-Letzte Worte- Gedichtzyklus 5-9

Auguste Comte

https://i2.wp.com/0.tqn.com/d/sociology/1/0/D/-/-/-/Comte-photo---Hulton-Archive-Getty-Images.jpg

ein strom spucke
aus dem mundwinkel des mitinsassen
auf die kante einer verlausten matratze
besiegelt seine gewisperten weisheiten
glauben ist ein kinderspiel
metaphysik kitzelt dem burschen die lende
wissenschaft allein ist des mannes würdig
gelangweilt schnarcht der wärter
auf der anderen seite des gitters

beklagt den armen teufel
dessen uhren anders gehen
13 monate a 28 tage
und einen für die heiligen
der beginn eines monats
ist immer ein montag
er ritzt es in den putz seiner zelle
verehren wir nichts als die menschlichkeit
bis man den wasserpudding bringt

und zuletzt?
auf dem durchschwitzen bette?

alles ist tand, pater,
was nicht erklären kann
warum der mensch zum mensch
ist wie er ist-
wir brauchen einen neuen glauben
einen neuen heiland-
ich stehe bereit
bereue, freund
raunt der pfarrer
und denkt: welch ein phantast
bald ist es vollbracht
und er seufzt:
welch ein verlust

Enrico Caruso

File:Enrico Caruso 1.png

ich bekomme keine luft mehr
verhungern mit nahrung
all überall um sich herum

stille in den hallen und sälen
atemloses lauschen
alle luft war dein- aber:
wie atmet man nun, hinter marmor

in nichts anderem solltest du ruhen als luft
keine mumie sein, die eine mamma einst zärtlich mimi rief
die stimme: ein fossil im rauschen
eingeschlossen in wachs und in lack
doch mit einem puls,
überraschend deutlich

er lebte nicht durch das herz
seine lungen waren zentrales organ
und die pforte durch die der tod kam

wann haben sie ihn zuletzt lebend gesehen?
auf der bühne
gestützt auf sein gegenüber
wie ein ertrinkender
ringend um luft
aber singend.
der vogel flieht immer
zum licht

nach dem letzten ton
hob sich die tide der stille
und er versank
für die letzten
stummen tage

alles vermummt in schwarz
die straßenbahnen glitten lautlos
die hufe der gäule
hinterließen kein geräusch
auf dem pflaster.

Mata Hari

https://i0.wp.com/www.greta-garbo.de/GretaGarboMataHari.jpg

väterliches erbe vielleicht.

ein bankrotteur der vater
der den baron markierte.
was er nie lernte-
die tochter wußte es bald:
kleider machen leute-
aber nacktheit
mysterien
von männern beworfen
mit wünschen
schenkte sie allen
ihre wahrheit

nur verhüllt
von geschichten
stand sie:
brahmanentochter
aus den gärten
der heiligen stadt
hutmachers kind
aus dem kaff am meer
im kegel der fremden gier

nun gleichen die schützen knaben,
starrend auf das kaninchen,
befürchtend, es könne zur schlange
sich wandeln, hier
vor ihren bangen augen

wenn das nun
die exekution ist, dann:
danke, monsieur,
für den spiegel
wer die seiten wechselt
sollte gut aussehen.
man weiß nicht, was kommt.
ein klapp und die dose schließt sich
ein zucken im lid des oberst
und ein wenig puder stäubt

legt an!

James Dean

http://statthandfuss.files.wordpress.com/2011/03/james_dean3.jpg

er wird uns sehen

gegen die tiefe sonne
den fahrtwind
und das dröhnen der maschine
er wird anhalten

sterben in der maske eines alten mannes
verkeilt in ein knäuel metall
verschmolzen und selbst teil
des geschosses
gerichtet auf den eigenen leib

das wrack als attraktion verbracht
in die lobby eines bowlingcenters
werfen sie jetzt einen exclusiven blick

letzte wege
gehe man nicht allein
nimm einen fremden mit
als fährmann
über den glühenden asphalt

weizenhaariger waise,
verschickt in die fremde,
versteckt im waggon mit deiner mutter sarg,
du kamst auf die welt aus einem käfig
brennend an beiden enden
und seufzend beim blick auf die sterne
auf einer leinwand

die kugel flog
und würde nicht halten
er wird uns sehen

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2. Juni 2013 · 10:14 am

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