Zu Gast: Autor André Krüger

Heute freue ich mich mal wieder über Besuch auf meinem kleinen Blog.

ak

André Krüger, Autor aus Berlin, hat gerade eine sehr interessante und harte Zeit: Sein Romanmanuskript:
Für all die schönen Mädchen befindet sich gerade in der Fundingphase des kladde buchverlags. Kladde (die regelmäßigen Leser meines Blogs werden es schon wissen) finanziert seine durchweg handverlesenen Publikationen über crowdfunding- das heißt: Alle, auch Andrés Titel, werden nur realisiert, wenn das nötige Geld dafür im Vorfeld zusammen kommt. Andrés Projekt läuft noch eine Weile und ist extrem dankbar für jeden Unterstützer- wer Interesse hat: HIER findet`s statt!

André ist Jahrgang 1984; studierte Theater- und Medienwissenschaften und Philosophie. Er ist Mitbegründer des Autorenkombinats Kommando Torben B. und bekannt als Berliner Untergrund-Autor, Neo-Bukowski und oftmals verglichen mit Henry Miller, wird er von seinem Publikum und seinen Kritikern als großer Entertainer, enfant terrible und textlicher Ready-Made-Künstler geschätzt.
Statt der gewohnten Interviews habe ich mir für André eine andere Art ausgedacht, auf die er über sich, sein Projekt und das Große und Ganze erzählen darf und dankenswerterweise war er aufgeschlossen und verrückt genug, darauf einzugehen! – Sechs Stichworte warf ich ihm hin und er durfte wild drauflos schwadronieren! Aber lest selbst, was bei den Experiment herausgekommen ist!
hand_feder_04
1. Stichwort:
berlin

...calling: Die unumgängliche Frage wenn Du in Berlin wohnst und einen anderen Menschen kennen lernst (was hier ziemlich häufig vorkommt) lautet: „Wo kommst Du eigentlich her.“ Ich sage dann immer, dass ich schon immer Berliner gewesen bin, aber erst seit ein paar Jahren hier wohne. Ich habe mich hier schon immer sehr wohl gefühlt und bin keiner von diesen Menschen, die anfangen, leichtes Reisegepäck zusammen zu suchen, sobald sie sich weiter als drei U-Bahnstationen von ihrem Kiez entfernen. Ich würde nicht so weit gehen, zu behaupten, dass die ganze Stadt so etwas wie ein zweites Wohnzimmer für mich ist und dass eine Reise über die Grenze des S-Bahn-Rings hinaus nicht lang und beschwerlich ist, aber nirgendwo sonst kannst Du an einem Freitagabend nach einer langen Woche im 9to5büro Dich einfach ohne Plan in eine Kneipe setzen, um fünf Minuten später Sonntagmittag mit den selben Klamotten, Schrammen und Knutschflecken aus einem Club zu kriechen, von dem Du noch immer nicht weißt, wie er eigentlich heißt. Wobei ich der bin, der lieber am Seitenstreifen steht und die Leute beobachtet – statt wie Airen direkt einzutauchen in den ganzen Wahnsinn. Es geht einfach darum, dass Dir in Berlin nie der Stoff ausgeht, auch wenn man phasenweise darauf achten muss, dass einem beim Feintuning der Work/Life-Ballance nicht die Energie ausgeht und man gar nicht mehr zum Schreiben kommt. Das ist es vermutlich mit Berlin und Autoren: Du musst aufpassen, dass Du vor lauter leben hin und wieder auch noch genug Stunden in der Woche an die Schreibmaschine gefesselt wirst. Wer da jemand hat, der einem die entsprechenden Ketten anlegt ist gut geerdet.

