-Ich liege bei den Kranken- Gedicht

Bild

ich liege bei den kranken
in ihrem klammen saal

ich liege bei den kranken
wir deuten unsere fieberkurven
vermessen unsere narben
erzählen uns unsere symptome
nächteleis- und lang

wir teilen das vokabular
sie finden blind
meinen puls
ein wohlwollender blick
ist der applaus der amputierten
mit tremolierenden fingern
erkennen die blinden:
unsere ähnlichkeit

mein schlaf ist tief
von den mondsüchtigen bewacht
von den wehruntüchtigen droht keine gefahr 
ich liege bei den verstummten
den entstellten und vermummten
die verkrümmten loben
meine schöne gestalt

ich liege bei den kranken
die was ausbrüten
unsichtbar unter der strahlung
wir lesen die deltas unserer adern 
unter unserer ähnlich dünnen haut

wir wissen: infektiös sind wir alle
von einem einzelnen tröpfchen
das ihr fürchtet
geht uns der styx
nicht über

4 Kommentare

Eingeordnet unter lyrisch

4 Antworten zu “-Ich liege bei den Kranken- Gedicht

  1. …nur das Wort „infektiös“ am Ende schmeisst mich raus. Es ist, wenn ich das sagen darf, zu „unlyrisch“ und klinisch für die letzte Strophe. Ein „ansteckend“ würde auch passen.
    Nur meine 5 Cent…
    Gruß, Klammer

  2. der lebensgrat ist schmal
    der tanz auf dem lebensvulkan
    gelingt erstaunlicherweise
    unglaublich vielen

    ab und zu stürzen ein paar ab
    nach innen in die glut
    nach aussen in den frost
    tot sind wir irgendwann alle

  3. Oskar

    Hat dies auf gutjahr's rebloggt und kommentierte:
    Kafka. Der Landarzt.

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