David Wonschewski…in 3 Sätzen

Foto: Periplaneta.com 

Im letzten Jahr traten wir einmal bereits gemeinsam auf- am vergangenen Dienstag nun gastierte der aus dem Münsterland stammende und  in Berlin lebende Autor und Musikjournalist David Wonschewski gemeinsam mit der Liedermacherin Sarah Lesch im Huck-Beifang-Haus in Burgsteinfurt. Ein gut besuchtes und lohnendes Ereignis- ich kann nur Jedem wärmstens empfehlen, Davids bitter-süße Texte zu lesen oder noch besser: eine seiner zahlreichen Lesungen zu besuchen, denn der Autor ist nicht nur ein in allen Zwischentönen sicherer und psychologisch versierter Erzähler, sondern darüber hinaus auch ein Vortragskünstler erster Güte:

„Wonschewski zieht alle Register der Vortragskunst bis hin zur schrillen Verzweiflung, die sich in drastischen Stimmlagen widerspiegelt. Ironie, Sarkasmus und Zynismus – der Autor versteht es vortrefflich, diese Stilmittel zu einem höchst amüsanten Cocktail zu mixen.“

-schrieb Rainer Nix von den Westfälischen Nachrichten gestern zu Recht in seiner Rezension des Auftritts. David schreit, flüstert und schluchzt seine Texte, begleitet sie lebhaft gestikulierend und treibt einem mitunter die Tränen in die Augen.

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HIER gibt es ausführliche Informationen zu Davids Büchern.

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Ich hatte die Gelegenheit, David, dessen drittes Buch: der Roman Zerteiltes Leid gerade erschienen ist, zu einem kleinen Interview zu treffen. Mit einem neuen Konzept, das eventuell in Serie geht:wonsch

Hallo David, für Dich habe ich mir ein besonderes Konzept überlegt. Bitte äußere Dich in 3 (in Worten: drei) Sätzen–so spontan wie möglich zu folgenden Begriffen:

dw

D.W.: Dieser Herr ist mir kaum bekannt. Ihn zu treffen – in wörtlichem wie in übertragenem Sinne – mein höchstes Ziel. Und der Grund meines Schreibens.

literaturneu
D.W.: Einer der Begriffe, denen ich zwiespältig gegenüberstehe. Werde ich „Literat“ genannt, so macht mich das schon stolz, streichelt die eitle Künstlerseele. Dann aber wieder denke ich, dass diese Katalogisierung herzlich wenig aussagt, denn so wie in der Musik letztlich alles Pop ist, ist im Autorenbereich letztlich alles Literatur

berlinneu
D.W.: Lass mich in dem Fall Klaus Hoffmann zitieren: Mein Gespräch, meine Lieder, mein Hass und mein Glück, mein Tag, meine Nacht, mein Vor, mein Zurück. Dein halbtoter Bahnhof, wo ich unter denen steh‘, die morgen, schon morgen in bess’re Städte geh’n. Wo ich dich verlassen will, immer wieder, immer noch, ich schaff‘ den Sprung auch, ich schaff‘ den Sprung doch. (aus: „Berlin“, 1978)

heimnue
D.W.: Da verhält es sich wie mit „David Wonschewski“. Rastlosigkeit ist mein Motor, eine Heimat zu finden eine meiner größten Sehnsüchte. Findet sich auch in fast allen meinen Texten wieder, das Gefühl der Entwurzelung.

melanneu

D.W.: Privat besehen ist Melancholie eines der erhabensten Gefühle, die mir bekannt sind. Darf gerne mit einer Prise Pathos und Kitsch angereichert werden, je sämiger, desto besser! Ob sich das allerdings in meinen Texten wiederfindet, so wie es gerade bei „Geliebter Schmerz“ im Untertitel „Melancholien“ benannt wird, kann allerdings mit Fug und Recht diskutiert werden.

Danke! Sehr interessant! Und nun gibt es noch drei literarische Zitate, die Du mal kurz sacken läßt und dann sagst, was Du davon hältst. Ob Du zustimmst oder widersprichst. Los geht`s:

 „Ich glaube, man sollte überhaupt nur solche Bücher lesen, die einen beißen und stechen.“

D.W.: Komplette Zustimmung. Ian Curtis, der dem Suizid anheim gefallene Sänger der Kultband Joy Division sagte einmal etwas ähnliches in Bezug auf die Musik seiner Band. Sinngemäß: Es muss hässlich und abstoßend klingen, sonst ist es für die Katz. Sehe ich auch so, ohne Niederlage und ohne Schmerz – keine Weiterentwicklung.

„Am besten, man lebt in einer nicht zu schönen Gegend. Weil einem sonst nichts einfällt.“

D.W.: Komplette Zustimmung. Vermutlich genau deswegen wohne ich ja weiterhin in dieser schrecklichen, von sich selbst besoffenen Stadt Berlin. Wobei es die Gegend, in und an der es nichts zu meckern gib, wohl gar nicht gibt. Denn schließlich stammt das Gemecker ja nicht von der Stadt als solcher, sondern vom jeweiligen Menschen. Da kannst du also hinziehen, wohin du willst – die auf Gräßlichkeit gepolte Grundhaltung zieht immer mit.

Das äußere Gehabe der Menschen ist so vieldeutig, dass man sich nur geben muss, wie man ist, um völlig verborgen zu leben.“D.W.: Erinnert mich ein wenig an einen Ausspruch von Beckett. Wie ging der noch? In etwa: Wir leben in Zeiten, in den man andere Menschen nur noch mit Langeweile zu schockieren vermag. Oder so ähnlich. Beckett stimme ich sehr zu, dem Satz dort oben nur bedingt. Ich glaube die wenigsten Menschen wissen wirklich wie sie sind. Wir sind Zerrbilder divergierender Sehnsüchte und Träume, geschlagener Wunden und kleiner oder großer Traumata. Allein dahinter noch einen puren Kern von „reinem Ich“ zu erkennen zu glauben, erachte ich als arrogant. Das äußere Gehabe der Menschen ist vieldeutig, richtig Das innere Gehabe aber eben auch.

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Spannend, was Dir zu diesen Sprüchen einfällt!
Wollen wir es auflösen?- Beim ersten handelt es sich um ein Kafka-Zitat;
das Zweite stammt tatsächlich von einem deiner Säulenheiligen, Thomas Bernhard..
..und das Dritte gab Elias Canetti von sich. -Ich danke Dir sehr herzlich für dieses kleine Experiment und wünsche Dir weiterhin viel Erfolg!

Die Tour geht weiter. David wird noch an vielen anderen Orten zu hören und zu sehen sein- mit wechselnder musikalischer Begleitung oder allein. Ich würde hingehen! Termine gibt es immer aktuell auf Davids Blog oder seiner Facebook-Seite.

David Wonschewskis Blog findet man hier
Seinen Verlag hier

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