ego…brauchst Du – sonst hat es keinen Sinn überhaupt erst mit dem Schreiben anzufangen. Und Dein Ego muss nicht nur vorhanden sein, sondern Du musst es auch mögen. Schließlich bist Du ziemlich viele Stunden mit ihm allein, wenn Du mal wieder an irgendeinem Text sitzt und Dir ganz dringend einfallen muss, was passiert, wenn Dein Protagonist jetzt die Tür aufmacht und zum ersten Mal seinem Blind Date begegnet. Wenn Du Dich in solchen Momenten nicht selber toll finden kannst, stehen Deine Chancen ziemlich schlecht, dass das die Situation, die Du beschreibst hinterher auch den Leser fasziniert. Im Grunde lastet auf Deinem Ego der Druck, dass sich der Leser ständig neu in Dich verlieben muss, damit er sich die Mühe macht, auch den nächsten Absatz zu lesen. Ich bin sehr froh, dass ich in Berlin auch eine wunderbare Gruppe von Alter Egos gefunden habe: Das Autorenkombinat Kommando Torben B. Das sind ein Dutzend ebenso unterschiedlicher wie begabter Autoren, die alle das Glück hatten, eine Absage für ein Literatur-Stipendium erhalten zu haben und auf diese Weise miteinadner in Kontakt gekommen sind. So haben wir immer das Glück, ständig andere Egos in Reichweite zu haben, die einem weiterhelfen, wenn die eigene Autorenpersönlichkeit mal wieder in er Identitätskrise steckt.
traum…ist ganz klar: Bestseller raus bringen, Insel in der Südsee kaufen und das Festland nur noch betreten, wenn Du mal wieder einen Pressetermin für die Verfilmung Deines neuesten Romans wahrnehmen musst.
angst.jpg…ist ebenso klar: Kein Buch raus bringen.
alternativen…zu was? Zu Crowdfunding? Mal jemanden kennen lernen, der was in der Branche zu sagen hat und Dich richtig toll findet. Anders kommst Du nicht rein. In ist, wer drin ist. Und wer nicht drin ist, kommt nicht rein. Gibt ja genug Autoren, die einmal einen Preis oder ein Stipendium oder so was gewinnen und sich dann durch den Ausschreibungs-Wust der Republik fräsen, bis sich irgendwann auch mal die Leute erbarmen, ihre Bücher zu kaufen, damit die dann davon leben können. Mein Ausweichplan ist ja immer: Rockstar werden, 10 Jahre auf Tour gehen und dann Bücher schreiben. Ich glaube, in unserem Land hat jeder Bassist einer Indie-Band, die es einmal als Headliner bis in das E-Werk in Erlangen geschafft hat, ein Anrecht darauf, einen Buchverträg zu bekommen. Wenn dann so ein kleiner Student, wie ich mal einer war, mit seinem Manuskript beim Verbrecher Verlag klingelt, nehmen die Dich doch gar nicht ernst. Dieser Plan B hat aber natürlich einen nicht unerheblichen Haken: Ins Musikgeschäft kommst Du wahrscheinlich genauso beschissen rein, wie in die Buchbranche. Eine weitere vielsprechende Option wäre es natürlich, auf den richtigen Zug aufzuspringen: Damals, als mein großes Vorbild in Sachen Bühnen-Personality Benjamin von Stuckrad-Barre sein Soloalbum rausgehauen hat, konnte jeder Affe, der in der Lage war, ein weißes Herrenoberhemd zu tragen und ein Manuskript in der Schublade hatte, einen Buchvertrag bekommen. Als Charlotte Roche der Welt ihre Feuchtgebiete präsentiert hat, musste jede junge Frau, die wusste, wie das Wort „Sex“ buchstabiert wird, darauf achten, dass ihre Abi-Tagebücher nicht plötzlich auf der Spiegel Bestseller-Liste landen. Einer der männlichen Fiction Lektoren bei Ullstein fand das Manuskript von FÜR ALL DIE SCHÖNEN MÄDCHEN gut. Der Rest der Lektorenrunde war der Meinung, „männliche Autoren, die über männliche Protagonisten schreiben – das kauft keiner.“ Schließlich sind es ja Frauen, die die Bücher kaufen. Von daher lautet die aktuelle Alternative wohl: Geschlechtsumwandlung. Hinterher kann ich dann ein Buch darüber schreiben, wie ich eine Geschlachtsumwandlung gemacht habe, um im Buchmarkt Fuß zu fassen. Vielleicht sollte ich also mein nächste Crowdfunding für eine Geschlechtsumwandlung ansetzen?
 geld…kriegt man nicht so einfach. Crowdfunding ist ein sehr guter Weg, wenn man bereits eine Fanbase hat, die man direkt anspricht oder ein Produkt, in das man einfach hinein findet. Musik ist hier glaub ich sehr dankbar. Der Künstler läd einen Song hoch, der potentielle Crowdfunder vor dem Computer drückt auf den „Play“-Button und nach drei Minuten weiß er, ob er dafür Geld ausgeben will. Bücher sind unglaublich unsexy und wenn Du nicht das Glück hast, weiblich und jung zu sein und über Sex zu schreiben, hast Du auch nicht besonders Möglichkeiten, Dein Buch in ein sexy Licht zu rücken. Ich lese gerne Bücher über Sex von jungen Autorinnen, aber ich fürchte, dass ist eine Sparte, die ich selber nicht bedienen kann. Zu alt, zu männlich. Immerhin das mit dem „über Sex schreiben“ bekomme ich hin – aber ein Treffer von drei Chancen reicht leider nicht, um auf dem Rummelplatz den großen Plüsch-Panda zu gewinnen. Immerhin bekommen all die netten – und zweifellos auch sehr gutaussehenden und intelligenten – Menschen, die sich erweichen können, sich an meinem Crowdfunding zu beteiligen, ihr Geld zurück, wenn die kritische Summe nicht zusammen kommt. Ich bin mal sehr gespannt, ob Deine Leser ebenfalls zu dieser netten, gutaussehenden, intelligenten und ohne zweifel auch sehr gut riechenden und stilvoll gekleideten Gruppe von Menschen gehören, die sich an meinem Crowdfunding beteiligen. 😉
Ich danke André für seine Bereitschaft zu diesem kleinen Spielchen und hoffe, dass es dem ein oder Anderen Lust gemacht hat, einmal auf seiner Fundingseite vorbeizuschauen und eventuell sogar ein wenig zum Entstehen des Buches beizutragen! Dort gibt es auch eine Leseprobe aus Für all die schönen Mädchen, ein Video und Hintergrundinformationen. Und wie immer kannman sich interessante Gegenleistungen und Vergünstigungen sichern!

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter -

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s