederspiegelt.

Ungewohnt innovativer Aufbau der Erzählung 

Sorgen die schon bewusst kurz gehaltenen, aber zahlreichen Kapitel für Kurzweil, so wird dies noch unterstrichen durch Exkurse in das Zeitgeschehen des auslaufenden 19. Jahrhunderts. Verhandlungen zum Festlegen des Nullmeridians oder auch Einblicke in die Chirologie lockern die doch leicht bedrückende Atmosphäre auf. Bedrückend insofern, weil der informierte Leser natürlich um das Schicksal der beiden Protagonisten weiß und man in ständiger Erwartung harrt, wann es für die beiden erfolgreichen Literaten vorbei ist mit ihrer Karriere und der soziale Abstieg aus gänzlich unterschiedlichen Gründen beginnt.

Geht es in der Erzählung um beide Schriftsteller gleichermaßen, so kann man sich aber des Eindrucks nicht erwehren, dass Oscar Wilde etwas mehr im Fokus steht. Allerdings kann dieser Eindruck auch durch die so gänzlich unterschiedlichen Charaktere entstehen, ist Wilde doch eine schillernde, auffällige und gern gesehene Figur in der Gesellschaft, der dem Luxus frönt und keine körperliche Arbeit kennt, während sich Hamsun, aus ärmlichen Verhältnissen kommend, mit viel Mühe hocharbeiten muss, um seiner Passion, dem Schreiben, nachkommen zu können.

Heikle Passagen

Dass Engels ein Autor mit viel Empathie ist, hat er bereits in seinem Werk um Thomas Mann gezeigt. Er besitzt die Gabe, sich auf die jeweilige Figur einzulassen und mit geschickt gewählten Formulierungen die wesentlichen Charakterzüge des jeweiligen Literaten hervorhebt, ohne sich in ausschweifende Beschreibungen zu verzetteln.

Mag der Titel auf den ersten Blick etwas ungewöhnlich sein, so darf man feststellen, dass Engels (oder der Verlag?) sich aber sehr wohl Gedanken dazu gemacht hat und die Quintessenz im Leben beider Schriftsteller ausgezeichnet auf den Punkt bringt. Die heiklen Passagen im Leben beider sind es, die sie letztendlich zu Fall bringen. Die Homosexualität ist es bei Wilde, die ihn ins Gefängnis und auch den gesellschaftlichen Absturz bringt, während es bei Hamsun seine politischen Ansichten zur Zeit der Nazis sind, die ihn in der Psychiatrie landen lassen.

Das so hautnahe Miterleben zweier außergewöhnlicher Männer der Feder empfindet man als schmerzlich, was für Matthias Engels spricht, der in ausdruckstarker und gereifter Sprache mit diesem Buch eine würdige Reminiszenz an Wilde und Hamsun geschaffen hat.

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