-Eier, Butter, Käse- Geschichte

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Freitagnachmittag. Der Supermarkt brechend voll mit Wochenendeinkäufern und Rentnern mit Rollatoren auf dem Weg zum Zwieback und zum Obst im Glas. Einige Stände, an denen Studenten und Mini-Jobber Warenproben anbieten, sind zusätzlich in den engen Gängen aufgebaut. Kenner kosten Prosecco aus Plastikbecherchen, Kinder kauen kleine Stücke Kuchen und Pizza mit revolutionärem Belag. Frischkäse-Variationen.Bedarfsdecker. Aufsteller von Fernsehköchen grinsen und weisen den Weg zum Genuß in kleinen Dosen.
Menschen schieben Wagen, lesen Listen von Displays, vergleichen, welche Sorte Apfelmus nun günstiger ist, gerechnet auf den Kilopreis. Menschen nehmen Cornflakes, nehmen Knoblauch, nehmen isotonische Getränke und stellen ein paar Gänge weiter, isotonische Getränke wieder weg, heimlich, ins Regal mit Gebäck.
Noch im Eingangsbereich, im vielfältigen und großzügigen Obst- und Gemüseangebot, steht ein junger Mann mit Bart. Er studiert einen Zettel, einen kurzen Bleistift aus einem schwedischen Möbelhaus in der Hand.

Neben ihm wiegt eine Frau ihre Melonen, erklärt eine Oma ihrem desinteressierten Rollstuhlschieber, dass die komische Knolle da Sellerie ist. – Aha!
„Endivien?“, fragt ein Mann einen der Angestellten, der gutgelaunt das Fach mit den eingeschweißten Mischsalaten füllt.
-„Noch kein Frost!“, gibt dieser zurück.
Ein Rentner will nur schnell mal durch, zu dem Korb mit den Abfällen, dem Kohlrabi- und Karottengrün, denn das kann man noch prima dem Hasen geben.
Der Mann mit dem Zettel streicht etwas von seinem Papier, denkt, fügt etwas anderes hinzu.Er hat keinen Wagen dabei, vielleicht fehlte ihm die passende Münze oder der Chip aus der Fußgängerzone, von der CDU.

Eine Frau flucht über diese hauchdünnen Tüten, die sich nicht richtig öffnen lassen und zerreißen unter dem Gewicht von zwei dicken Pilzen. Kasse 10 wird geöffnet und Frau Krabowski muss dringend an die Käsetheke. Der junge Mann bemerkt das nicht. Er studiert weiter ernst Zettel, streicht etwas aus, kritzelt etwas Neues auf den Rand, denn er hat bereits so viel geändert, dass der Platz knapp geworden ist.
Manchen steht er im Weg, besonders denen, die dringend Ananas benötigen, geschält und bereits in praktische Scheiben zerteilt. Der junge Mann kann sich nicht vorstellen, dass Andere unbedingt Ananas brauchen, denn er braucht nie welche, reagiert allergisch auf deren Säure. -„Entschuldigung“. Er tritt einen Schritt beiseite.
Während neue Äpfel gebracht werden, Elstar, Braeburn, Cox Orange, vertieft er sich wieder in seinen Zettel. Er streicht ein Wort, fügt ein Anderes hinzu, tilgt damit einen unangebrachten Reim und zieht einen Strich, dann läßt er Stift und Papier sinken und geht weiter. Ob er den neuen fruchtig-feurigen Dip aus Mango und Chili einmal kosten möchte? Er wirft einen Blick auf die Schüsselchen und die blondierte Frau mit der Brille am Band auf dem Busen in Lurex und schlurft weiter.

Einige Stunden später, es sind nur nich drei Kassen offen und der Run auf die Filetspitzen aus der Werbung ist abgeklungen, sieht man ihn in der Knabberabteilung, zwischen bunten Tüten mit Chips und Dosen mit gesalzenen und gerösteten, nur gesalzenen, aber ungerösteten oder nur gerösteten, aber ungesalzenen oder Erdnüssen natur, ungesalzen, ungeröstet). Er schreibt mittlerweile auf der Rückseite seines Zettels, kratzt sich mit dem Stift an der Schläfe, zählt Silben.Er erwägt ein „himmelweit“, verwirft ein“tauduft“, streicht eine uralte Metapher.

Als die Durchsage die Schließung des Geschäftes in wenigen Minuten ankündigt, – Wir wünschen einen angenehmen Abend. Morgen früh, ab 7 Uhr, sind wir gerne wieder für Sie da. -, geht der junge Mann mit dem Bleistift hinter dem Ohr und einem Päckchen Currywurst für das Wasserbad zu Kasse 5 und zahlt und geht.

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