-Moderne Klassiker (?)-

bücherzeile
Heute wäre mal wieder Eure Beteiligung gefragt! Kürzlich erreichte mich die Anfrage des Literaturkurses eines Gymnasiums in Münster-

„Wie definiert man Klassiker und welche Bücher von heute hätten das Zeug, zukünftig als solche zu gelten?“– war die Frage.

Mit dem Versuch einer Definition konnte ich dienen; auch fielen mir einige Titel ein, die auf ihre Weise typisch und allgemeingültig für ihre Epoche, ein Thema oder einen gewissen Stil sind und eventuell auch in vielen Jahren noch so betrachtet werden könnten.

Habt Ihr denn noch Ideen? Titel, die nach dem Jahr 2000 erschienen sind und von denen Ihr denkt, dass Sie auch in -sagen wir- 100 Jahren noch als „klassisch“ dastehen könnten? Eine kurze Begründung wäre toll! Freue mich auf Eure Kommentare!

6 Kommentare

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6 Antworten zu “-Moderne Klassiker (?)-

  1. Guten Morgen, lieber Matthias,
    das brennt mir ja regelrecht unter den Nägeln, da meinen Senf dazuzugeben:
    „Klassiker“ definiere ich für mich unter: zeitlos „gültige“ Literatur. Gültig in dem Sinne, dass sie der lesenden Menschheit auch in Jahrhunderten noch wichtige Erkenntnis über sich vermitteln können und zugleich ein Abbild der Zeit sind, in der sie geschrieben wurden.
    Ein Beispiel habe ich, dass allerdings schon 1997 erschienen ist, aber immer noch aufgeführt wird. Es ist ein Drama. Es ist DAS Drama über die Unfähigkeit oder die Fähigkeit zu glauben. Über die Unfähigkeit oder die Fähigkeit zu denken. Über die Frage ob das eine das andere ausschließt oder ergänzt. Ein Drama der Antithesen. Brilliant verpackt der französische Autor Eric Emanuel Schmitt diese Thesen in Szenen, in denen Sigmund Freud Besuch bekommt von Gott. In Gestalt eines Bel Ami schneit er in Freuds Arbeitszimmer und verwickelt ihn in dermaßen tiefe Fragen, dass Freu zu immer neuen Gedankengängen, Antworten und neuen Fragen bewogen wird. Diese Dialoge über…ja…Gott und die Welt erklären so ganz nebenbei das Konzept Religion, die Anliegen der Psychoanalyse. Und als ob das nicht schon genug wäre, spielt natürlich noch das Böse mit (der Teufel?) inform durch Wien marschierender und die angeregte Unterhaltung störender Nazis.
    Ein Genuss! Zumal Schmitt versteht, seine Dramen romanhaft auszuschmücken und sie so auch für junge Schüler extrem gut lesbar macht.
    http://www.libelle.ch/backlist/909081059.html

  2. Ich würde unterscheiden zwischen einem Klassiker und einem in den Schulkanon aufgenommenen Buch.
    Es ist schwierig zu sagen, was (vor allem im Schulbetrieb) zukünftig zum Kanon gehören wird. „Neuere“ Werke sind da ja „Der Vorleser“ und „Das Parfum“, wobei ich ersteres nicht zu den „Klassikern“ zählen würden, zweiteres aber durchaus einer werden könnte. Ich glaube, dass auch Wolfgang Herrndorfs „tschick“ bald zu dem gehören wird, was man in der Schule regelmäßig liest. Es gibt genug Medientrara darum, dass LehrerInnen darauf aufmerksam werden und es in ihrer Freizeit lesen. Und weil es für den Unterricht viele Anknüpfungspunkte gibt (und auch schon Unterrichtsmaterialien dazu), wird es sich etablieren.

    • Moinsen, stefanini! Drei Titel, die ich auch auf meiner Liste hatte! Die ersten beiden sind ja leider schon vor 2000 erschienen, wären sonst aber sicher Kandidaten. „Das Parfum“ ist ja sozusagen das Paradebeispiel für das „neue Erzählen“ der 80er; auch Nadolnys „Langsamkeit“ käme da in Frage. „Tschick“ habe ich auch genannt- es wird der offizielle Nachfolger des Fängers im Roggen, denke ich! Außerdem kommt bei W. Herrndorf ja der Faktor „interessante Vita“ hinzu, den man vielleicht auch nicht ganz aus den Augen verlieren sollte, wenn es um Klassiker geht- ein besonderes Leben oder Sterben überhöht ja oft das Werk noch einmal…Danke für Deine Mithilfe; ich leite alles weiter!

      • Ob ich so weit gehen würde zu sagen, dass SchülerInnen „tschick“ als Nachfolger des „Fänger im Roggen“ ansehen würden, weiß ich nicht.
        Ich hatte zu dem Buch schon folgenden Eintrag veröffentlicht, in dem auch meine Kritikpunkte herauskommen:
        http://gescheuchteigel.wordpress.com/2014/07/24/jugendbuch-tschick/

      • Das wird dann die Zeit zeigen….das Zeug dazu hätte es eventuell. Sicher gibt es auch dort Schwächen, ja. Ich glaube, ich hatte deinen Artikel gelesen, als ich das Buch in meinem Lesekreis bearbeitet habe- sehe ihn mir aber gleich nochmal an. Es wird ja bald ein Fragment aus Herrndorfs Nachlaß veröffentlicht, in dem Isa, das Mädchen von der Müllkippe aus „Tschick“ zur Hauptfigur wird- haste gesehen,oder?! Noch ein Grund, das nochmal zu lesen! Danke und alles gute!

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