-Ich mach was mit Büchern- Interview

Wer mindestens 18 Jahre alt geworden ist, hat Stoff für zig Romane

von Matthias Engels am 6. Juli 2011

in Interview-Reihe: Köpfe der Buchbranche

Matthias Engels

Matthias Engels

Wer sind Sie und was machen Sie mit Büchern?

„Ein ganz normales Leben taugt für 1000 Geschichten“ ist so ein bisschen ein Motto für mich und mein Schreiben.

Ich mache nicht nur „was“ mit Büchern, eigentlich mache ich „alles“ mit Büchern. Wenn man es genau betrachtet, kreist mein ganzes Leben und Bücher um ihre Inhalte. Natürlich lese ich phanatisch, aber ich bin auch gelernter Buchhändler und verkaufe Bücher, oft ganz bewußt gegen den Mainstream. Als Kursleiter für Literatur in der Erwachsenenbildung spreche ich regelmäßig mit anderen interessierten Lesern über Bücher; ihre Konstruktion, ihre Geschichte, ihren Ton und Stil. Als Autor schreibe ich Lyrik (seit gefühlten 100 Jahren) und Romane. Ich mag die scheinbar ganz normale Welt in Büchern und speziell in meinen eigenen Geschichten, die oft autobiographisch wirken, aber meist nur nah an der Wirklichkeit entlang geschrieben sind. Irgendein Kollege sagte einmal, wer mindestens 18 Jahre alt geworden ist, hat Stoff für zig Romane. So ähnlich sehe ich es auch und gerade die scheinbar unspektakulären Leben, in denen auf den ersten Blick wenig passiert, finde ich spannend.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus?

Ich arbeite meist morgens, wenn die Kinder zur Schule sind. Erste Skizzen zu Texten entstehen handschriftlich, in Kladden gesaut, bis ich genügend Material, einen ersten Satz habe, um anfangen zu können. Dann geht es an den Rechner. Der reinen Arbeitszeit am Text steht natürlich immer das Nachdenken gegenüber. Wie geht es weiter? Was muss noch unbedingt gesagt werden? Etc. Und die Recherche, denn ich mag es, meine fiktiven Geschichten mit realen Orten und Begebenheiten zu unterfüttern. Auch das braucht viel Zeit im Internet oder über Büchern und Zeitungen. Bin ich mitten in einem Text, bin ich sicher oft kein sehr angenehmer Gesprächspartner. Gewollt oder ungewolt, alles kreist um die Figuren oder einen Sachverhalt und die reale Welt hat es schwer, mich zu erreichen.

Wie hat sich Ihre Arbeit in den letzten Jahren bzw. in der letzten Zeit verändert?

Nach nunmehr drei Romanen merke ich, dass ich gezielter arbeiten kann, effektiver. Ich verfüge jetzt über etwas Routine, was den Aufbau eines Textes angeht und dennoch muss ich noch so unsagbar viel lernen. Da ich immer nur eine begrenzte Zeit zum Schreiben habe, musste ich lernen, dann zu arbeiten, wenn es geht. Das alte Klischee vom Autor, den die Inspiration überfällt und sich sofort an die Arbeit macht, ist zwar hübsch, traf auf mich aber aus rein praktischen Gründen nie zu. Das war oft ein Problem, jetzt geht es besser. Früher fiel es mir außerdem schwerer, eine Konstruktion für den ganzen Stoff zu finden, der mir vorschwebte. Heute geht das schneller. Ich habe überdies gelernt, dass es genauso wichtig ist, Dinge auszulassen, um dem Leser Raum zum Phantasieren zu lassen. Früher habe ich gedacht, ich müsse alles ausformulieren und so hatten alle Texte einen Hang zum Monolog. Mittlerweile schätze ich den Dialog, der mir früher Probleme bereitete.

Was ist ein typisches Problem bei Ihrer Arbeit, für das Sie eine Lösung suchen?

Erstens: das Gefühl, nach einem fertigestellten Text nie wieder etwas zu erzählen zu haben.

Ein Loch, in das man fällt und sich quält, obwohl man schon die Erfahrung gemacht hat, dass einen irgendwann ganz von alleine etwas anspringt und nicht mehr losläßt.

Zweitens: ich traue mich oft nicht an Dinge, die ich noch nicht versucht habe. Mittlerweile zwinge ich mich dazu, aber eine Hemmschwelle gegenüber mir fremden Stoffen und Genres ist noch da.

Wo finden wir Sie im Internet?

Ich habe eine eigene kleine Homepage, auf der es unregelmäßig frische Gedichte und Neuigkeiten von mir gibt, auch Leseproben meiner Romane und Erzählungen: www.matthiasengels.jimdo.com. Weiterhin gibt es Profile auf zahlreichen Seiten, z.B. beim Literaturbüro Westfalen oder dem Kulturserver NRW. Auch bei facebook gibt es eine Autorenseite.

Die Original-Webseite findet man hier:

ich mach was mit büchern

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