– Ihm fehlen die Worte- kleine Geschichte

roseL. fehlen die Worte, wie man sagt. Wo halten sie sich auf und wie lange schon? Hatten L. oder die Worte andere Verpflichtungen und waren sie sich wirklich so nah gewesen, dass sie ihm heute fehlen konnten? Oder ist es, wie so vieles, nur eine Sache der Gewohnheit? Ist man nicht in aller Regel mit dem Vorhandensein der Worte an seiner Seite so vertraut, dass man sich dessen die meiste Zeit gar nicht bewußt ist?Meist liegen sie ja auf der Zunge oder der Hand. Warum sucht L. die Worte nicht oder be-sucht sie, wenn er weiß, wo sie sich aufhalten? Ein kurzer Abstecher müsste doch machbar sein. Vielleicht fehlt er den Worten genauso. Oder sie wollen L. eine Weile nicht sehen. L.`s Unfähigkeit, die Sache so herum zu betrachten, zeugt ja schon von seiner recht egozentrischen Weltsicht.
Gibt es Worte, die ihm besonders fehlen? Zieht er Einzelne anderen vor und warum? Fehlen ihm zum Beispiel SERENADE oder BERGKRISTALL, obwohl recht selten gebraucht, mehr als TISCH oder FLASCHE? Eventuell sind es auch die kleinen, unspektakulären, die er am meisten vermisst, da er sich bewußt geworden ist, wie häufig man ihrer bedarf? Fehlen ihm ICH und ER und SIE? IN und IM und AM? Und:  wo also weilen die Worte nun und was trieb die Trennung voran. Gab es Konflikte und könnte eine professionelle Beratung die Sache wieder ins Lot bringen?und2

Ich leide tatsächlich mit L., habe Verständnis. Auch mir fehlen die Worte beizeiten, allerdings jene am meisten, die ich nie hatte. Das Wort für den Zustand, wenn man genug getrunken hat und einfach beim besten Willen nichts mehr reingeht- das Äquivalent zu SATT. Das Wort für das Gefühl, wenn man wie ein Aussenstehender realisiert, dass man gerade nichts zu bedauern hat und sich fast dafür schämt. Ein Wort für das GLÜCK unter Berücksichtigung aller begleitenden Umstände und Notwendigkeiten, dass mehr sagt als ZUFRIEDENHEIT und ohne negative Konnotationen auskommt. Diese Worte fehlen mir auch, dafür habe ich andere gründlich satt und über. Ich könnte ihm welche davon anbieten, aber ich weiß, dass sie nie an die Stelle der Worte treten könnten, die er hatte und die ihm fehlen. Auch dafür gibt es kein Wort: wenn eine Lücke geschlossen wird und dennoch etwas fehlt.

2 Kommentare

Eingeordnet unter -, prosaisch

2 Antworten zu “– Ihm fehlen die Worte- kleine Geschichte

  1. oh ja, das kenne ich auch, manchmal fehlen die Worte ganz, dann bin ich einfach sprachlos, aber dann sind zwar Worte da, aber nicht die, die ich bräuchte, um das zu sagen, was gesagt werden will und manche Worte haben sich abgenutzt, sind mir über, neue habe ich dafür noch keine gefunden, aber ich bleib dran … 😉

    herzliche Grüsse
    Ulli

    • Ja, so geht es wohl vielen von uns, Ulli. Es ist ja kaum etwas so wandelbar und gewichtig wie Worte. Obwohl auch ein Schweigen sehr laut und deutlich sein kann…..Dran bleiben ist wohl der beste Weg….

      Lieben Gruß zurück und danke für`s Lesen und Kommentieren

      matthias

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